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Windkraft im Münchner Umland: Die 1,8 Prozent-Mission beginnt

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Von: Charlotte Borst

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Windräder in Hessen
Nachdem jahrelang wenig ging, sollen jetzt auch für den Landkreis Freising genügend Flächen für Windkraft ausgewiesen werden. © Boris Roessler/dpa/Archivbild

Landräte und Bürgermeister der Region München wollen schnell Flächen für Windkraft ausweisen. Eine Frage beschäftigt den Freisinger Landrat besonders.

Landkreis – Sechs Monate, bevor das Wind-an-Land-Gesetz in Kraft tritt, macht sich die Region München daran, die geforderten Flächen für Windkraft zu finden. Landräte, Bürgermeister und Stadträte haben gestern (DIENSTAG, 20.9.) in Oberhaching getagt. Es geht darum Ausschau zu halten, wo bis zu 400 Windräder in der Region München gebaut werden könnten.

Bis Ende 2027 sollen die Länder 1,1 Prozent ihrer Fläche für Windkraft identifizieren. In der Region München, die die Landeshauptstadt München und die Landkreise Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg, München und Starnberg umfasst, sind das 61 Quadratkilometer. Bis 2032 müssen sogar 1,8 Prozent ausgewiesen sein, 99 Quadratkilometer der Regionsfläche.

„Wir sollten die Landschaft nicht wie einen Streuselkuchen mit Windkraftanlagen zupflastern, sondern Windräder bündeln“, sagte der Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbands (RPV) Christian Breu. Einstimmig beschloss der Planungsausschuss, dass man schnell zum Ziel kommen und nun Kriterien für ein Konzept festlegen will. Zudem wird nun ein Beirat aus Bürgermeistern und Landräten gegründet, um die Suche breit zu verankern.

Erdings OB hat Sorge, dass zu viele „Konfliktverbände“ mitreden

Der RPV-Verbandsvorsitzende, Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (CSU), wird je einen Vertreter aus der Landeshauptstadt und den acht Landkreisen einladen, den Stadt und Landkreise zuvor benennen. „Es geht im Beirat vor allem darum, früh mitzukriegen, wo es zwickt“, so Schelle. Zusätzlich dürfen Vertreter von Forst- und Landwirtschaft, Naturschutz und Strominfrastruktur mitwirken, ebenso wie der Experte Professor Michael Schmitt von der Universität der Bundeswehr in Neubiberg und Windkümmerer Peter Beermann.

Direkt in der Sitzung bat der Präsident des Bayerischen Jagdverbands, Landtagsabgeordneter Ernst Weidenbusch (CSU), ebenfalls aufgenommen zu werden. „Die Jäger sind gerne dabei“, antwortete Schelle: „Je mehr mitwirken, umso besser, solange wir handlungsfähig bleiben.“ Genau hier hat Erdings OB Max Gotz (CSU) Zweifel. Er befürchtet, „dass der Beirat sich zerredet, wenn zu viele Konfliktverbände mitreden. Denn am Ende müssen nicht die Verbände die Planung vor den Bürgern vertreten, sondern wir Bürgermeister und Landräte.“ Doch Schelle vertraut auf die Beschlusskraft des Planungsausschusses: „Es ist am Ende unsere Aufgabe, mit Interessen und Konflikten umzugehen.“ Er sicherte zu, bei den Naturschutzverbänden nachzubessern: „Jeder, der will, darf mitarbeiten.“

Ein Mindestabstand von 1000 Metern zu Wohngebieten reicht

Der RPV wird nun Tabuflächen identifizieren, die nicht für Windkraft in Frage kommen, wie Naturschutzgebiete, Natura 2000-Flächen oder Siedlungsgebiete. Dann werden die Kommunen befragt, wo sie geeignete Flächen sehen. Zudem wird der RPV Kriterien entwickeln, mit deren Hilfe die Kommunen Szenarien durchspielen können, wo Windräder stehen könnten. Fest steht: „Die bisherige 10H-Regel wird so nicht mehr gelten“, so Schelle: „Es reicht ein Mindestabstand von 1000 Metern zu Wohngebieten.“

Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich (SPD), schilderte, wie die Vorgaben der Luftverkehrssicherheit die Flächensuche in der Flughafenregion und rund um den Flugplatz Schleißheim erschweren. Solche Gesetze würden „deutlich zugunsten der Windkraft geändert“, so Breu.

Freisings Landrat bewegt eine Frage besonders

Doch was passiert, wenn die Region München nicht genügend Flächen ausweist? „Gibt es dann ein Mediationsverfahren, oder werden dann alle über einen Kamm geschoren?“ fragte Freisings Landrat Helmut Petz (Freie Wähler). Breu betonte: „Es ist eine Gemeinschaftsaufgabe.“ Nicht jede Gemeinde könne 1,1 Prozent erreichen, die Landeshauptstadt oder der Alpenrand täten sich da schwer, „dann müssen andere Gemeinden übernehmen.“

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Auf jeden Fall sollte man sich schnell auf den Weg machen, stellte Schelle klar: „Kopf in den Sand - das ist die falsche Körperhaltung. Wer nichts ausweist, wird am Ende nicht mehr steuern können.“ Dann seien die Windkraftanlagen überall im Außenbereich privilegiert, und Investoren bauten vielleicht genau da, wo es keiner wollte. „Dass wir in der Region München jetzt schon anfangen, zeigt, wie wichtig uns das Thema ist“, sagte Schelle.

Im Interview mit dem FT erklärt der Chef des Planungsverbands wie die Windkraft-Mission in der Regino gelingen soll.

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