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Da will er hin: Helmut Petz (FW) hat sich für das Foto zum Interview den Garten des Landratsamts ausgesucht. Der einstige Bauamtsleiter möchte als Landrat in die Behörde zurückkehren. 

Kommunalwahl 2020

Landratskandidat Helmut Petz (FW) will Siedlungsdruck bekämpfen, um Heimat zu bewahren

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Helmut Petz (FW) will der Freisinger Landrat werden. Im Interview spricht er über seine Vorhaben und darüber, was ihn am Landkreis stört.

Freising – „Das sind genau meine Themen.“ Helmut Petz (FW) hält sich prädestiniert für die wichtigen Zukunftsaufgaben des Landrats. Er brenne darauf, seine Ideen umzusetzen, und davon hat der 62-jährige Richter viele.

In wenigen Wochen ist Landratswahl. Wie fühlen Sie sich?

Entschlossen, zuversichtlich und im Kreise meines Wahlkampfteams sehr gut aufgehoben.

Warum wollen Sie Landrat werden?

Weil ich gern gestalte. Das Amt des Landrats ist deshalb eine super spannende Aufgabe für mich. Ich bringe alle Kompetenzen mit, die man dafür braucht. Die Zukunftsaufgaben des Landkreises – Siedlungsentwicklung, bezahlbarer Wohnraum, Begrenzung des Flächenverbrauchs, Schutz der Naturräume – sind genau meine Themen.

„Ich kann Menschen begeistern“

Welche Charaktereigenschaften muss ein Landrat mitbringen?

Er muss verlässlich, berechenbar und Vorbild sein. Er muss gestalten wollen, kreativ denken und Visionen haben. Er muss kommunikativ sein, gut zuhören können und Menschen begeistern.

Ihr Lebensmotto?

Nutze den Tag!

Was würden Sie als Ihre größte Stärke bezeichnen?

Ich habe viel Energie und kann Menschen begeistern.

Und wo haben Sie noch Optimierungsbedarf?

Ich könnte geduldiger sein; immer besser werden möchte ich in allen Bereichen; und meine Frau sagt: „Ab und zu auch mal einen Gang zurückschalten!“

Was lieben Sie am Landkreis Freising am meisten?

Seine Menschen, ihre Sprache und Mentalität; die historischen Städte, charakteristischen Ortschaften und wunderschönen Naturräume, zum Beispiel das Ampertal, wo meine Mutter her ist. Kurz: das Gefühl von Heimat.

Was stört Sie am Landkreis Freising?

Der enorme Siedlungsdruck, weil er das Risiko in sich birgt, dass diese Heimat verloren geht.

U-Bahn-Linie 6 soll bis Neufahrn und Freising verlängern

Ein Landrat muss ein großes Orchester dirigieren. Welchen Takt wollen Sie schlagen?

Ich setze auf einen taktvollen Umgang miteinander.

Das Bewusstsein für den Klimawandel ist so groß wie noch nie in der Gesellschaft. Was tun Sie persönlich bereits, um unseren Planeten zu schützen?

In erster Linie versuchen meine Familie und ich, uns auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren und auf Unnötiges zu verzichten. Deshalb fahren wir so wenig wie möglich mit dem eigenen Auto, nutzen öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad. Wir versuchen, den Verlockungen der Überfluss- und Wegwerfgesellschaft zu widerstehen – bevor wir was Neues kaufen, versuchen wir, Altes zu reparieren. Wir setzen nach unseren finanziellen Möglichkeiten auf erneuerbare Energien (Solarstrom, E-Auto) und verzichten weitgehend auf Flugreisen.

Was denken Sie: Hilft der Bau von Straßen dabei, den Verkehr zu entlasten, oder führt er sogar noch zu mehr Verkehr?

Kurzfristig kann die Beseitigung von Engstellen oder Staufallen zur Verflüssigung des Straßenverkehrs beitragen. Das ist wichtig, denn viele Menschen sind auf das Auto angewiesen. Spürbare Verbesserungen bringt aber vor allem ein konsequenter Ausbau des öffentlichen Bahn- und Busverkehrs einschließlich einer Verlängerung der Münchner U-Bahn-Linie 6 vom Garching-Forschungsgelände nach Neufahrn und gegebenenfalls weiter nach Freising. Verbesserungen für Radfahren und innovative Verkehrskonzepte wie eine Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel tragen weiter zur Entlastung bei.

