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Eine hochkarätige Referenten-Riege begrüßte Künstlerhaus-Leiter Eike Berg (am Mikrofon). Zur reformatorischen Kraft der Kunst gaben Dieter Hammer (3. v. l.), Kassandra Nakas (4. v. l.) und Prof. em. Oswald Bayer (4. v. r.) ihre Statements ab. Mit-Gastgeber Dekan Jochen Hauer (3. v. r.) war mit dem Leiter des Kunstreferats des Landeskirchenamts, Helmut Braun (l.), und Kurator Björn Vedder (r.) ebenfalls unter den Gästen des Abends.

Kunst und Reformation: Symposium am Schafhof

Begreifen und Denken über Bilder

Theologische Reformgedanken und die kirchliche Erneuerungsbewegung unter Luther sind nicht nur an religiösen und historischen Themen festzumachen. Sie haben auch Einfluss auf die Kunst gefunden. Das wurde bei einem Symposium am Sonntag im Künstlerhaus am Schafhof deutlich.

Freising – Zahlreiche Referenten hatten sich mit der Verbindung zwischen der lutherischen Reformation und der reformatorischen Kraft der Kunst auseinander gesetzt. Das Evangelisch-Lutherische Dekanat hatte in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Künstlerhaus am Schafhof zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Den Grundgedanken Luthers, die Kirche als Institution zu entstauben und den Glauben von überflüssigen Riten zu befreien: Das war Intention von vielen der künstlerischen Arbeiten einer Ausstellung, die vom Leiter des Kunstreferats im Landeskirchenamt der Evangelische Kirche in Bayern, Helmut Braun im vergangenen Jahr kuratiert worden war. „Gott und die Welt“ hieß die Triennale für zeitgenössische Kunst in Schweinfurt. Der Fokus habe auf dem Wort „und“ gelegen. Die Künstler seien der Frage nachgegangen, wie und wo sich Gott und die Welt möglicherweise berühren, verbinden und durchdringen.

Dieter Hammer, der Vorsitzende des Kunstvereins „Freisinger Mohr“ und Mitinitiator des Symposiums, stellte eine außergewöhnlich interessante formale und persönliche Interpretation des Reformgedankens vor. Die Kunstform Fotografie habe er in der Theorie kritisch analysiert und das „Abbild“, das durch das Fotografieren entstehe, radikal in Frage gestellt. Mit Hilfe eines „Image Generator“ – eine bis auf zwei Plexiglaskuben, die an den Rahmen montiert wurden, abgebaute Großformatkamera – habe er den Betrachter mit ganz neuen Sehgewohnheiten konfrontiert. Das „Kunstwerk“ werde dabei komplett aus der konventionellen Auffassung genommen.

Über Luthers reformatorisches Wort- und Bildverständnis referierte der emeritierte Professor für Systematische Theologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Oswald Bayer, der mit seinem Vortrag auch den Bogen zur aktuellen Ausstellung im Künstlerhaus, „Wo das Wort ist“, schlug. Die reformatorische Kirche sei eine „Kirche des Wortes“. Allerdings würde das „Begreifen und Denken“ letztlich über Bilder funktionieren. Das Wort lasse Bilder entstehen, betonte der Wissenschaftler. Besondere Bedeutung käme dem „Christuswort“ bei, das im Abendmahl Sprache und Sinnliches vereine.

Die Transzendenz in den Werken von Objektkünstlern wie Marcel Duchamp oder Mel Bochner stellte die Kunstwissenschaftlerin Kassandra Nakas in ihrem Vortrag „Die sprachkritische Wende und die Frage nach der Religion in der Gegenwartskunst“ in den Vordergrund. Die Generation der Objektkünstler habe in den 1960er Jahren vor allem die Vorrangstellung der Malerei in der Kunst aufgebrochen. Die erwähnten Protagonisten Mel Bochner und Marcel Duchamp hätten diesen Bruch durch die Einbindung von Sprache in ihre Kunst vollzogen.                                          Maria Martin

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