+
Die Aussichtsterrasse am Domberg wählte Florian Herrmann für das Interview-Foto aus – sein Lieblingsplatz. Eine Manhattan-Skyline will er von hier aus aber auch künftig nicht sehen.

Landtagswahl in Bayern

Freisings CSU-Kandidat Florian Herrmann: „Ich lehne die dritte Startbahn klar ab“

  • schließen
  • Andreas Beschorner
    Andreas Beschorner
    schließen

Er will da bleiben wo er ist: Seit März fungiert Florian Herrmann (CSU) als Chef der Staatskanzlei. Für den Staatsminister hat nun die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät er, warum er die dritte Startbahn ablehnt.

-In wenigen Wochen ist Landtagswahl. Wie fühlen Sie sich?

Mir geht es gut, danke! Wie immer bin ich viel unterwegs im Stimmkreis und bayernweit, führe viele Gespräche und höre, was die Menschen bewegt. Das ist das, was mir Spaß macht. Ich möchte mit meiner Politik das Leben der Menschen konkret verbessern: Keine Ideologien, keine Verbote, sondern konkrete Angebote und Zukunftschancen für die Menschen in Bayern. Nicht abgehoben, sondern näher am Menschen. Dafür stehe ich und dafür werbe ich: Mit Leidenschaft und Augenmaß!

Landtagskandidat Florian Hermann (CSU): „Die Bürger der Flughafenregion bringen ein großes Opfer für ganz Bayern.“

-In Freising gibt es die eine Gretchenfrage, und die lautet: Wie halten Sie es mit der Dritten Startbahn?

Meine Meinung zur dritten Startbahn ist bekannt: Ich lehne sie klar ab. Die Bürger der Flughafenregion bringen neben all den Chancen, die der Flughafen bietet, ein großes Opfer für ganz Bayern, denn der ganze Freistaat und teilweise sogar unsere Nachbarländer profitieren von dem Drehkreuz im Süden Bayerns. Eine weitere Startbahn würde dieses Opfer sogar noch erhöhen, ohne einen adäquaten Gegenwert für Freising zu bringen. Gerade den Aspekt der Belastung für die Menschen in unserer Region habe ich in den letzten Jahren in den Diskussionen – auch innerhalb der CSU – immer in den Mittelpunkt gestellt und werde das als Stimmkreisabgeordneter für den Landkreis Freising auch weiterhin tun.

-Freising ächzt unter der Verkehrsbelastung. Derzeit werden mit der Westtangente und der Nordostumfahrung zwei Straßen gebaut, die den Verkehr aus der Stadt heraushalten sollen. Ist es damit getan oder braucht es weitere Lösungen?

Beides sind wichtige Verkehrsadern für den gesamten Landkreis, die Entlastung bringen werden. Dass die Bürger vor allem auf die Westtangente so lange warten mussten, liegt an denen, die sie vehement bekämpft haben. Die Staatsregierung will den ÖPNV mit kräftigen Investitionen gerade auf dem Land deutlich stärken – von landkreisübergreifenden Buslinien bis hin zu Smart- und Bürgerbussen. Darüber hinaus wollen wir bayernweit unter anderem 2000 neue Busse fördern. Wir werden Verbundstrukturen stärken – auch um Schiene und Bus noch attraktiver zu verknüpfen. Unser ÖPNV soll auch moderner und komfortabler werden: Wir wollen ein einheitliches, bayernweites Ticket für alle Verkehrsmittel und bis 2020 Wlan in allen Bussen.

Landtagskandidat Florian Hermann (CSU): „Für uns ist die Familie der Mittelpunkt, auch in der Politik.“

-Ein Infarkt droht auch in Sachen Kinderbetreuung. Noch im Frühjahr hat es so ausgesehen, als ob etliche Kinder auf Wartelisten versauern würden. Mit Ach und Krach konnten nun alle untergebracht werden. Wie wollen Sie diese permanent schwelende Kita-Krise zu einem guten Ende führen?

