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Sollte er gewählt werden, möchte Bernhard Kranich „den Filz entwirren, der sich in vielen Jahrzehnten der CSU-Herrschaft gebildet hat“.

Landtagswahl in Bayern

Freisings AfD-Kandidat Bernhard Kranich: „Das sind keine Parolen“

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    Andreas Beschorner
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Sein Ziel ist das Maximilianeum: Für Bernhard Kranich (AfD) hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät er, wem er gerne mal die Meinung sagen würde, warum die CSU seiner Meinung nach eine Koalition mit der AFD eingehen müsste und weshalb er trotzdem mit Schwarz-Grün rechnet.

-In wenigen Wochen ist Landtagswahl. Wie fühlen Sie sich?

Abgesehen davon, dass ich mir einen schmerzhaften Sehnenabriss am Oberarm zugezogen habe und mir kurzfristig eine Operation bevorsteht, schaue ich sehr zuversichtlich in die Zukunft, was unsere Wahlchancen bei der Landtagswahl angeht.

-In Freising gibt es die eine große Gretchenfrage, und die lautet: Wie halten Sie es mit der Dritten Startbahn?

Es gibt sowohl Vorteile als auch Nachteile. Als Vorteile werden von den Betreibern aufgeführt: die Bedeutung als Wirtschaftsfaktor, die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze sowie Annehmlichkeiten für Urlaubs- und Geschäftsreisende. Die Nachteile sind seit Jahren bekannt: Lärmbelästigung, Umweltbelastung, zusätzliche Belastung durch Zubringerverkehr, weiterer Anstieg der regionalen Mietpreise, drohender Verkehrskollaps durch Pendler. Wir als AfD sind für die Abhaltung eines verbindlichen Bürgerentscheids durch die Einwohner der betroffenen Landkreise. Für mich persönlich überwiegen eindeutig die Nachteile der Dritten Startbahn, was ich durch Teilnahme an früheren Demonstrationen gegen das Projekt unterstrichen habe.

-Freising ächzt unter der Verkehrsbelastung. Derzeit werden mit der Westtangente und der Nordostumfahrung zwei Straßen gebaut, die den Verkehr aus der Stadt heraushalten sollen. Ist es damit getan oder braucht es weitere Lösungen?

Angesichts der vielen gleichzeitig ausgeführten Großprojekte, unter anderem auch den Umbau der Innenstadt mit der Moosach-Öffnung und der damit verbundenen kurzfristigen Verkehrsbehinderungen dürfte für die Bevölkerung erst einmal der Bedarf an Verkehrsprojekten erschöpft sein.

-Ein Infarkt droht auch in Sachen Kinderbetreuung. Noch im Frühjahr hat es so ausgesehen, als ob etliche Kinder auf Wartelisten versauern würden. Mit Ach und Krach konnten nun alle untergebracht werden. Wie wollen Sie diese permanent schwelende Kita-Krise zu einem guten Ende führen?

Es ist erfreulich, dass die großen Anstrengungen hier zu einem vorläufig befriedigenden Ergebnis geführt haben. Die kostenlose Kita wäre sicherlich für viele erstrebenswert, jedoch sollte sie primär den berufstätigen Eltern zugute kommen, die auf die Kinderbetreuung angewiesen sind und nicht denjenigen, die aufgrund fehlender Erwerbstätigkeit eigentlich genug Zeit für die Betreuung ihrer Kinder aufwenden können. Eine Möglichkeit zur sozialen Abfederung wäre, eine gewisse Zeit, bis zu einem halben Jahr, die KITA kostenfrei zu stellen. Danach müsste für eine weitere Förderung ein Nachweis über Arbeitsaufnahme erbracht werden. Prinzipiell stellt sich jedoch die Frage, ob wir es als Gesellschaft kritiklos hinnehmen wollen, dass beide Elternteile aus finanziellen Gründen gezwungen sind, zu arbeiten. Eine finanzielle Förderung von Eltern mit Kindern sollte eine echte Wahlfreiheit ermöglichen zwischen Kindererziehung zu Hause oder Kita. Ansonsten führt das über kurz oder lang zur Zerstörung der Familien als kleinste Keimzelle jeder funktionierenden Gesellschaft. Die Realität vieler berufstätigen Mütter sieht ernüchternd und unbefriedigend aus, insbesondere da die Einkünfte der weiblichen Angestellten unterdurchschnittlich sind. Und das alles für den Preis der schleichenden Entfremdung von den eigenen Kindern, die für den Staat dadurch leichter „umerziehbar“ und formbar werden.

-Sorge bereitet den Menschen auch die Entwicklung der Mietpreise. Wie wollen Sie für Wohnraum sorgen, der für Normalsterbliche auch bezahlbar ist?

Bisherige Instrumente zur Regulierung des Wohnungsmarktes wie zum Beispiel die Mietpreisbremse haben nur mäßigen Erfolg gebracht. Da wir gerade selbst eine neue Wohnung gesucht und erst nach vielen Monaten gefunden haben, weiß ich aus eigener Erfahrung um die Schwierigkeiten des hiesigen Wohnungsmarktes. Illegale Migration verschärft die Wohnungssituation. Lohn-Dumping durch osteuropäische Arbeiter über Subfirmen, die auch von öffentlichen Auftraggebern eingesetzt werden, verstärkt diese Entwicklung zusätzlich. Die Euro-Zinspolitik der EZB hat dazu geführt, dass in den letzten Jahren vermehrt Kapital in Wohnungen und Grundstücke im Großraum München-Freising zu Spekulationszwecken investiert wird. Es wird aber dadurch kaum zusätzlicher Wohnraum geschaffen, sondern lediglich vorhandene Bausubstanz verteuert. Ich werde als MdL dafür Sorge tragen, dass mehr Bauflächen ausgewiesen und die Bauvorschriften vereinfacht werden. Einheimische Familien müssen begünstigt werden beim Hausbau.

