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Im Freisinger Rathaus füllen die bisher rund 9000 Briefwahl-Kuverts schon viele Kisten. Viel Arbeit für Wahlleiter Michael Eberwein (2. v. l. ) mit seinem Team – Lukas Schleibinger, Steffi Krömmer (stehend) und Ricarda Nettinger. 

Wegen Briefwahl und Monster-Wahlzettel

Wahlhelfer befürchten: Auszählung könnte so lange dauern, wie noch nie

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Es gibt so viele Briefwähler wie noch nie und die Wahlzettel haben monströse Ausmaße erreicht. Das könnte drastische Auswirkungen auf die Auszählung haben.

Freising Die Landtags- und Bezirkstagwahl am Sonntag mit ihren – zum Teil riesigen – Stimmzetteln raubt den Wahlleitern schon jetzt den Schlaf. Kopfzerbrechen bereitet ihnen die stark ansteigende Zahl von Briefwählern. So ist man in der Stadt Freising mit ihren etwa 33.000 Wahlberechtigten schon froh, wenn man bis 22 Uhr ein Endergebnis hat. Das hat auch mit der Zahl der Parteien zu tun, die an den Start gehen. Inzwischen sind es im Landkreis Freising bereits 17.

Immer mehr Briefwähler

8598 Freisinger nutzten bei der Landtags- und Bezirkstagswahl vor fünf Jahren die Möglichkeit der Briefwahl. Diese Marke hatte man Montagfrüh dieser Woche bereits geknackt: 8800 „Briefe“ zählte Michael Eberwein da bereits. „Bis zum Wahlsonntag haben wir wohl weit über 10.000“, erklärt der bei der Stadt für die Wahl zuständige Mann.

Bei nur 15 Briefwahl-Teams ergebe sich eine hohe Belastung für jeden Beteiligten, so Eberwein – „aber wir können ja nicht um beliebig viele Wahllokale aufstocken“.

Das Prozedere bei der Briefwahl ist aufwändig und beginnt am Sonntag bereits um 16 Uhr, zwei Stunden, bevor die (anderen) Wahllokale schließen. Da wird zunächst das große Briefwahl-Kuvert geöffnet, in dem sich der Wahlschein und die beiden Kuverts für die Landtagswahl (weiß) und Bezirkstagswahl (blau) befinden. 

+++ Landtagswahl 2018: Alle Infos zum Stimmkreis und allen Kandidaten und Parteien im Landkreis Freising finden Sie hier. Am Wahlsonntag berichten wir im Live-Ticker alle News, Ergebnisse und Reaktionen zur Wahl in Freising. +++

„Da drauf sofort ein Kreuzerl zu finden, ist gar nicht so einfach“

Zunächst wird überprüft, ob der Wahlschein mit dem Namen des Wahlberechtigten korrekt ist – dann wird der Schein von den übrigen Wahlunterlagen getrennt, um die Anonymität des Wählers zu garantieren.

Dann werden die weißen und blauen Kuverts ungeöffnet jeweils in eine Urne geworfen; Bis um 18 Uhr, wenn alle Wahllokale schließen, muss das erledigt sein. Ab diesem Zeitpunkt werden die Urnen geleert, die Umschläge geöffnet und die Stimmzettel ausgezählt. 

Dabei befindet sich in den weißen und blauen Kuverts jeweils ein kleiner Stimmzettel (mit den Direktkandidaten) und ein plakatförmiges Ungetüm mit den Listen der einzelnen Parteien – insgesamt 17. „Da drauf dann sofort ein Kreuzerl zu finden, ist gar nicht so einfach“, weiß Michael Eberwein.

Nach dem Auszählen muss jedes der 15 Briefwahlteams eine Niederschrift mit dem Ergebnis anfertigen und das dem Wahlleiter melden. Dasselbe gilt für die 35 anderen Wahllokale. Wenn alle 50 Niederschriften geprüft sind, werden die Auszählergebnisse von der EDV erfasst und das Freisinger Gesamtergebnis schließlich ans Landratsamt weitergeleitet.

Eberwein hofft, dass das Freisinger Ergebnis um 22 Uhr unter Dach und Fach ist. „Wir müssen aber warten, bis auch das letzte der 50 einzelnen Wahllokal-Ergebnisse eingetrudelt ist“, betont Eberwein. Wenn es auch nur an einer Stelle hakt, kann man die Wahl nicht abschließen.

„Es wird immer komplizierter“

Im Landratsamt laufen am Abend parallel auch die Ergebnisse aller anderen 23 Städte und Gemeinden ein. Hier gibt es ebenfalls ganz Schnelle und Nachzügler. Die letzte Gemeinde konnte im Jahr 2013 ihr Ergebnis erst um 23.50 Uhr melden – so lange dauerte es dann natürlich auch, bis das Endergebnis des Landkreises da war.

„Es wird immer komplizierter“, berichtet Wolfgang Doriat, seit langen Jahren der Wahl-Experte beim Landratsamt. Angesichts von inzwischen 17 Parteien, die zur Wahl antreten, würden auch die Stimmzettel immer unübersichtlicher und größer. 

Handhabung der Riesen-Zettel in der engen Wahlkabine ist nahezu unmöglich

Die Druckereien hätten inzwischen Probleme, die Stimmzettel zu produzieren. Die Handhabung dieser Riesen-Zettel in der engen Wahlkabine ist nahezu unmöglich – auch ein Grund, warum immer mehr die Briefwahl bevorzugen.

Gleichzeitig wird es immer schwieriger, genügend Wahlhelfer für das Auszählen zu finden. „Es haben sich zwar schon viele gemeldet“, berichtet Michael Eberwein. „Aber immer wieder springen auch welche kurzfristig ab. Dann kurzfristig Ersatz zu finden – da tut man sich schwer.“

Viele lange Listen

Im Landkreis Freising treten folgende Parteien zur Wahl an: CSU, SPD, Freie Wähler, Grüne, FDP, Linke, Bayernpartei, ÖDP, Piraten, AfD, LKR (Liberal-Konservative Reformer), Mut-Partei, Humanisten, Die Partei, Partei für Gesundheitsforschung, Tierschutzpartei und die V-Partei³ (Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer).

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