Mit einer Pinzette lässt sich eine Zecke gut aus der Haut ziehen.
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Mit einer Pinzette lässt sich eine Zecke gut aus der Haut ziehen.

Freising ist FSME-Risikogebiet

Zecken-Hochsaison in Bayern: Borreliose- und FSME-Fälle häufen sich - Mediziner rät zur Impfung

  • Helmut Hobmaier
    VonHelmut Hobmaier
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Zeckenbisse sorgen im Landkreis Freising vermehrt für Fälle von Borreliose und FSME. Doch es gibt einen Schutz gegen die gefährlichen Infektionen.

Landkreis – Es handelt sich um einen ungebetenen Gast. Und der Mensch, heißt es auf den erklärenden Webseiten des Robert-Koch-Instituts (RKI), sei der „zufällige Endwirt“. Das hat zwar nichts mit Gastronomie zu tun – doch der Besucher hat Durst. Er will unser Blut. Es sind Zecken, die uns heimsuchen und bei ihrem Stich (oder Biss) gefährliche Krankheiten wie Borreliose oder FSME übertragen können.

Zecken-Alarm in Bayern: Freising ist FSME-Risikogebiet - Krankheitsfälle häufen sich

Die Zeckensaison dauert in unseren Breitengraden etwa von März bis November. Die Blutsauger haben also Hochsaison, und Freising gehört zum FSME-Risikogebiet. Wenig erfreulich: Die Zahl der Krankheitsfälle häuft sich, wie das Gesundheitsamt Freising berichtet.

Beide Krankheiten sind meldepflichtig: Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa. Beim Blutsaugen geben die winzigen Spinnentiere die Erreger, Bakterien der Art Borrelia burgdorferi (Borrelien), an ihr Opfer weiter.

Nach 35 bis 58 Fällen in den Jahren von 2016 bis 2019 erfuhr das Gesundheitsamt Freising im Jahr 2020 plötzlich von 64 Fällen. „Gerade hatte ich wieder einen klassischen Fall in der Praxis“, berichtet der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Freising, Georg Miedl. In der Regel könne man die Borreliose antibiotisch gut behandeln, so Miedl. Wichtig sei aber, die Krankheit zu erkennen.

Schutz vor Zecken: In Wiesen und Wäldern schützt lange Kleidung

In 70 bis 75 Prozent der Fälle bildet sich etwa eine Woche nach dem Zeckenbiss ein roter Kreis um die Stichstelle („Wanderröte“). Unbehandelt kann die Borreliose Gelenke befallen (Grad 2) oder sich sogar zur Neuroborreliose entwickeln, wie Miedl betont. Zu diesem schweren Verlauf kommt es, wenn sich die Borrelien-Bakterien im Körper ausbreiten und dabei das Hirn oder die Nervenbahnen befallen.

Wiesen, Wälder, Büsche und Sträucher zählen zu den Lebensräumen der Zecken. Wer sich dort aufhält, sollte also lange, geschlossene Kleidung tragen und sich danach nach Zecken absuchen. Entfernt man die Zecke nämlich frühzeitig, bevor sie sich mit Blut vollgesaugt hat, kann das die Übertragung des Erregers verhindern.

Noch tückischer ist die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Hierbei handelt es sich um eine Gehirn-, Hirnhaut- oder Rückenmarkentzündung, die durch Viren verursacht wird, die Zecken übertragen. Man sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen, wenn ein bis zwei Wochen nach dem Stich grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen auftreten. Die Beschwerden könnten Anzeichen einer Borreliose, aber auch FSME sein. „FSME-Fälle haben wir im Landkreis nur sehr wenige“, berichtet Miedl. Im Jahr 2020 waren es sechs Fälle, in den Jahren zuvor fünf (2019), drei (2018), und zuvor gab es jeweils nur einen einzigen Fall.

Zecken-Alarm in Bayern: Ärztesprecher rät zur Impfung - „Impfstoff absolut unproblematisch“

Die gute Nachricht: FSME kann man mit einer „sehr gut verträglichen, hochwirksamen Impfung vorbeugen“, berichtet Miedl. Die FSME-Impfung sei in den 90er-Jahren wegen häufiger Nebenwirkungen in die Schlagzeilen geraten und schließlich sogar vom Markt genommen worden. „Inzwischen wurde der Impfstoff aber komplett neu aufgebaut und ist jetzt absolut unproblematisch.“ Für den Aufbau eines nachhaltigen Schutzes empfiehlt er, bereits Kinder zu impfen.

Gut zu wissen

■  Borreliose und FSME können nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden.

■  Das Auftragen zeckenabweisender Mittel (Repellentien) kann einem Biss vorbeugen.

■  Die FSME-Impfquote lag im Jahr 2018 in Bayern bei 19,9 Prozent.

■  Tiere können kein FSME bekommen, allerdings Borreliose. Hierfür gibt es eine Schutzimpfung.

■  Weiterführende Information gibt es auf den Internet-Seiten des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Lesen Sie auch: Er hat Göring und Goebbels kritisiert und wurde im NS-Regime zum Psychopathen erklärt: Jetzt wird einem Freisinger Euthanasie-Opfer eine späte Ehre zuteil. Und um einer Kontrolle zu entgehen, hat sich ein BMW-Fahrer (40) eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert. Dann half ihm der Nebel - zumindest kurzfristig. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Freising-Newsletter.

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