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„Der Schuss geht nach hinten los“: Lehrerverband schlägt Alarm

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Von: Manuel Eser

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In Zeiten des Lehrermangels müssen Lehrer einfach mehr arbeiten: Die einfache Rechnung des Kultusministeriums ist laut BLLV aber kontraproduktiv. © dpa

Mit seinen Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrermangels hat Kultusminister Michael Piazolo die bayerischen Grundschullehrer gegen sich aufgebracht. Vom BLLV hagelt es Kritik.

Landkreis – Mit seinen Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrermangels hat Kultusminister Michael Piazolo die bayerischen Grundschullehrer gegen sich aufgebracht. Angesichts einiger Mehrbelastungen, die der FW-Politiker den Pädagogen aufbürdet, flüchtet sich Kerstin Rehm, Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), in blanke Ironie: „Eins muss man dem Kultusminister ja lassen! Er versteht es, seine Lehrkräfte mit einem enormen Motivationsschub ins neue Jahr 2020 zu schicken.“

Wie unsere Zeitung berichtet hat, müssen Grundschullehrer ab kommendem Schuljahr 29 statt bisher 28 Schulstunden pro Woche leisten. Das Mindeststundenmaß wird an Grundschulen von 21 auf 24 erhöht, an Förderschulen von 20 auf 23 Stunden. In den Vorruhestand können die Pädagogen der Grund- Mittel- und Förderschulen hingegen erst nach Vollendung des 65. Lebensjahres gehen. Bisher lag die Grenze bei 64. Das Sabbatjahr wird komplett gestrichen.

BLLV: Lehrer werden in die Überforderung getrieben

Kerstin Rehm hält dieses Vorgehen in Zeiten des Lehrermangels allerdings für kontraproduktiv. „Damit senkt der Kultusminister die Attraktivität unseres Berufs.“ Lehrer würden so in die Überforderung getrieben. „Der warme Mantel unseres obersten Dienstherrn scheint bei diesem Verständnis von Fürsorge eher ein luftiges Jäckchen zu sein.“ Piazolos Aufruf an die Lehrer („Wir brauchen Sie!“) stößt bei Rehm angesichts der geplanten Maßnahmen auf Unverständnis: „Da frage ich mich schon, warum der Minister dann nicht pfleglicher mit uns umgeht.“ Unter anderem hätte der Minister nach Möglichkeiten suchen sollen, Lehrerstunden einzusparen.

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BLLV-Chefin Kerstin Rehm hat ein Hühnchen mit „ihrem“ Kultusminister zu rupfen.

So aber glaubt Rehm, dass „der Schuss nach hinten losgeht“: Zum einen könnten Vollzeitlehrer nun Teilzeitanträge stellen, um nicht noch weitere Belastungen zu haben. „Dann wäre unter Umständen gar nichts gewonnen.“ Zum anderen stünde Bayern im Kampf um Junglehrer im Wettbewerb mit anderen Bundesländern. 

„Ist sich das Ministerium eigentlich der Tatsache bewusst, dass ein Junglehrer sich auch gegen seine bayerische Heimat entscheiden könnte? Weiß der Minister, dass ein Anwärter in Sachsen 1000 Euro pro Monat Prämie kassieren kann, wenn dieser nach abgeschlossener Ausbildung im sächsisch-ländlichen Raum fünf Jahre lang unterrichtet?“ Der Freistaat hingegen biete als Alternative für Junglehrer aus den anderen Regierungsbezirken oft eine Versetzung ins „sündhaft teure“ Münchner Umland und verwehre dabei auch noch einer Erhöhung der Ballungsraumzulage.

Mehr Schulpsychologen - für ausgebrannte Lehrer?

Mehr Schulpsychologen und Schulsozialpädagogen, wie sie Piazolo im Rahmen der neuen Maßnahmen in Aussicht stellt, hält Rehm zwar für sinnvoll. Aber auch diese Kräfte würden dem Arbeitsmarkt fehlen. „Man fragt sich außerdem schon, ob die dann für die psychologische Betreuung ausgebrannter Lehrer zum Einsatz kommen sollen.“ 

Bereits Anfang des Schuljahrs hat sich Kerstin Rehm gegenüber dem FT zum Lehrermangel geäußert und Kultusminister Piazolo attackiert. Aufgrund der angespannten Personallage an Bayerns Schulen fiel in Neufahrn sogar schon Unterricht aus. Dass im Landkreis Freising trotz Lehrermangels alle Klassleiterstellen besetzt werden konnte, hatte ebenfalls einen hohen Preis

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