„Keine dritte Startbahn, da bin ich mir sicher“

Das Moratorium zur dritten Startbahn endet in Ihrer Amtszeit. Was kommt 2023 auf Sie zu?

Keine dritte Startbahn, da bin ich mir sicher. Gegen eine Verlängerung des Planfeststellungsbeschlusses sprechen die rückläufige Entwicklung des Flugverkehrs, die Klimadebatte und die absehbare Einführung einer Kerosinsteuer mit einer Verteuerung von Flugreisen.

Ein Thema, das die Menschen auch umtreibt, sind die horrenden Mieten in Freising und die Wohnungsnot. Wie kann das Landratsamt da helfen?

Explodierende Mieten sind eines der Hauptprobleme des Landkreises, das in fast alle anderen Politikfelder hineinwirkt. Der Landkreis kann helfen, indem er – gemeinsam mit den Gemeinden – bezahlbare kommunale Wohnungen für diejenigen Bevölkerungsgruppen schafft, die sich die Mieten am freien Markt einfach nicht mehr leisten können, insbesondere auch für Berufsgruppen wie Krankenschwestern, Erzieherinnen oder Pflegekräfte, deren Dienste wir dringend benötigen. Er kann genossenschaftlichen Wohnungsbau fördern. Das Landratsamt Freising kann helfen, indem es die Gemeinden bei der Schaffung von Wohnraum für angestammte Bevölkerungsgruppen berät und unterstützt (etwa bei der Baulandausweisung im Einheimischenmodell). Als Landrat kann ich auch politisch helfen, indem ich die drängendsten Probleme auf landes- oder bundespolitischer Ebene thematisiere und über den Landkreistag oder die Bayerische Staatsregierung durch diverse Gesetzesinitiativen auf notwendige Rechtsänderungen hinwirke.

Unser Wohlstand steht und fällt mit guter Bildung. Ist der Landkreis mit seinen Schulen noch auf dem neuesten Stand?

Der Schulstandort ist gut aufgestellt. Das heißt nicht, dass man die Hände in den Schoß legen darf. Es gilt, das Ziel wohnortnaher Schulen im Auge zu behalten, zum Beispiel durch eine weitere Realschule im Westen des Landkreises. Sanierungsbedürftige Schulen müssen saniert oder ersetzt werden. Etwaige Benachteiligungen von Privatschulen, etwa bei der Schülerbeförderung, sollten beseitigt werden.

„Ich brenne darauf, meine Ideen umzusetzen“

Ihr Vorgänger Josef Hauner musste eine große Anzahl an Flüchtlingen managen, die ins Land geströmt ist. Gut möglich, dass bald eine neue Welle von Asylsuchenden kommt. Wie ist Ihre Haltung dazu – Abschreckung oder Integration?

Die Aufnahmemöglichkeiten für Flüchtlinge in Deutschland sind natürlich begrenzt. Wichtig ist eine gerechte Verteilung der aufzunehmenden Menschen, in Europa wie innerhalb Deutschlands. Für die hier lebenden Flüchtlinge ist eine schnelle Integration das oberste Ziel.

Wer ist Ihr Vorbild?

Marc Aurel, weil er sich und seine Fähigkeiten unermüdlich in den Dienst der Gemeinschaft gestellt und das Römische Reich im Gegensatz zu den meisten Kaisern in eine Zeit des Friedens und Wohlstands geführt hat.

Wenn Sie zum Landrat gewählt werden, dann . . .

. . . gibt es richtig viel zu tun: Ich brenne darauf, meine Ideen in die Tat umzusetzen und das Beste für den Landkreis und seine Menschen herauszuholen.

Kommunalwahl 2020 im Landkreis Freising

Neben Helmut Petz standen auch Herbert Bengler (SPD), Birgit Mooser-Niefanger (FSM)Manuel Mück (CSU)Franz Scholz (AfD)Robert Wäger (Grüne) und Tobias Weiskopf (FDP) dem FT Rede und Antwort.

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Freising haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zur Landratswahl die dazu antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden Sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Freising.

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