Um die sprachliche Förderung von Kindergartenkindern und Schülern kümmert sich der Verein MiBiKids. Fördergelder erhält er dabei vom Landkreis nicht.
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Um die sprachliche Förderung von Kindergartenkindern und Schülern kümmert sich der Verein MiBiKids. Fördergelder erhält er dabei vom Landkreis nicht.

Landkreis darf keinen Zuschuss geben

MiBiKids erhalten null Zuschuss für Sprachförderung: Vereinsvorsitzender ist der Verzweiflung nah

Der Verein MiBiKids macht sich mit Sprachförderung um die Integration von Migranten-Kindern verdient. Jetzt lässt sie der Staat im Stich.

  • Der Verein MiBiKids kümmert sich um Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund.
  • Einen Zuschuss für das Engagement musste der Landkreis dem Verein offenbar verwehren.
  • Jetzt sieht der Vorsitzende nur noch eine Chance.

Freising – Große Enttäuschung bei den MiBiKids: Der Verein, der sich um die Bildung von Kindern mit Migrationshintergrund kümmert, erhält vom Landkreis Freising trotz monatelangen Tauziehens keinen Zuschuss für die Sprachförderung. Vorsitzender Samuel Fosso ist der Verzweiflung nahe.

Wie berichtet, hatte der Jugendhilfeausschuss vor gut einem Jahr den Zuschussantrag der MiBiKids über 16 500 Euro zugestimmt. Allerdings hatte der damalige Vize-Landrat Robert Scholz darauf hingewiesen, dass dieser Beschluss rechtswidrig sei, weil Sprachförderung nicht in die Zuständigkeit der Kommunen fallen würde. Das Landratsamt legte die Causa der Rechtsaufsicht vor erhalten. Die bestätigte im Oktober 2020 die Sichtweise der Behörde und erklärte einen entsprechenden Zuschuss tatsächlich für rechtswidrig.

MiBIKids erhalten Preise, aber kein Geld

Seit 2010 engagiert sich der Verein mit dem Motto „Die Sprache ist der Schlüssel zur Bildung“ in der Förderung von Kindern und Jugendliche aus dem Landkreis als Integrationsmaßnahme – mit zunehmendem Erfolg. Um die 35 Mitarbeiter kümmern sich engagiert um die die Aufhebung von Sprachbarrieren von rund 200 Kindergarten- und Schulkindern. Erfreuliches Ergebnis: Die Förderschüler kommen im Unterricht besser zurecht. Lehrer, so Fosso auf FT-Nachfrage, können das nicht leisten. Deshalb seien viele Schulen von der Arbeit der MiBiKids auch begeistert.

Aber das ist nicht alles: Der Verein, 2013 mit dem Integrationspreis ausgezeichnet, bietet laut Fosso inzwischen eine ganze Palette an Unterstützungsmaßnahmen – beispielsweise ein reichhaltiges Familien-Angebot wie auch Begleitungen oder Vermittlungen. Was ihn besorgt: Sprachförderung rutschte immer noch in die hinterste Reihe der Integrationsmaßnahmen – für Fosso unbegreiflich.

Jugendhilfeausschuss

Das ändert sich auch jetzt nicht. Als Reaktion auf die Rechtsaufsicht hat der Jugendhilfeausschuss seinen Beschluss vom Januar 2020 nun formal aufgehoben. Die offizielle Begründung: Es handle sich eben bei der MiBiKids-Sprachförderung um eine landkreisfremde Aufgabe, für die der Landkreis Freising keine Haushaltsmittel aufwenden dürfe.

Landrat Helmut Petz regte im Ausschuss an, dass der Antrag des Vereins „umformuliert“ werden sollte, damit Geld fließen könne. Denn: „Wir wollen ja helfen!“ Nach Meinung des Landrats sei in der Sache „noch nichts angebrannt“. Im Verfahren sei das ähnlich wie bei Bauanträgen, die nachgeschärft werden müssten. Deshalb würde der Landrat demnächst auch „neue Anträge“ vom Verein erwarten.

MiBIKids-Vorsitzender: „Dann müssen wir unsere Seele verkaufen“

So einfach sei das allerdings nicht, betonte Fosso auf Nachfrage. Vieles sei aktuell völlig ungeklärt, beispielsweise die ganz grundsätzliche Frage, ob nun Sprachförderung überhaupt eine Integrationsfördermaßnahme sei oder eben nicht. Der Eindruck, dass es reichen würde, einen Satz im Antrag zu verändern, und alles werde gut, sei jedenfalls komplett falsch. „Der einzige Weg wäre ja dann, einen Antrag zu stellen, der sich nicht auf Sprachförderung bezieht“, stellte Fosso klar. Das wolle der Verein aber nicht. „Denn dann müssen wir unsere Seele verkaufen“, sagt Fosso. Deshalb möchte der Verein jetzt vermehrt über Spendenaufrufe agieren.

Richard Lorenz und Manuel Eser

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