Tolles Trostpflaster: Wer sich bei Dr. Michael Haslbeck in Kranzberg impfen lässt, erhält ein Alles-wird-gut-Pflaster.
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Tolles Trostpflaster: Wer sich bei Dr. Michael Haslbeck in Kranzberg impfen lässt, erhält ein Alles-wird-gut-Pflaster.

Ansturm auf das Vakzin ist groß

Astrazeneca-Freigabe in Bayern: Jetzt sind auch die Ärzte verunsichert - „Das ist ein Verwirrspiel“

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Der Ansturm auf Astrazeneca im Landkreis Freising ist groß. Die überraschende Freigabe des Vakzins für alle ab 18 sorgt aber auch für Chaos und Verwirrung.

Landkreis – Dr. Michael Haslbeck fühlte sich an einen historischen Moment erinnert. Als der Hausarzt aus Kranzberg am Mittwochabend in den Nachrichten hörte, dass der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek den Corona-Impfstoff Astrazeneca nach vielem Hin und Her nun wieder für sämtliche Altersgruppen freigibt, dachte er an den DDR-Politiker Günter Schabowski. „Der hat 1989 in der legendären Pressekonferenz gesagt, dass die Grenzen offen sind. Und dasselbe habe ich mir auch bei der Aussage des Gesundheitsministers gedacht.“

Und tatsächlich: Schon am nächsten Morgen war die Grenze auf, berichtet Haslbeck. „Als ich in der Früh in die Praxis kam, stand schon die erste Patientin am Empfang, die gesagt hat: ,Ich bin 53 Jahre alt und möchte mit Astrazeneca geimpft werden.‘“ Das Problem: Im Augenblick hat die Praxis das Vakzin gar nicht vorrätig. „Die Ration für die Woche haben wir bereits verimpft, und nächste Woche erhalten wir nur Biontech.“

Coronavirus in Freising: Astrazeneca-Termine in Windeseile ausgebucht

Dass die Ärzte auf die neue Entwicklung nicht so schnell reagieren können, ist für Ärztesprecher Georg Miedl klar: „Das war eine Nacht- und Nebelaktion, die sehr plötzlich kam. Für uns Ärzte ist das schwierig und anstrengend.“

Generell ist die Astrazeneca-Nachfrage groß. „Wir haben kein Problem, den Impfstoff an den Mann zu bringen“, betont Haslbeck. Das zeige auch die Aktion des Impfzentrums am kommenden Wochenende. „Da waren die 550 Impftermine für über 60-Jährige mit Astrazeneca innerhalb von eineinhalb Stunden ausgebucht.“

Verwirrung um Astrazeneca-Impfungen: Auch Hausärzte fühlen sich verunsichert

Haslbeck hält Astrazeneca für einen guten Corona-Impfstoff, hat aber aus einem anderen Grund derzeit Bedenken, ihn an Jüngere zu verimpfen. Denn die neue Haltung der bayerischen Regierung widerspricht der weiter geltenden Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO), Astrazeneca nur an über 60-Jährige zu verabreichen. „Da tun wir uns in der Praxis schwer, weil wir die Empfehlungen der STIKO einhalten wollen – zumal die Staatshaftung bei möglichen Impfschäden nicht geklärt ist.“

Auf dieses Problem weist auch Dr. Thomas Geiner aus Moosburg hin. „Das beißt sich. Und das verunsichert auch mich als Hausarzt.“ Er verweist auf einen sogenannten Roten Handbrief, den Ärzte von der Arzneimittelkommission erhalten, wenn es bei Medikamenten zu Auffälligkeiten kommt. Darin heißt es zu Astrazeneca: „Die Anwendung dieses Impfstoffs sollte nur im Einklang mit den offiziellen nationalen Impfempfehlungen erfolgen.“ Geiners Frage: „Also an was halte ich mich jetzt?“ Miedl spricht von einem „Verwirrspiel“ mit Astrazeneca als „Spielball“.

Ärztesprecher zu Astrazeneca-Impfungen: „Wir tun alles, damit wir vorwärts kommen“

Probleme bereiten den Ärzten auch immer noch die Impfstoff-Lieferungen. „Das läuft träge“, sagt Haslbeck. „Wir erhalten in der Regel nur die Hälfte von dem, was wir bestellen.“ Auch Geiner spricht von Schwankungen bei der Versorgung mit Vakzinen. „Diese Woche haben wir zum Beispiel nur ein Fläschchen mit Astrazeneca bekommen.“ Miedl bestätigt ebenfalls, dass trotz Einhaltung aller Vorgaben selten die gesamte Bestellmenge ankomme. „Wir Ärzte tun alles, was wir tun können, damit wir vorwärts kommen. Aber es luft ein Stück weit chaotisch.“

Wie Geiner betont, gehen die Hausärzte, wie das Impfzentrum auch, nach Priorisierung vor. Es gebe aber immer Fälle, die durchs Raster fallen würden. So dürfen Pflegebedürftige oder Schwangere je zwei Personen benennen, die dann bevorzugt geimpft werden. „Wen das betrifft, der kann gerne aktiv auf uns Hausärzte zukommen.“

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