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Gaskrise sorgt für „heiße“ Diskussionen: Kommunen bereiten sich auf harten und teuren Winter vor

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Von: Manuel Eser

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Nord Stream 1
Alle Blicke auf Nord Stream 1: Wie viel russisches Gas kommt nach der Revision noch nach Deutschland? © Jens Büttner

Auch wenn Putin Nord Stream nach der Revision am Laufen halten will: Die Kommunen im Kreis Freising wappnen sich für die drohende Gasmangellage.

Freising – Die Kommunen im Landkreis Freising wappnen sich für eine Gasmangellage. Zwar will Russlands Machthaber Wladimir Putin Nord Stream 1 nach der aktuell laufenden Revision nicht komplett stilllegen. Allerdings droht er damit, dass deutlich weniger Gas durch die Pipeline strömen könnte.

Im Freisinger Rathaus ist die drohende Gasmangellage laufendes Thema, wie Stadtsprecherin Christl Steinhart mitteilt. Selbstverständlich werde die Lage referatsübergreifend mit allen Abteilungen und einem ständigen Austausch mit den Freisinger Stadtwerken „heiß“ diskutiert. „Da wir generell auf einen schonenden Umgang mit Ressourcen Wert legen, gibt es jetzt im Sommer aktuell kaum Einsparpotenzial, das wirklich erheblich zu Buche schlägt“, berichtet Steinhart. Die ganze Tragweite werde sich „erst“ mit Beginn der Heizperiode offenbaren.

Kinderstätten sollen verschont werden

„Um gut durch den Winter zu kommen, hat die Versorgung privater Haushalte natürlich oberste Priorität“, stellt Steinhart klar. Ob Abstriche bis hin zu Schließungen bei öffentlichen Einrichtungen wie der Eishalle oder dem Freisinger Erlebnisbad erforderlich sein werden, werde sicher zu gegebener Zeit in den politischen Gremien diskutiert werden.

Aktuell läuft der Betrieb im fresch sowohl in der Halle als auch im Freien – allerdings, wie berichtet, mit gedrosselten Temperaturen. Auch die Planungen für den Winterbetrieb der Weihenstephan Arena ab Mitte September sind im Gange, teilt Steinhart mit. „Ob im Hinblick auf den Energieaufwand Einschränkungen notwendig werden, wird man gegebenenfalls Mitte August in Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung in den nächsten Wochen diskutieren müssen.“

Mit Absenkungen der Raumtemperatur in den mit Gas beheizten städtischen Liegenschaften und Betriebsgebäuden dürfte zu rechnen sein, meint die Rathaussprecherin. „Konsens dürfte herrschen, dass Schulen und Kindertagesstätten nicht über Gebühr von möglichen Einsparpotenzialen belastet werden dürfen. Kinder und Jugendliche waren und sind aufgrund der Pandemie schon erheblich belastet.“

Haags Bürgermeister Anton Geier
Anton Geier, Bürgermeister von Haag: Jedes Grad weniger Raumtemperatur spart sechs Prozent Energie ein. © Lehmann

Immerhin: Die Freisinger Kläranlage als zentraler Teil der kritischen Infrastruktur ist quasi „Selbstversorger“. Das Gas, das bei den Faulprozessen in den Faultürmen entsteht, wird zur Erzeugung von Strom genutzt, der zur Versorgung der Kläranlage beiträgt und den Strombezug bei den Freisinger Stadtwerken reduziert. Steinhart: „Wärme, die bei der Stromerzeugung entsteht, und auch Gas selbst werden in den Wintermonaten zur Heizung der Faultürme und Betriebsgebäude verwendet.“

Haag hat fast überall auf Erdgas umgestellt

Selbst, wenn es zu keiner Gasmangellage kommen sollte: die Energiepreise werden deutlich steigen. „Das wird selbstverständlich auch bei der Aufstellung des kommenden Haushalts zu berücksichtigen sein“, stellt Steinhart klar. Inwieweit in der Folge Anpassungen bei Eintrittsgeldern beziehungsweise Nutzungsgebühren erforderlich werden, können wirklich erst die weitere Entwicklung und die politische Diskussion zeigen.“

„Teuer wird’s!“ Davon ist auch Haags Bürgermeister Anton Geier überzeugt. Er glaubt zwar nicht, dass die Versorgung mit Erdgas „groß gefährdet“ sein wird, Sorgen bereitet ihm die Situation dennoch. Denn: „Wir haben relativ viele Erdgasheizungen im Ort.“ Ob Schule, Rathaus, Kindergarten oder Krippe – sie alle wurden auf Gas umgestellt. „Schließlich war es das, was die Politik gewollt und uns empfohlen hat.“

Moosburgs Bürgermeister Josef Dollinger
Josef Dollinger, Bürgermeister von Moosburg: Eine Saison ohne Eishalle und Kleinschwimmhalle ist für den Fall des Falles kein Tabu. © FT-Archiv

Wenn es hart auf hart komme, werde man deshalb auch über Temperaturreduzierungen in kommunalen Gebäuden nachdenken müssen. Denn so Geier: „Jedes Grad weniger spart sechs Prozent Energie ein.“ Hilfreich ist, dass die kommunalen Gebäude – ob Schule oder Kita – energetisch saniert sind. Zudem werden Kita und Bauhof in Haag über eine PV-Anlage mit Energie versorgt.

Freizeitbad neufun läuft mit Fernwärme

Ob energetische Sanierung des Rathauses, PV-Anlagen auf allen neuen kommunalen Gebäuden oder Umrüstung der gesamten Straßenbeleuchtung bis zum Jahresende – „die Gemeinde Neufahrn hat Energieeinsparung seit Jahren auf der Agenda“, betont Pressesprecherin Gabriele Ostertag-Hill. Das gilt auch für das Freizeitbad neufun, das wie der Großteil der kommunalen Liegenschaften an das Fernwärmenetz angeschlossen ist. Dieses wird aus einem Biomasseheizkraftwerk versorgt und befindet sich in kommunaler Hand.

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Allerdings: Für Spitzenlasten im Winter werden in der Regel zusätzlich zur Fernwärme Heißwasserkessel benötigt, die wiederum mit Erdgas betrieben werden. „Zwar könnten wir auch Heizöl verwenden“, berichtet Ostertag-Hill. „Heizöl führt jedoch zu einer CO2 Belastung und ist im Sinne des Klimaschutzes kontraproduktiv.“

Moosburger Schulen vom Gas abgekoppelt

Für Moosburgs Bürgermeister Josef Dollinger ist klar: Sollte Putin den Gashahn doch komplett abdrehen, werde eine „Einsparung von Energie in großem Stil“ nötig. Abgesehen von drastischen Gaspreisen könnte das auch weitere Einschnitte für das öffentliche Leben bedeuten. Eine Saison ohne Kleinschwimm- oder Eishalle sind für Dollinger jedenfalls kein Tabu mehr. Für den Fall, dass aufgrund der Entwicklungen eine Gasmangellage drohe, müsse man sich Gedanken machen, ob eine Eröffnung zu verantworten sei, betonte der Bürgermeister.

Die gute Nachricht aus Moosburg: Das Schulzentrum Nord wurde jüngst vom Erdgas abgekoppelt: Seit April profitieren Grund- und Mittelschule sowie dazugehörige Dreifachturnhalle vom Nahwärmenetz.

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