Teststation mit Mitarbeitern und Testern bei der Firma Heinz in Moosburg
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Bereits auf freiwilliger Basis haben Otto Heinz (l.) und Eduard Heinz (r.) den Mitarbeitern ihres Unternehmens Heinz Entsorgung Corona-Tests angeboten. Es besteht für die Angestellten sogar die Möglichkeit, sich von geschultem Apotheken-Personal den Abstrich nehmen zu lassen.

Mehr Unterstützung erwünscht

Corona: Viele Betriebe in Freising testen schon - und ärgern sich zum Teil über Vorgehen der Politik

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Unternehmen sollen gezwungen werden, Mitarbeiter Corona-Tests auf eigene Kosten anzubieten. Bei vielen Betrieben sorgt das für Unmut - aus mehreren Gründen.

Landkreis Freising – Erstmals seit Monaten ist im Landkreis die Inzidenz über 200 geklettert. Um die Infektionsketten früher zu unterbrechen, sollen künftig Unternehmen per Bundesgesetz dazu verpflichtet werden, ihre Mitarbeiter zu testen. Über das politische Vorgehen herrscht bei den Betroffenen großer Unmut.

„Viele kleine und mittlere Unternehmen finden es fragwürdig, dass der Staat Aufgaben und Kosten des allgemeinen Infektionsschutzes per Verordnung auf sie abwälzt. Gleichzeitig ist es den Unternehmern aber nicht erlaubt, ihre Mitarbeiter zu verpflichten, die Tests zu nutzen oder nur mit negativem Testergebnis zur Arbeit zu kommen“, kritisiert Otto Heinz, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Freising-Erding. Zudem werde so das große freiwillige Engagement entwertet, dass die breite Mehrheit der Unternehmen seit der besseren Verfügbarkeit der Tests gezeigt habe.

Unternehmen hat Teststation errichtet

In Heinz’ eigenem Betrieb, Heinz Entsorgung, können sich Mitarbeiter zweimal wöchentlich testen lassen. „Etwa 70 Prozent unserer rund 600 Angestellten nehmen das an“, berichtet der Unternehmer dem FT. Bei denjenigen Mitarbeitern, die Kontakte mit anderen im Betrieb hätten, läge die Quote sogar bei annähernd 100 Prozent. Den Heinz-Beschäftigten werden Selbsttests zur Verfügung gestellt, sie können sich aber auch durch das geschulte Personal einer Apotheke testen lassen, das in den Betrieb kommt. Dafür hat das Unternehmen eigens eine Teststation aufgebaut.

„Die Teststrategie stellen wir überhaupt nicht infrage – im Gegenteil“, betont Heinz. Er widerspricht aber den Darstellungen, dass alle Unternehmen durch die Corona-Überbrückungshilfen einen Ausgleich für die Test-Kosten erhalten könnten. Dies betreffe nur Unternehmen, die Umsatzeinbußen von mindestens 30 Prozent gegenüber dem Vorkrisenniveau hätten – also Branchen, die von Schließungen betroffen waren, etwa Gastronomie und Hotellerie, Einzelhandel, Tourismus und Veranstaltungswirtschaft, deren Mitarbeiter wegen des Lockdowns auch gar nicht mehr im Betrieb präsent sind.

Kreishandwerksmeister sieht drei Probleme

Der Kreishandwerksmeister Martin Reiter bezeichnete das Vorgehen der Politik als „Misstrauensvotum gegenüber den Handwerksbetrieben“ und als „falschen Weg“. Natürlich wolle man, dass die eigenen Mitarbeiter gesund bleiben und arbeiten könnten. „Daher bieten viele unserer Betriebe neben anderen Hygienemaßnahmen die Selbsttests auch bereits freiwillig an“, betont Reiter. „Aber erstens gibt es einige Mitarbeiter, die das gar nicht in Anspruch nehmen wollen. Und zweitens würden wir uns da etwas mehr Unterstützung von der Politik wünschen.“

Reiter sieht drei Probleme. Erstens: Welche Tests haben die beste Qualität und sind möglichst sicher? „Wir haben bei einem Vorstandsmeeting am Dienstag allein vier Din-A4-Seiten mit Firmen ausgedruckt, die Tests anbieten“, berichtet Reiter. Zweitens: Stehen wirklich genug Tests zur Verfügung, wenn es mit dem neuen Gesetz auch zum Ansturm der Unternehmen auf die Produkte kommt? Der Kreishandwerksmeister bezweifelt das, ist sich aber sicher, dass auf jeden Fall die Preise steigen würden – so wie es bei Masken der Fall gewesen sei.

Tesas Instruments hält Tests für sinnvolle Investition in Mitarbeiterschutz

Und drittens: „Am meisten stört mich das Hin und Her“, sagt Reiter. Es dürfe nicht zu der gleichen Dynamik wie beim Mund-Nasen-Schutz kommen, wo einzelne Maskentypen zunächst vorgeschrieben waren, dann aber in verschiedenen Bereichen nicht mehr benutzt werden durften. „Wir haben heute noch Hunderte von Masken auf Lager, die wir nicht mehr nutzen dürfen.“

Mit 1500 Mitarbeitern zählt Texas Instruments zu den größten Arbeitgebern im Landkreis. Wie Geschäftsführer Andreas Schwaiger mitteilt, bietet das Unternehmen bereits Tests an – für eigene Mitarbeiter, aber auch für die von eingesetzten Fremdfirmen. „Die Testmöglichkeiten werden gut angenommen.“ Die Tests bezieht TI von Apotheken. „Für uns stellen diese Kosten eine sehr gute Investition in die Sicherheit unserer Mitarbeiter und die Aufrechterhaltung unseres Produktionsbetriebs dar.“

Post unterstützt nationale Teststrategie der Bundesregierung

Auch die Deutsche Post bietet ihren Angestellten längst freiwillig Tests an, wie Sprecherin Sonja Radojicic mitteilt. „Die Resonanz unserer Mitarbeiter auf unser Corona-Test-Angebot ist sehr positiv, und wir unterstützen damit die nationale Teststrategie der Bundesregierung.“

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