Für uns ist die Familie der Mittelpunkt, auch in der Politik. Gemeinsam mit den Kommunen, die hier in erster Linie zuständig sind, wollen wir für unsere Kinder eine Betreuung, die verlässlich und qualitativ hochwertig ist. Der Freistaat unterstützt die Kommunen bei der Kindertagesbetreuung wie kein anderes Land – allein in 2018 mit rund zwei Milliarden Euro. Erst vor kurzem haben wir ein weiteres starkes Paket zum Ausbau der Ganztagsbetreuung und Qualitätsverbesserung auf den Weg gebracht. Neben der Förderung von 30 000 neuen Plätzen für Kinder bis zum Schuleintritt und von 10 000 zusätzlichen Hortplätzen für Kinder ab Schuleintritt haben wir auch ein Programm zur Festanstellung von 2000 Tagespflegepersonen beschlossen. Dieses Programm soll es ermöglichen, das pädagogische Personal in der Kinderbetreuung zu entlasten, die Öffnungszeiten zu flexibilisieren sowie die Betreuung in Rand- und Ferienzeiten zu verbessern. Wir setzen auf Qualität in der Kinderbetreuung statt auf Kostenfreiheit. Gleichzeitig wollen wir den Eltern auch nicht vorschreiben, ob sie ihre Kinder in die Kita geben oder daheim betreuen. Daher haben wir das bayerische Familiengeld von 250 Euro pro Kind pro Monat für das 1. und 2. Kind und von 300 Euro ab dem 3. Kind für Kinder im 2. und 3. Lebensjahr eingeführt – das sind insgesamt 6 000 beziehungsweise 7 200 Euro pro Kind. Wir stehen für Flexibilität und Anreize statt Verbote und Vorschriften. All dies wird auch zu einer Entlastung bei uns im Landkreis Freising beitragen.

-Sorge bereitet den Menschen auch die Entwicklung der Mietpreise. Wie wollen Sie für Wohnraum sorgen, der für Normalsterbliche auch bezahlbar ist?

Wir brauchen dringend mehr bezahlbare Wohnungen. Auch als Staatsregierung nehmen wir uns dieses Themas intensiv an. Geplant sind bis 2025 insgesamt 500 000 neue Wohnungen in Bayern – privat, kommunal aber auch staatlich. Im Bayerischen Ministerrat haben wir ein kräftiges Paket für mehr Wohnraum beschlossen. Mit der neu gegründeten BayernHeim wollen wir als Freistaat 10 000 Wohnungen für niedrigere Einkommensgruppen bauen. Gleichzeitig unterstützen wir die Kommunen über ein kommunales Wohnbauprogramm. Und ganz wichtig: Wir unterstützen die Familien kräftig beim Wohnungsbau. Mit dem Bayerischen Baukindergeld Plus erhöhen wir im Freistaat das Baukindergeld des Bundes in Höhe von 1200 Euro pro Kind und Jahr noch einmal um 300 Euro – und das über einen Zeitraum von zehn Jahren. Zusammen mit der neuen Eigenheimzulage von 10 000 Euro kann eine junge Familie mit zwei Kindern ein Startkapital von insgesamt 40 000 Euro erreichen. Was tut sich gerade konkret in Freising? Gemeinsam mit der Stadt haben wir zum Beispiel ein innovatives Wohnungsbauprojekt gestartet, mit dem in den nächsten Jahren etwa 120 neue bezahlbare Wohnungen in guter Qualität im Stadtteil Lerchenfeld geschaffen werden sollen. Aktuell läuft die Planung, mit dem Bau soll ab 2019 begonnen werden.

Landtagskandidat Florian Hermann (CSU): „Freising wird kein Manhattan werden.“

-Der Freistaat hat jüngst proklamiert, mehr in die Höhe als in die Breite zu bauen. Gesellt sich zu den Kirchtürmen im Landkreis Freising auch bald eine Skyline?

Tatsächlich hat der Freistaat ein Anreizpaket zur Reduzierung des Flächenverbrauchs initiiert, das auch die Diskussion um ein Bauen in die Höhe statt in die Breite neu anstoßen soll. Die Planungshoheit liegt aber bei der Stadt Freising, die in Bebauungsplänen unter anderem über die zulässige Höhe der Bebauung selbst entscheidet. Natürlich fließen hierbei auch städtebauliche Überlegungen zum Erhalt des besonderen Ortsbildes ein. Freising wird kein neues Manhattan werden – aber natürlich wird das stetige Wachstum Freisings auch im Stadtbild sichtbar. Das zeigt sich ja zum Beispiel schon bei den in den letzten Jahren entstandenen Wohnquartieren, die teilweise schon eine durchaus urbane Ausstrahlung haben. Und im Sinne des Flächensparens wäre es zu begrüßen, falls die Stadt sich entschließen sollte, auch mal ein, zwei Stockwerke mehr zuzulassen. So könnten mehr Menschen zentrumsnah wohnen. Und die kurzen Wege gehören ja auch zu einer so attraktiven und lebenswerten Mittelstadt wie Freising.

-Welches Thema liegt Ihnen neben den bereits angesprochenen noch besonders am Herzen?

