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Mit den Freisingern im Rücken möchte Landtagsabgeordneter Benno Zierer – hier beim „Schönen Blick“ auf dem Lankesberg – auch künftig im Maximilianeum bleiben.

Landtagswahl Bayern

Freisings FW-Kandidat Zierer: „Die CSU schreibt unsere Anträge ab“

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    Andreas Beschorner
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Sein Ziel ist es, im Maximilianeum zu bleiben: Für den Landtagsabgeordneten Benno Zierer (FW) hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät er, wie er der Wohnungsnot Herr werden möchte, welche Rolle die Freien Wähler in einer Regierungskoalition mit der CSU spielen würden, und was ihn bei seiner Arbeit im Landtag besonders ärgert.

-In wenigen Wochen ist Landtagswahl. Wie fühlen Sie sich?

Jede Wahl ist mit Anspannung und Unsicherheit verbunden. Aber ich bin zuversichtlich, dass mir die Wähler im Landkreis erneut ihr Vertrauen schenken. Mein Ziel war es, als Abgeordneter immer ansprechbar zu sein und die Anliegen der Menschen aufzunehmen. Ich denke, das ist mir gelungen.

-In Freising gibt es die eine große Gretchenfrage, und die lautet: Wie halten Sie es mit der Dritten Startbahn?

Ich bin strikt gegen den Bau der dritten Bahn, das ist auch die klare Position der Freien Wähler im Landtag. Ich sehe nicht ein, warum der Flughafen auf eine Kapazität von 700 000 Flügen im Jahr ausgebaut werden soll, damit Billig-Airlines wie Eurowings, Ryanair oder Easyjet ihren Konkurrenzkampf über den Köpfen der Menschen in der Region austragen können. Die Belastungsgrenze, was Lärm und Abgase betrifft, ist erreicht.

„Kinderbetreuung muss kostenfrei gestaltet werden.“

-Freising ächzt unter der Verkehrsbelastung. Derzeit werden mit der Westtangente und der Nordostumfahrung zwei Straßen gebaut, die den Verkehr aus der Stadt heraushalten sollen. Ist es damit getan oder braucht es weitere Lösungen?

Ein weiterer wichtiger Baustein ist der Südostring von der Erdinger Straße zur Staatsstraße 2053 (früher B 11), der Lerchenfeld vom Durchgangsverkehr entlasten würde. Dafür machen wir Freie Wähler uns im Stadtrat seit Jahren stark. Wir müssen Anreize schaffen, damit noch mehr Menschen in der Stadt das Fahrrad nutzen. Dazu gehören ein Fahrradverleihsystem und zusätzliche Abstellmöglichkeiten, vor allem am Bahnhof. Außerdem ist es eine ständige Aufgabe der Stadtpolitik, den Busverkehr attraktiver zu machen.

-Ein Infarkt droht auch in Sachen Kinderbetreuung. Noch im Frühjahr hat es so ausgesehen, als ob etliche Kinder auf Wartelisten versauern würden. Mit Ach und Krach konnten nun alle untergebracht werden. Wie wollen Sie diese permanent schwelende Kita-Krise zu einem guten Ende führen?

Wir Freien Wähler fordern kostenlose Kitas für Kinder ab einem Jahr. Kinderbetreuung muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen und kostenfrei gestaltet werden. Das hilft Familien wirklich, gerade in Ballungsgebieten mit hohen Lebenshaltungskosten. Kommunen dürfen nicht zusätzlich belastet werden, darum muss der Freistaat mehr Geld bereitstellen. Die Träger der Einrichtungen bekommen durch eine staatliche Sockelfinanzierung Planungssicherheit und müssen nicht mehr so häufig auf befristete Arbeitsverträge zurückgreifen.

„Es muss jungen Paaren möglich sein, Wohneigentum zu schaffen.“

-Sorge bereitet den Menschen auch die Entwicklung der Mietpreise. Wie wollen Sie für Wohnraum sorgen, der für Normalsterbliche auch bezahlbar ist?

Der soziale Wohnungsbau muss stärker gefördert werden. Der staatliche Zuschuss sollte zum Beispiel von 300 auf 750 Euro pro Quadratmeter bei Neubauten steigen. Außerdem fordern wir die Abschaffung der Grunderwerbssteuer für sozialen Wohnungsbau und einen Freibetrag von 500 000 Euro bei der Grunderwerbssteuer für Familien. Es muss jungen Paaren möglich sein, Wohneigentum zu schaffen, denn das ist die beste Altersvorsorge. Es ist unerträglich, dass das für zwei Normalverdiener in unserer Region kaum mehr machbar ist. Gerade deshalb wollen wir Freien Wähler in Freising ein Einheimischenmodell.

