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Die Wochenend-Ausflügler: Mit der Boulevard-Komödie „Weekend im Paradies“ entführten die Spieler der Freisinger Laienbühne die Besucher in die goldenen 20er Jahre.

„Weekend im Paradies“

Laienbühne Freising feiert paradiesische Premiere

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Die Freisinger Laienbühne hat jetzt das Publikum in der Luitpoldhalle mit einer Boulevardkomödie vom Feinsten begeistert.

Freising – Die Laienbühne Freising in Bestform, das Publikum begeistert: Mit einer rasanten Komödie verwandelte das Theaterensemble die Luitpoldhalle bei der Premiere am Freitag wahlweise in ein staubiges Ministerium oder einen Sündenpfuhl. „Weekend im Paradies“ bot zweieinhalb Stunden lang große Unterhaltung und noch größeres Amüsement.

Das Stück von Arnold und Bach um den Aufstieg des Regierungsrats Wurmser ist Boulevard vom Feinsten. Da ist alles drin, was man von gehobener Komödienliteratur erwarten kann: Verwechslungen, Geheimnisse, Überraschungen, ein wenig Klamauk, Hektik und Momente der rasenden Leidenschaft.

Könner hinter und vor allem auf der Bühne

Doch was würde das beste Stück nützen, wenn das Ensemble das Potenzial nicht ausschöpfen könnte, wenn der Regisseur keine zündenden Ideen hätte, das herrlich überdrehte Spiel zu inszenieren? Die Laienbühne Freising ist ein Ensemble, das das kann. Und Stephan Leitmeier, der mit „Weekend im Paradies“ sein Debüt als Regisseur gab, ist offenbar einer, der seine eigene Liebe für den Boulevard auf die Spieler überträgt, der die Charaktere schärft und genau weiß, wann Klamauk passt, wann und wie niveauvolle Klamotte dem Publikum die Lachtränen ins Gesicht treibt und wann man auch mal eine Pause von Turbulenzen braucht, um wieder Atem holen zu können.

Bravo! Das Publikum in der Luitpoldhalle quittierte die Leistung des Laienbühnen-Ensemble um Regisseur Stephan Leitmeier mit tosendem Applaus.

Dazu braucht es Könner hinter und vor allem auf der Bühne. Wer die Hauptrolle des Regierungsrats Wurmser mit einem Wolfgang Schnetz besetzen kann, hat schon halb gewonnen: Gnadenlos gut verkörpert er den korrekten Beamten, der nichts annimmt, nicht einmal Vernunft, der erst das kleine, stets übergangene Rädchen im Uhrwerk des Ministeriums ist, dann aber aufsteigt. Ob klagendes Schreibtischtäterchen oder selbstbewusster Direktor: Schnetz ist der changierende Charakter auf den Leib geschnitten – ganz anders als sein rot-weiß gestreiftes Badekostümchen.

Selbst die Pausen werden zum Event

Dass der Abend zur prächtigen Unterhaltung wird, der auch den nostalgischen Liebreiz der 20er Jahre hervorruft, liegt freilich am gesamten Ensemble: eine glänzend aufgelegte Gabriele Anderl als Wurmsers brave Frau Hedwig, ein wunderbar überdreht turtelnder Michael Schwaiger als Oberregierungsrat Maurer, ein unbedingt sehenswerter Anton Wiesheu als Ministerialrat Blechinger. Die ganze Palette dessen, was das Stück verlangt und was die Laienbühne so grandios abdecken kann, offenbart sich in den Rollen der Landtagsabgeordneten Adele Haubenschild und der Lebedame Fifi: Die eine Rolle – moralinsauer, bigott und verklemmt – macht Margot Riegler zu einem Glanzstück. Die andere – lasterhaft, kokett und offensiv – erhebt Angela Flohr zum Highlight. Dazu das grandiose Urgesteins-Duo der Laienspieler Franz Spitzenberger und Richard Brückl, auf die man sich immer verlassen kann und die für Lacher und großes Theater gut sind. Elisabeth Reisch gibt ganz entzückend die gezierte und sich zierende Stenotypistin Dorli, Wilhelm Ziegltrum ihren Charmeur Dr. Winkler.

Der Mann, der sich die meisten Türen merken muss, ist Helmut Wagner als geflissentlicher Bürodiener Binder, bestens besetzt sind auch die kleineren Rollen mit Jochen Fischer, Max-Emanuel Reisch und Anne Stümpfl. Es gäbe noch viel zu würdigen in einer Inszenierung, bei der auch die Pause zum Event wird und selbst die Durchsagen ein Genuss sind. Laienbühne in Bestform eben. Aber das muss man selbst gesehen haben.

Gut zu wissen

Tickets für die weiteren Aufführungen von „Weekend im Paradies“ sowie zusätzliche Infos über das Ensemble gibt es auf der Homepage der Laienbühne Freising

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