+
Für einen „echten Klimaschutz“ will sich Johannes Becher einsetzen, um für kommende Generationen die Lebensgrundlagen zu erhalten. Das Foto stammt aus dem Amtsgerichtsgarten in Moosburg.

Landtagswahl in Bayern

Freisings Grünen-Kandidat Johannes Becher: „Wir brauchen eine Politik, die Mut gibt“

  • schließen
  • Andreas Beschorner
    Andreas Beschorner
    schließen

Sein Ziel ist das Maximilianeum: Für Johannes Becher (Grüne) hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät er, wie eine Politik für ihn aussieht, die Mut gibt, anstatt Angst zu machen, wer ihm besonders am Herzen liegt, und warum er die CSU auf dem Holzweg sieht.

-In wenigen Wochen ist Landtagswahl. Wie fühlen Sie sich?

Ich bin optimistisch und gut drauf. Und natürlich auch gespannt, denn trotz aller Umfragen weiß ja heute keiner, wie es wirklich ausgeht. Freie Wahlen sind ein großes Privileg.

-In Freising gibt es die eine große Gretchenfrage, und die lautet: Wie halten Sie es mit der dritten Startbahn?

Ich lehne den Bau der dritten Start- und Landebahn ab und möchte die Widerstandsarbeit von Christian Magerl im Landtag nahtlos fortsetzen. Das Projekt muss beerdigt werden. Endgültig!

„Von einem Erzieherinnengehalt ist es in unserer Region schwer zu leben“

-Freising ächzt unter der Verkehrsbelastung. Derzeit werden mit der Westtangente und der Nordostumfahrung zwei Straßen gebaut, die den Verkehr aus der Stadt heraushalten sollen. Ist es damit getan, oder braucht es weitere Lösungen?

Neue Straßen sind nicht die Lösung für Verkehrsprobleme, sondern sie verlagern bestenfalls Verkehr. Wir brauchen eine grundlegend andere Verkehrspolitik mit mehr und besserem öffentlichen Nahverkehr, mit mehreren Expressbussen im Landkreis und darüber hinaus mit einer besseren Radinfrastruktur und mit mehr Service und Information bei der Bahn. Es ist viel zu tun und wir haben deshalb ein Konzept für den Landkreis Freising vorgelegt.

-Ein Infarkt droht auch in Sachen Kinderbetreuung. Noch im Frühjahr hat es so ausgesehen, als ob etliche Kinder auf Wartelisten versauern würden. Mit Ach und Krach konnten nun alle untergebracht werden. Wie wollen Sie diese permanent schwelende Kita-Krise zu einem guten Ende führen?

Das Problem sind in der Regel nicht die verfügbaren Gebäude, sondern dass die Gemeinden immer größere Probleme haben, Fachpersonal zu finden. Von einem Erzieherinnen- oder Kinderpflegerinnengehalt ist es in unserer Region auch schwer zu wohnen und zu leben. Wir brauchen eine bessere Bezahlung und gerade für mittlere und niedrige Einkommen mehr bezahlbaren Wohnraum.

„Wir können keine Hochhäuser in die Holledau stellen“

-Die Entwicklung der Mietpreise bereitet vielen große Sorgen. Wie wollen Sie für Wohnraum sorgen, der für Normalsterbliche bezahlbar ist?

Wir möchten jährlich eine Milliarde Euro in den sozialen Wohnungsbau stecken und die Wohnungen dann auch in öffentlicher Hand behalten. Außerdem braucht es einen qualifizierten Mietspiegel, damit die Mietpreisbremse auch Wirkung entfalten kann. Für den Landkreis würde ich mir eine aktive Wohnungsbaugesellschaft vorstellen, die nicht nur selbst baut, sondern auch als Dienstleister für die Kommunen beim Bau und bei der Verwaltung der Wohnungen auftritt. Was noch dazu gehört: Wir brauchen eine Strukturpolitik in Bayern, die Arbeitsplätze in allen Regionen schafft und nicht nur im Großraum München.

-Der Freistaat hat jüngst proklamiert, mehr in die Höhe als in die Breite zu bauen. Gesellt sich zu den Kirchtürmen im Landkreis Freising auch bald eine Skyline?

Ja, wir müssen mehr in die Höhe als in die Breite bauen und maßvoll nachverdichten. Aber: Wir können keine Hochhäuser in die Holledau stellen. Die Orte haben einen gewachsenen Charakter, eine Identität, und diese gilt es zu bewahren. Eine kluge Wohnungspolitik berücksichtigt beides: Flächensparend zu bauen und die Identität der Orte zu erhalten.

-Welches Thema liegt Ihnen neben den bereits angesprochenen noch besonders am Herzen?

Mir liegt besonders die Jugend und die Zukunft der kommenden Generationen am Herzen. Der Klimawandel findet statt, und wir haben in diesem Sommer bei uns einen ersten kleinen Vorgeschmack bekommen. Wir müssen den kommenden Generationen die Lebensgrundlagen erhalten, und dafür wird es ganz entscheidend sein, dass wir auf allen Ebenen echten Klimaschutz betreiben. Dazu gehört die Energiewende in Strom und Wärme, die Verkehrswende und eine nachhaltige Landwirtschaft.