-Der Freistaat hat jüngst proklamiert, mehr in die Höhe als in die Breite zu bauen. Gesellt sich zu den Kirchtürmen im Landkreis Freising auch bald eine Skyline?

In Freising und den Landkreis-Gemeinden wird man nicht an Nachverdichtung vorbeikommen, um den dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Dabei ist Augenmaß gefragt, denn Nachverdichtung bedeutet oft den Verlust von Freiflächen in den Orten und damit von Lebensqualität. Klar ist, dass wir sparsam mit Flächen umgehen müssen. Deshalb sollte bei neuen Bebauungsplänen die Priorität auf Mehrfamilienhäusern respektive Mehrgenerationenhäusern liegen.

„Mir ist ein echtes Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft wichtig.“

-Welches Thema liegt Ihnen neben den bereits angesprochenen noch besonders am Herzen?

Bei der Arbeit im Umweltausschuss des Landtags ärgere ich mich oft über pauschale Schuldzuweisungen an die Landwirte – wenn es zum Beispiel um Wasserqualität oder um Artenverluste geht. Dann wird gerne mit dem Finger auf die Bauern gezeigt, ohne die schwierigen Verhältnisse und den wirtschaftlichen Druck zu berücksichtigen, unter dem sie arbeiten. Mir ist es wichtig, ein echtes Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft zu erreichen.

-Wenn die aktuellen Umfragen eintreten, verliert die CSU bei der Wahl die absolute Mehrheit. Mit wem könnten Sie sich eine Koalition vorstellen?

Wenn die CSU einen Koalitionspartner braucht, kommen wir natürlich in Frage.

-Warum?

Weil die CSU ohnehin schon unsere Vorschläge aufgreift oder Anträge abschreibt und das dann als eigenen Erfolg verkauft. Ich denke da an die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge oder an meinen Antrag, bei Unfällen auf Autobahnen Sichtschutzwände gegen Gaffer aufzustellen. Den hat die CSU im Landtag abgelehnt, jetzt gibt es die Sichtschutzwände doch.

„Wir würden das Korrektiv für die CSU sein.“

-Wo würden Sie Zugeständnisse machen, um mitregieren zu dürfen?

Es gibt einen Punkt, bei dem Zugeständnisse ausgeschlossen sind: Der Bau der dritten Startbahn ist mit den Freien Wählern nicht zu machen. Wir werden uns nicht unter Wert verkaufen, nur um Teil einer Regierung zu sein. Auch wenn die Oppositionsarbeit ein mühsames Geschäft ist, haben wir eine großartige Erfolgsbilanz vorzuweisen: die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge und der Studiengebühren, die Rückkehr zum G9. Unsere Positionen sind oft nicht weit von denen der CSU entfernt, aber wir würden das Korrektiv sein, dass Bayern nach der Phase der Alleinregierung dringend braucht. Ein so scharfes Polizeiaufgabengesetz hätte es zum Beispiel mit den Freien Wählern nicht gegeben.

-Wem Ihrer Gegenkandidaten im Landkreis Freising würden Sie gerne mal Ihre Meinung sagen?

Ich sage jedem meine Meinung, auch meinen Mitbewerbern. Aber das mache ich dann direkt und im persönlichen Gespräch.

-Wenn Sie Ihr Landtagsmandat behalten, dann . . .?

. . . setze ich meine Arbeit für die Menschen im Landkreis mit voller Kraft fort.

In aller Kürze

Alter: 62

Wohnort: Kleinbachern

Familie: verheiratet mit Margot, fünf Söhne im Alter von 39, 37, 31, 26 und 22 Jahren

Da bin ich aufgewachsen: in Kleinbachern auf dem elterlichen Bauernhof

Das ist mein Leibgericht: Milzwurst mit Kartoffelsalat und Soße

Dieser Film liegt mir am Herzen: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Diesem Verein drücke ich die Daumen: Ich freue mich, wenn Bayern gewinnt und wenn die Sechziger gewinnen. Weil ich zwei Daumen habe, drücke ich einen für jeden Verein.

Ich lese gerade: Geheimnisvolle Plätze in der Hallertau von Reinhard Haiplik

Das ist mein politisches Vorbild: Ein echtes Vorbild habe ich nicht, aber ich bewundere die Männer und Frauen, die 1946 die Bayerische Verfassung geschaffen und mit großem Weitblick das Fundament unserer Demokratie gegossen haben.

Deshalb bin ich Politiker geworden: Ich habe vor fast 40 Jahren begonnen, mich in der Freisinger Stadtpolitik zu engagieren, weil ich wollte, dass die kleinen Ortsteile dort mehr Gehör finden.

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