Die innere Sicherheit – nicht nur, weil ich in den letzten fünf Jahren Vorsitzender des Innenausschusses im Bayerischen Landtag war, sondern weil für mich gilt: Freiheit braucht Sicherheit. Ich bin stolz darauf, dass Bayern mit Abstand das sicherste Bundesland ist. Wir haben in den letzten Jahren mehrere tausend neue Polizeistellen geschaffen, da die Arbeit der Sicherheitsbehörden mehr geworden ist. Ich setze mich daher auch dafür ein, dass das neu ausgebildete Personal auch in den Dienststellen im Landkreis Freising ankommt.

-Wenn die aktuellen Umfragen eintreten, verliert die CSU die absolute Mehrheit. Mit welcher Partei könnten Sie sich eine Koalition vorstellen?

Von Zahlenspielen halte ich nicht viel. Wir wollen das Beste für die Menschen in Bayern und werben mit viel Engagement um jede Stimme. Am 14. Oktober entscheiden die Wählerinnen und Wähler. Darauf kommt es an und dann sehen wir weiter.

Landtagskandidat Florian Hermann (CSU): „Für mich gibt es keinen Grund, nervös zu sein.“

-Wem Ihrer Gegenkandidaten im Landkreis Freising würden Sie gerne mal Ihre Meinung sagen?

„Die Meinung sagen“ ist nicht mein Stil. Ich schätze die engagierte Auseinandersetzung mit Argumenten, ohne Ideologie und auf der Basis von Fakten. Das erwarte ich auch von allen anderen, die politische Ämter anstreben.

-Sie sind seit März Chef der Staatskanzlei. Sind Sie vor dieser Wahl besonders nervös, weil es jetzt für Sie viel zu verlieren gibt?

Nein. Mir macht mein Amt als Leiter der Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten mit seinen breitgefächerten Aufgaben viel Freude. Ich bin mir auch der Verantwortung, die damit einhergeht, bewusst. Als Landtagsabgeordnete stellen wir uns alle fünf Jahre zur Wahl. Ich bin überzeugt, dass wir die richtigen Weichen für die Zukunft der Menschen in Bayern gestellt haben. Diesen Weg wollen wir fortsetzen. Für mich gibt es also keinen Grund, nervös zu sein.

-Wenn Sie das Landtagsmandat erhalten, dann…?

… setze ich meine Arbeit fort und gebe weiter vollen Einsatz für die Menschen in der Region und in Bayern.

In aller Kürze:

Alter: 46

Wohnort: Freising

Familie: verheiratet mit Renate

Da bin ich aufgewachsen: Ihrlerstein, Oberursel, Giggenhausen, Freising

Das ist mein Leibgericht: Schweinebraten

Dieses Film liegt mir am Herzen: Casablanca

Diesem Verein drücke ich die Daumen: der Ausbildungsoffensive Freising für die weitere erfolgreiche Umsetzung der MINT-Region Freising

Ich lese gerade: Andreas Englisch: Franziskus. Kämpfer im Vatikan und Bill Clinton/James Patterson: The President Is Missing

Das ist mein politisches Vorbild: Dr. Otto Wiesheu, weil er uns mit seiner Gradlinigkeit und Weitsicht politisch geprägt hat

Deshalb bin ich Politiker geworden: Weil man tatsächlich gestalten kann und sich kümmern kann – um die kleinen Sorgen der Menschen und die großen Linien

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die Proben für den Brandner Kaspar laufen auf Hochtouren
Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Und deshalb bringt Initiator Helmut Schranner aus Nandlstadt im April nach „Tanz der Vampire“ (2008) und Sister Act (2015) heuer …
Die Proben für den Brandner Kaspar laufen auf Hochtouren
FFW Airischwand: Neues Feuerwehrhaus soll „Garage“ ersetzen
Keine Toiletten, keine Lagerräume und keine Reinigungsmöglichkeit: Das Gerätehaus der Feuerwehr Airischwand muss dringend erneuert werden. Über den entsprechenden Antrag …
FFW Airischwand: Neues Feuerwehrhaus soll „Garage“ ersetzen
Ab Ende April: Essen zum Wohle der Gemeinde
Ende April beginnt ein neues Kapitel der Bürgerhaus-Gastronomie: Unter dem Namen „Pure Cuisine“ wollen Pächterin Monika Kretsch (60) und Geschäftsführer Benjamin Gütt …
Ab Ende April: Essen zum Wohle der Gemeinde
Schwitzen für die gute Sache - Benefizspinning geht in die elfte Runde
Schwitzende Körper, Puls am Anschlag, motivierende Beats, Adrenalin pur – das Benefizspinning des Freisinger Fitnessstudios Number 1 geht am 14. März in die elfte Runde.
Schwitzen für die gute Sache - Benefizspinning geht in die elfte Runde

Kommentare