-Der Freistaat hat jüngst proklamiert, mehr in die Höhe als in die Breite zu bauen. Gesellt sich zu den Kirchtürmen im Landkreis Freising auch bald eine Skyline?

Aufgrund der besonderen historischen Situation der Stadt Freising kann ich mir Hochhäuser nur sehr schwer vorstellen. Wohl aber sind da und dort Verdichtungen und Aufstockungen denkbar, ohne das Ortsbild nachhaltig zu beeinträchtigen. Uns liegt sehr am Herzen, dass die höchsten Gebäude auch weiterhin Kirchtürme bleiben, und nicht Minarette in der Domstadt erbaut werden.

-Welches Thema liegt Ihnen neben den bereits angesprochenen noch besonders am Herzen?

Dass das Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Freising weiterhin friedlich bleibt, und nicht durch unkontrollierten Zuzug von kulturfremden Migranten aus Kriegs- und Spannungsgebieten Konflikte in unsere Stadt getragen werden.

- Von der AfD hört man hauptsächlich Parolen zum Thema Flüchtlinge. Sind Sie ein Ein-Themen-Kandidat?

Das sind keine Parolen, sondern berechtigte Feststellungen von gravierenden Missständen, die uns langfristig hohe Belastungen für Haushalt und Gesellschaft aufbürden.

-Wenn die aktuellen Umfragen eintreten, verliert die CSU bei der Wahl die absolute Mehrheit. Mit wem könnten Sie sich eine Koalition vorstellen?

Wenn die CSU es ernst meint mit ihren Forderungen nach Begrenzung des weiteren Zuzugs von illegalen Migranten und dem Erhalt der christlichen Werte, dann käme zur Bildung einer Regierung eigentlich nur die AfD in Frage. Es ist jedoch zu befürchten, dass die CSU einzig und allein um den Erhalt ihrer Pfründe besorgt ist und daher sogar eine bislang undenkbare Koalition mit den Grünen eingehen wird.

-Rechnen Sie mit Schwarz-Grün?

Man hat bei den Jamaika-Verhandlungen gesehen, dass keinerlei Berührungsängste mit den Grünen existieren, wenn dadurch beide Parteien an die Futtertröge kommen.

-Wem Ihrer Gegenkandidaten im Landkreis Freising würden Sie gerne mal Ihre Meinung sagen?

Florian Hermann würde ich gerne fragen, wie er seine Haltung in Sachen Dritte Startbahn mit seiner Funktion in der Staatskanzlei vereinbaren kann, ohne dabei rot zu werden.

-Wenn Sie das Landtagsmandat erhalten, dann…?

..würde ich den Filz entwirren, der sich in vielen Jahrzehnten der CSU-Herrschaft gebildet hat.

In aller Kürze:

Alter: 54

Wohnort: Freising

Familie: verheiratet, eine Tochter

Da bin ich aufgewachsen: auf einem Bauernhof in Niederbayern

Das ist mein Leibgericht: Pollo Peruano (Huhn auf peruanisch)

Dieser Film liegt mir am Herzen: Krieg und Frieden

Diesem Verein drücke ich die Daumen: Tennis-Club Zolling

Ich lese gerade: nur die Tagespresse

Das ist mein politisches Vorbild: der Klartext-Politiker Franz Josef Strauss, weil er wie kein anderer Politiker das bayerisch-barocke Auftreten mit rhetorischer Brillanz und politischem Geschick verkörpert hat

Deshalb bin ich Politiker geworden: Weil ich eine Politik betreiben möchte, die sich an den Interessen der Bürger unseres Landes orientiert

Kommentar:

Immer wieder beweist die AfD, dass sie nicht daran interessiert ist, sich an demokratische Gepflogenheiten zu halten. Zwei Beispiele: Auf dem Grundstück des FT hat die Partei illegal ein Plakat installiert. Die von uns gestellte Frist, die Werbung bis Montag zu entfernen, hat sie untätig verstreichen lassen. Die Redaktion hat sich erlaubt, das Konterfei von Frau Hilz nun selbst zu demontieren. Zweites Beispiel: Im Rahmen unserer Landtagswahl-Serie haben zehn Kandidaten aus dem Landkreis ihre Fragebögen und Steckbriefe fristgerecht zurückgeschickt. Einer hat seine Unterlagen verspätet eingereicht: Bernhard Kranich von der AfD. Der selbe Kandidat, der es nicht geschafft hat, einen von zwei vereinbarten Terminen mit unserem Fotografen einzuhalten. Warum wir das Interview mit offiziellem Wahlkampffoto trotzdem abdrucken, obwohl sich die AfD an keine Regeln hält? Weil wir nicht wollen, dass es sich diese Partei mal wieder in der Opferrolle bequem macht.

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