Schüle rmit Kopfhörer und Schulbuch sitzt vor Computer
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So entspannt wie der Schüler auf unserem Symbolfoto verlief das Homeschooling am Montag im Landkreis Freising nicht an allen Schulen.

Vertragspartner der Stadt kämpft mit erheblichen technischen Probleme

Start ins Homeschooling verläuft holprig - Freising schmiert ab

Holprig ist im Landkreis Freising der Start ins Homeschooling verlaufen. Vor allem die Plattform, die die städtischen Schulen in Freising nutzen, schmiert ab.

  • Im Rahmen der seit Montag, 11. Januar, geltenden Lockdown-Regelungen bleiben auch alle Schulen geschlossen.
  • Die Kinder und Jugendlichen sollen über Distanzunterricht beschult werden.
  • Doch der Start verlief - ohne Schuld von Lehrern und Schülern - holprig.

Landkreis – Klappt’s mit dem Distanzunterricht? Oder bricht alles zusammen? Im Landkreis verlief der Start der (mindestens) dreiwöchigen Fernunterrichtsphase „befriedigend“. Probleme gab es vor allem mit der Schulplattform IServ. Da nur wenige Schulen mit der wackligen Lernplattform Mebis arbeiten, gab es hier wenig Rückmeldungen. Bestnoten dagegen heimste MS Teams ein.

„Bis jetzt scheint es keine Probleme zu geben“ meldete zunächst am Vormittag Schulamtsdirektor Bernhard Kindler. Von den 41 Grund- und Mittelschulen, für das Staatliche Schulamt zuständig ist, habe es keine EDV-Pannenmeldung gegeben. Doch das sollte sich – leider – ändern: „Die Probleme häufen sich“, berichtete Kindler dann am Mittag.

Betroffen sei die Schulplattform IServ, deren Server wohl zusammengebrochen sei – etwa in Freising und in Zolling (siehe unten). Die meisten Schulen arbeiteten mit MS Teams, dem Konferenzsystem BigBlueButton – oder eben IServ. Mebis nutzten nur einige Schulen, die die Lernplattform bereits vor der Pandemie eingesetzt hätten, und bei denen sich das System bewährt habe. Von dieser Seite habe es keine Rückmeldungen gegeben.

Um Punkt 8 Uhr streikt das Schulportal in Zolling

Kindler: „Generell ist Distanzunterricht für uns kein Neuland mehr. Alle Schulen bereiten sich seit langem darauf vor.“ Die Probleme lägen eher in der fehlenden Hardware für Lehrer und Schüler. Und das besondere Problem der Grund- und Mittelschulen könne auch der beste Computer nicht lösen: Insbesondere Erstklässler seien einfach nicht in der Lage, selbstständig vor einem Bildschirm das Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen. Und gerade bei Schülern mit problematischem familiärem Hintergrund fehle die so wichtige erzieherische Komponente des Präsenzunterrichts.

Für viele Schüler der Mittelschule Zolling hieß es am Montag um Punkt 8 Uhr: Einloggen in das Schulportal IServ nicht möglich. Wo genau der Fehler lag, konnte zunächst nicht geklärt werden. Rektor Thomas Dittmeyer hat allerdings auch schon Alternativpläne im Gepäck.

Um halb acht Uhr war die digitale Welt noch in Ordnung, aber bereits beim ersten virtuellen Gong ging nichts mehr: IServ war für zahlreiche Schüler in den frühzeitigen Pausenmodus gerutscht. Das, so Dittmeyer, sei ziemlich ärgerlich, denn die Zollinger Lehrer hätten sich sehr gut auf den Distanz-Unterricht vorbereitet. Seine Vermutung: Die Zugriffe auf die Videokonferenzen hätten wohl die Plattform überlastet. Wobei es scheinbar nicht alle Schüler gleichermaßen betroffen habe – die Internetleistung zuhause sei wohl auch ein wichtiger Faktor. IServ sei grundsätzlich nicht für zahlreiche Videokonferenzen ausgelegt, sondern vielmehr als Dokumenten-Portal, etwa für Hausaufgaben. Für die kommenden Tage gibt es schon eine Notfall-Agenda: Die Lehrkräfte werden via Email einen Wochenplan versenden, für Grundschüler sollen Material-Pakete geschnürt werden, die dann von Eltern abgeholt werden können. Auch über gestaffelte Gruppen-Konferenzen wird aktuell in Zolling nachgedacht.

Auch Stadt Freising meldet enorme Probleme

Enorme Probleme meldete auch die Stadt Freising: „Mit dem heutigen Tag sind deutschlandweit tausende von Schülern und Eltern in Videokonferenzen gegangen -- das hält vermutlich kein Rechenzentrum aus“, berichtete Stadt-Sprecherin Christl Steinhart. „Auch ,unsere‘ Videokonferenz-Systeme über IServ laufen über diese Rechenzentren.“ Deshalb seien auch die Grund- und Mittelschulen in Trägerschaft der Stadt Freising betroffen.

