Ein Richterhammer aus Holz liegt auf der Richterbank.
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Vor Gericht steht ein Brüderpaar, das nach einem verunglückten Einbruch im Landkreis Freising des versuchten Mordes angeklagt sind.

Verteidiger wollen Zweifel an Erinnerungsvermögen des Geschädigten säen

Ertappte Einbrecher schlagen Opfer auf den Kopf - Brüderpaar muss sich wegen versuchten Mordes verantworten

Bei einem Einbruch schrecken zwei Täter das Opfer aus dem Schlaf und schlagen ihm daraufhin auf den Kopf. Vor Gericht will die Verteidigung Zweifel säen.

Landkreis – „Am Gesamteindruck“ will ein Landwirt (51) die beiden Einbrecher erkannt haben, die in der Nacht zum 10. Februar 2020 seinen Hof heimgesucht haben. Der 51-Jährige aus dem Landkreis Freising schilderte am Mittwoch vor dem Landgericht Landshut, wie er durch „helles Licht“ aufgewacht sei und „zu 100 Prozent“ einen ehemaligen Angestellten und dessen Bruder an seinem Bett gesehen habe, ehe ihn ein Schlag traf, der ihn bewusstlos machte.

Die Jugendkammer steht nun vor dem Problem, dass sich lediglich aufgrund eines Gesamteindrucks schwerlich ein Urteil fällen lässt: Nach Einlassung der angeklagten Brüder zu Prozessbeginn war nur der Jüngere (18) an dem Einbruch beteiligt, der Ältere (22) würde somit unschuldig auf der Anklagebank sitzen.

Die Verteidigung kündigte an, eventuell das Einholen eines neurologischen Gutachtens zu beantragen. Ein solches soll belegen, dass bei dem Geschädigten durch die erlittene Ohnmacht eine Erinnerungsverfälschung, der sogenannte False Memory Effect, vorliegt.

Als der Einbrecher das Geld nehmen will, schreckt das Opfer aus dem Schlaf

Die beiden Angeklagten müssen sich wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Der 18-Jährige hatte eingeräumt, gemeinsam mit einem Bekannten spontan bei seinem ehemaligen Chef eingebrochen zu sein. Eine Tötungsabsicht habe nie bestanden. Er habe im Schlafzimmer gerade 700 Euro aus der Geldbörse entnommen, als der Landwirt aufgeschreckt sei. Der Bekannte habe dann ein Mal mit der Taschenlampe zugeschlagen, da der Chef versucht habe, nach einem Elektroschocker zu greifen.

Das Opfer erlitt ein Schädelhirntrauma und einen Schädelbruch. Heute noch trägt der 51-Jährige Platten im Kopf. Polizei und Ermittlungsrichter gegenüber hatte er angegeben, die Brüder aufgrund der Motorik erkannt zu haben. Vor Gericht will er sie an der Augenpartie identifiziert haben. Die Frage von Verteidiger Michael Weiss, ob er denn unmittelbar nach dem Aufwachen von der Deckenbeleuchtung nicht geblendet worden sei, verneinte er.

Opfer beteuert, sich richtig zu erinnern

Wie der Geschädigte berichtete, endete das Arbeitsverhältnis mit dem 18-Jährigen in Unfrieden. Er habe den 18-Jährigen vom Hof geworfen. In diesem Zeitraum hätten sich auch zwei Diebstähle ereignet, so der 51-Jährige. Einer davon war von dem 18-Jährigen am ersten Verhandlungstag tatsächlich eingeräumt worden.

Richter Andreas Wiedemann fragte den 51-Jährigen, ob es sich aufgrund des Ärgers, den er mit dem Ex-Angestellten gehabt habe, um einen „nicht realitätsbasierenden Rückschluss“ handeln könne. Dies verneinte der Landwirt vehement: „Dieser Abend war live.“ Doch auch die Verteidigerriege zeigte sich skeptisch. Man wolle das Leid des Geschädigten nicht schmälern und ihn auch nicht der Lüge bezichtigen. Ein „unabsichtliches Verfälschen“ halte man aber für möglich.  (kö)

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