„Die CSU ist auf dem Holzweg, wenn sie die Sprache der Rassisten übernimmt“

-Wenn die aktuellen Umfragen eintreten, verliert die CSU bei der Wahl die absolute Mehrheit. Mit wem könnten Sie sich eine Koalition vorstellen?

Ich kann mir grundsätzlich mit allen demokratischen Parteien eine Koalition vorstellen. Es kommt auf die Inhalte an – und ob Kompromisse gefunden werden, die es auch wert sind, und ob die handelnden Personen einigermaßen vertrauenswürdig sind. Da wird es bei der CSU und Markus Söder dann schon schwierig.

-Warum könnte es trotzdem Schwarz-Grün in Bayern geben?

Eigentlich gehört die CSU in die Opposition, weil mein Eindruck ist, dass sie den eigenen Erfolg deutlich vor das Gemeinwohl stellt. Sollte die CSU aber nach der Wahl wieder zu Vernunft und Menschlichkeit kommen, dann kann man mit uns sicherlich über die Beerdigung der dritten Startbahn, sowie eine ökologische und gerechte Politik reden. Über europafeindliche und autoritäre Politik allerdings nicht.

-Wem Ihrer Gegenkandidaten im Landkreis Freising würden Sie gerne mal Ihre Meinung sagen?

Am ehesten natürlich Florian Herrmann, aber ich hätte Zweifel, ob es was bringt.

„Ohne Humor ist Politik kaum auszuhalten“

-Und wie lautet die Botschaft?

Die CSU ist auf dem Holzweg, wenn sie versucht, die Sprache der Rassisten zu übernehmen. Wenn sie glaubt, der Wohlstand Bayerns bestehe im Bau neuer Logistikhallen und nicht im Erhalt der Lebensgrundlagen. Und wenn sie meint, dass die Sicherheit steigt, wenn wir Bürgerrechte noch mehr einschränken und noch mehr überwachen. Wir brauchen eine Politik, die Mut gibt, statt Angst zu machen. Und wir müssen vernünftige, menschliche und sachliche Lösungen erarbeiten. Erst kommt das Land, dann die Partei und dann irgendwann kommen die Befindlichkeiten einzelner Politiker.

-Sie haben viel Beifall erhalten für Ihre Söder-Parodien beim Grünen Kabarett. Werden Sie den Ministerpräsidenten weiter durch den Kakao ziehen, wenn Sie mit der CSU koalieren sollten?

Ohne Humor ist Politik kaum auszuhalten. Ich liebe das Kabarett, und Markus Söder ist eine dankbare Rolle. Wenn die CSU am 14. Oktober unter 40 Prozent kommt, und Ilse Aigner Ministerpräsidentin wird oder jemand anders, dann muss ich mir ohnehin eine andere Rolle suchen. Vor zwei Jahren habe ich mal Claudia Roth parodiert – kam auch ganz gut an.

-Wenn Sie das Landtagsmandat erhalten, dann . . .?

. . . werde ich hart und sachorientiert arbeiten, um dem Vertrauen der Wählerinnen und Wähler auch gerecht zu werden.

In aller Kürze:

Alter: 30

Wohnort: Moosburg an der Isar

Familie: ledig, noch keine Kinder

Da bin ich aufgewachsen: Moosburg an der Isar

Das ist mein Leibgericht: mal Pizza, Mal Schweinebraten

Dieser Film liegt mir am Herzen: Into the Wild

Diesem Verein drücke ich die Daumen: TSV Moosburg-Neustadt und überregional den Bayern

Ich lese gerade: Hannes Jaenicke: Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche

Das ist mein politisches Vorbild: Christian Magerl und Sepp Daxenberger, wegen der klaren Haltung, der Verwurzelung in der Region, der Leidenschaft und der Bodenständigkeit

Deshalb bin ich Politiker geworden: Ich wollte als Jüngster im Stadtrat ein neues Jugendhaus in Moosburg durchsetzen. Das ist gelungen, und dabei habe ich verstanden, dass man mit Demokratie wirklich etwas für das Gemeinwohl verändern und verbessern kann.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Aktenzeichen XY ungelöst“ jagt Freisinger Bankräuber
Die Überfälle eines Serientäters auf Bankfilialen von Kranzberg und Kirchdorf vom Juni 2017 sind heute Abend ab 20.15 Uhr Thema der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“. …
„Aktenzeichen XY ungelöst“ jagt Freisinger Bankräuber
Viele Ideen, ein Programmheft
Mit aktuellen Themen wie Nachhaltigkeit oder Mobilität im Alter sowie vielen attraktiven Neuheiten ist zum Ferienende das regionale Vhs-Programm erschienen. Die …
Viele Ideen, ein Programmheft
Volle Punktzahl für diesen Schutzengel
Dieser Schutzengel hat einen riesengroßen Orden verdient: Am Montag gegen 15.10 Uhr ist ein zweijähriger Junge in der Herrnstraße zwischen parkenden Autos hindurch auf …
Volle Punktzahl für diesen Schutzengel
Freisings Linke-Kandidat Guido Hoyer: „Ich stehe für das soziale Bayern“
Sein Ziel ist das Maximilianeum: Für Guido Hoyer (Linke) hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät er, weshalb eine Lektüre der Bayerischen Verfassung …
Freisings Linke-Kandidat Guido Hoyer: „Ich stehe für das soziale Bayern“

Kommentare