„Lokale Testläufe noch am Freitag liefen problemlos“, berichtet Steinhart. „Der bundesweite Massenzugriff mit seinen bundesweiten Folgen für die Rechenzentren, auf die auch unser Vertragspartner IServ zurückgreift/zurückgreifen muss, konnte von uns natürlich nicht ,geprobt’ werden. Wir gehen davon aus, dass das überregionale Problem mit der gebotenen Aufmerksamkeit, also unter Hochdruck, überregional behoben wird und sich die Lage für unsere Schulen, Schüler und deren Familien sehr zeitnah entspannt.“ Am Montag reagierten die Eltern bei einer Facebook-Umfrage des FT unterschiedlich auf die Misere.

Realschule meldet: „Läuft!“

„Völlig unproblematisch“ verlief der Schulstart dagegen an der Karl-Meichelbeck-Realschule in Freising, wie Direktor Bernd Friedrich berichtet. Zu verdanken habe man das dem Landkreis Freising, der seine Schulen weitgehend mit dem gut funktionierenden Chat-Tool MS Teams von Microsoft ausgestattet habe. „Ich komme selbst gerade aus dem Unterricht“, so Friedrich, „und alles hat sehr gut geklappt“. Man könne Unterricht halten, Aufgaben verteilen und einsammeln – „alles gut durchdacht“. Mebis dagegen sei keineswegs selbsterklärend und eher für Gymnasien geeignet.

Bernd Friedrich: Der Realschulchef konnte sich auf MS Teams verlassen.

Vorbereitet auf den Distanzunterricht habe man sich bereits seit Schuljahresbeginn, berichtet Friedrich. „Es war ja abzusehen, dass das auf uns zukommt.“ Und weil etwa Fünftklassler schon einige Zeit bräuchten, um sich auf die völlig andere Form des Lernens einzustellen, habe man schon im September im Informatik-Unterricht mit MS Teams losgelegt – in allen 26 Klassen mit 676 Schülern.

In Eching beginnt der Unterricht mit einem Schreck am Morgen

Mit einem großen Schreck endeten an der Echinger Grund- und Mittelschule an der Danziger Straße Montagfrüh die langen Weihnachtsferien: Der eigentlich bewährte „Schulmanager Online“ funktionierte nicht. Bald aber war der Fehler behoben: „Alles läuft wieder“, berichtete Schulleiterin Barbara Müller mittags erleichtert. Mit der Web-Plattform sei man grundsätzlich sehr zufrieden: Die Server-Kapazitäten beim Schulmanager Online seien entsprechend angepasst worden, so Müller. Und der Blackout am Montagmorgen habe auch einen anderen Grund gehabt.

Von Mebis habe man schon beim ersten Lockdown Abstand genommen: „Das ist eine Lernplattform, aber keine Unterrichtsplattform.“ Um die Kinder daheim bestmöglich zu versorgen, nutze man wie an vielen Schulen jetzt alle Kanäle: „Eltern holen Material ab, wir verschicken Material, es werden Telefonate geführt, es gibt Infos über den E-Mail-Verteiler – und sogar Videokonferenzen haben wir schon durchgeführt“.

Als Inklusionsschule sei man mit dem Distanzunterricht besonders gefordert: In den Grundschulklassen säßen auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die von speziellen Lehrkräften betreut würden. „Aber es macht natürlich einen Unterschied, ob der Lehrer daneben sitzt oder nicht.“ Hier seien die Eltern gefragt, damit die Kinder nicht abgehängt würden. Die Gefahr sei groß, dass „die Schere in puncto Leistung weiter auseinander geht“.

Am „Dom“ hakt es

Das war ärgerlich für die Schulfamilie des Dom-Gymnasiums: Alles hatte man geprobt, alles war aufs Beste vorbereitet – und dann klappte es gar nicht mit dem geplanten „digitalen Weckruf“ am Montagmorgen. Eigentlich sollten sich die Schüler über die Chat-Funktion eines externen Anbieters melden. Doch auch hier gab es offenbar zu viele Zugriffe. Später funktionierte das Tool dann, wie Schulleiter Manfred Röder berichtet. Auch Mebis hat man im Dom im Einsatz. „Damit gab es keine Probleme“, konnte Röder aus eigener Erfahrung sagen.

Insgesamt verlief der Start in den Distanzunterricht im Landkreis Freising also recht holprig – was allerdings weder an den Lehrern noch an Schülern lag.

Helmut Hobmaier, Richard Lorenz, Manuel Eser

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