Dr. Stephan Hofer, Oberarzt der Neurologie und Leiter der Schlaganfallstation (l.), und Dr. Roland Brückl, Chefarzt der Kardiologie und Pneumologie
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Vorbildlich: Dr. Stephan Hofer, Oberarzt der Neurologie und Leiter der Schlaganfallstation (l.), und Dr. Roland Brückl, Chefarzt der Kardiologie und Pneumologie, sind bereits geimpft und unterstützen die Impf-Kampagne des Landkreises „Ein Stich für dich und mich“. Foto: klinikum

Klinikum als Vorreiter

Die Skepsis weicht: Immer mehr Pflegekräfte wollen sich impfen lassen

  • Helmut Hobmaier
    vonHelmut Hobmaier
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Die Liste mit dem Impfbereiten im Kreis Freising wird immer länger. Der Chef des Roten Kreuzes gibt eine Prognose ab, wann die erste Risikogruppe versorgt ist.

  • Zum Impfstart hat es auch im Landkreis Freising eine relativ hohe Impfskepsis gegeben.
  • Inzwischen wird die Liste der Impfwilligen lang und länger.
  • Laut BRK wird es Monate dauern, die erste Risikogruppe zu versorgen.

Landkreis – Die Impfbereitschaft steigt: Im Klinikum Freising wird am Mittwoch bereits mehr als die Hälfte der 1000-köpfigen Belegschaft geimpft sein – und auch in den Seniorenzentren schwinden die Bedenken vieler Pflegekräfte: „Es kommen immer mehr Meldungen“, berichtet BRK-Kreisgeschäftsführer Albert Söhl.

Die breite Impf-Skepsis bei Pflegekräften in Seniorenzentren und Krankenhaus-Mitarbeitern in ganz Bayern sorgte in den vergangenen Tagen für Aufregung. Immer häufiger fiel sogar das Wort „Impfpflicht“. Auch im Landkreis überraschte die geringe Resonanz in den Heimen. Doch jetzt, nach den ersten reibungslosen Impfrunden, berichtet Söhl, wollen immer mehr Mitarbeiter in den Seniorenzentren den Schutz erhalten.

Wenn nun Heime für die zweite Impfung erneut angefahren werden, werde stets auch eine Reihe von Mitarbeitern ihre Erstimpfung erhalten: „Das wird schon“, gibt sich der BRK-Chef zuversichtlich. Die Liste der Impfwilligen werde immer länger. Söhl rechnet künftig mit etwa 1200 Dosen des Vakzins, die wöchentlich in den Landkreis geliefert werden – was auch der dem Landkreis entsprechend seiner Bevölkerungszahl zustehenden Menge entspricht. Bei 10 000 Ü 80-Senioren und jeweils zwei Impfungen werde es bei dem derzeitigen Tempo „mindestens bis April“ dauern, bis diese Gruppe höchster Priorität versorgt ist. Dass man jetzt aus einem Fläschchen sechs statt fünf Dosen ziehen kann/darf, könne die Sache allerdings etwas beschleunigen, hofft Söhl.

Anmeldungen kamen „waschkörbeweise“

BRK und Johanniter, die im Landkreis das Impfen managen, werden gerade mit Anmeldungen geflutet: „Waschkörbeweise“ sind Anmeldungen per Post eingegangen, dazu unzählige E-Mails. Nach und nach werde man das alles abarbeiten, verspricht Söhl. Dabei will man die Termine zeitnah vergeben – etwa im Wochenrhythmus. Die Senioren würden erst „eingetaktet“, wenn die Verfügbarkeit des Serums sicher sei. „Bis jetzt hat die Lieferung aber immer geklappt“, berichtet Söhl. „Was versprochen wurde, kam auch bei uns an.“

Am Dienstag waren das etwa 600 Dosen, am Freitag soll die nächste Charge kommen. Am Montagabend waren übrigens 1963 der 180 000 Landkreisbürger geimpft – etwas mehr als ein Prozent. Am Dienstag kamen etwa 100 hinzu, wie das Landratsamt mitteilte.

535 Mitarbeiter am Klinikum sind bereits geimpft

Einen nicht unerheblichen Teil davon macht inzwischen die Belegschaft am Klinikum aus, wo die Impf-Aktion auf vollen Touren läuft. Sprecher Sascha Alexander spricht von einer „sehr erfreulichen Entwicklung“. Nachdem am 27. Dezember zunächst 20 Mitarbeiter zu den Pionieren im Landkreis zählten, kamen am 30. Dezember in einer großen Aktion am Klinikum weitere 245 Mitarbeiter hinzu. Nachdem es keine Impfreaktionen außerhalb der Norm gegeben habe und die Aktion „friedlich und entspannt“ abgelaufen sei, habe das am Klinikum schnell die Runde gemacht. Die Nachfrage stieg.

Am Montag nun wurden wieder 90 Dosen verimpft, und am Mittwoch gibt es erneut eine große Runde: Weitere 180 Mitarbeiter erhalten den erwünschten Stich. Insgesamt haben dann 535 Mitarbeiter ihren Schutz erhalten – ziemlich genau die Hälfte, wenn man alle „Köpfe“ zählt – Teilzeitkräfte und die 130 Angestellten des Dienstleisters Metralog inklusive. Derzeit kämen am Klinikum „stündlich“ neue Nachfragen herein.

Ein gutes Beispiel ist der erfolgreichste Weg

„Damit sind wir im Vergleich zu anderen Kliniken in der Umgebung schon sehr, sehr weit“, sagt Alexander. Das sei auch der sehr guten und engen Zusammenarbeit mit dem Landratsamt zu verdanken. Wichtig sei die hohe Impfquote, weil mit einem starken Anstieg der Impfwilligen zu rechnen sei. Wenn der Ansturm auf das Vakzin erst so richtig einsetze, seien viele Mitarbeiter am Klinikum schon geschützt – was sich im Fall weiter steigender Fallzahlen – Stichwort Mutation – als existenziell wichtig erweisen könnte. „Ich bin sehr froh“, betont Alexander, „dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben.“

Dabei sei wichtig: „Auf niemanden wurde Druck ausgeübt.“ Eine Impfpflicht sei unnötig, so der Klinikum-Sprecher: „Der erfolgreichste Weg ist, am guten Beispiel zu zeigen, dass man sich bei der Impfung keine Gedanken machen muss.“

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