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Das Outfit passt zur Partei: Guido Hoyer, hier vor der Schlossallee in Haag, will seine Farben in den Landtag bringen. In eine „Alle-gegen-die-CSU“-Koalition will er allerdings nicht eintreten.

Landtagswahl in Bayern

Freisings Linke-Kandidat Guido Hoyer: „Ich stehe für das soziale Bayern“

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    Manuel Eser
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Sein Ziel ist das Maximilianeum: Für Guido Hoyer (Linke) hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät er, weshalb eine Lektüre der Bayerischen Verfassung mal wieder lohnenswert sei, wie er die Bodenspekulationen in der Region einbremsen will, und warum eine Regierungsbeteiligung für ihn in Bayern nicht in Frage kommt.

-In wenigen Wochen ist Landtagswahl. Wie fühlen Sie sich?

Nicht anders als sonst.

-In Freising gibt es die eine große Gretchenfrage, und die lautet: Wie halten Sie es mit der Dritten Startbahn?

Warum sollte ich die Dritte Startbahn plötzlich nicht mehr ablehnen? Wir LINKEN in Freising, München, Bayern und im Bundestag bleiben beim klaren Nein.

„Die Westtangente zieht ja auch Verkehr in die Stadt.“

-Freising ächzt unter der Verkehrsbelastung. Derzeit werden mit der Westtangente und der Nordostumfahrung zwei Straßen gebaut, die den Verkehr aus der Stadt heraushalten sollen. Ist es damit getan oder braucht es weitere Lösungen?

Wer glaubt, ausgerechnet die Westtangente löse die Freisinger Verkehrsprobleme, täuscht sich. Sie zieht ja auch Verkehr in die Stadt (Allershausen-Flughafen). Wir brauchen den Ausbau der Radwege und des Öffentlichen Personennahverkehrs, der kostengünstig sein muss, längerfristig auch kostenfrei.

-Ein Infarkt droht auch in Sachen Kinderbetreuung. Noch im Frühjahr hat es so ausgesehen, als ob etliche Kinder auf Wartelisten versauern würden. Mit Ach und Krach konnten nun alle untergebracht werden. Wie wollen Sie diese permanent schwelende Kita-Krise zu einem guten Ende führen?

Wer einen Rechtsanspruch auf einen KITA-Platz beschließt, was richtig ist, muss auch das Geld dafür zur Verfügung stellen. Die Kommunen müssen entlastet werden. Für mich hat Kinderbetreuung Priorität, deshalb will ich mehr Personal und vor allem eine deutlich bessere Bezahlung der Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen. Für erwerbstätige Eltern sind auch Angebote am Wochenende und in den Abendstunden nötig. Für den Dienst außerhalb der normalen Arbeitszeiten müssen die KITA-Beschäftigten dann auch steuerfreie Zulagen erhalten.

„Nötig sind Obergrenzen für Mieten und eine wirksame Mietbremse.“

-Sorge bereitet den Menschen auch die Entwicklung der Mietpreise. Wie wollen Sie für Wohnraum sorgen, der für Normalsterbliche auch bezahlbar ist?

DIE LINKE will jährlich 40 000 öffentlich geförderte Wohnungen neu bauen und die Sozialbindung unbefristet gelten lassen. Nötig sind Obergrenzen für Mieten und eine wirksame Mietpreisbremse. Ein riesiges Problem bei uns in der Region ist die Bodenspekulation. Grundstückspreise sind nicht mehr bezahlbar. Hier weiß die Verfassung Rat: „Steigerungen des Bodenwertes, die ohne besonderen Arbeits- oder Kapitalaufwand des Eigentümers entstehen, sind für die Allgemeinheit nutzbar zu machen.“ (Art.161)

-Der Freistaat hat jüngst proklamiert, mehr in die Höhe als in die Breite zu bauen. Gesellt sich zu den Kirchtürmen im Landkreis Freising auch bald eine Skyline?

Kein Problem, wenn die von den Freisinger Stadtplanern stets proklamierte „freie Sicht auf den Domberg“ erhalten bleibt. Freisings Skyline sind die Domtürme.

„Es kann nicht sein, dass ein Konzernchef mehr Macht hat als Politiker.“

-Welches Thema liegt Ihnen neben den bereits angesprochenen noch besonders am Herzen?

Ich stehe für das soziale Bayern, wie es die Gründer des Freistaats Bayern (das war nicht die CSU) wollten. Es kann nicht sein, dass ein Konzernchef, der von niemandem demokratisch gewählt ist, mehr Macht hat als mancher Politiker. Es kann nicht sein, dass in einem reichen Land Rentnerinnen, Alleinerziehende und Kinder von Armut bedroht sind, während Großkonzerne und Spitzenverdiener immer weniger zum Gemeinwohl beitragen. Hier muss umgesteuert werden.

-Wenn die aktuellen Umfragen eintreten, verliert die CSU bei der Wahl die absolute Mehrheit. Mit wem könnten Sie sich eine Koalition vorstellen?

Die Frage stellt sich nicht, denn mehrheitsfähig wäre allenfalls eine „Alle-gegen-die-CSU“-Koalition. Auf welche Inhalte könnte sich so ein Bündnis einigen? DIE LINKE wird die soziale Opposition im Landtag. Das ist dringend notwendig.

„Dann nehme ich die Wahl an.“

-Wem Ihrer Gegenkandidaten im Landkreis Freising würden Sie gerne mal Ihre Meinung sagen?

Allen Kandidatinnen und Kandidaten der demokratischen Parteien.

-Und wie lautet die Botschaft?

Lesen Sie wieder mal die Bayerische Verfassung, zum Beispiel Art. 151: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesondere der Gewährung eines menschenwürdigen Daseins und der allmählichen Erhöhung der Lebenshaltung aller Volksschichten.“

-Die Linke hat in viele Landesparlamente Einzug gehalten. Wieso ist es in Bayern für die Linke so schwer, in den Landtag zu kommen?

Gegenfrage: Kurt Eisner hat vor 100 Jahren den Krieg beendet, den Freistaat Bayern ausgerufen und den Acht-Stunden-Tag sowie das Frauenwahlrecht eingeführt. Warum verlor er die anschließende Landtagswahl?

-Wenn Sie das Landtagsmandat erhalten, dann…?

… nehme ich die Wahl an.

In aller Kürze:

Alter: 50

Wohnort: Freising

Familie: ledig und ohne Partnerin

Da bin ich aufgewachsen: Haag und Freising

Das ist mein Leibgericht: Da gibt es vieles – im Herbst die selbst gesammelten Schwammerl

Dieser Film liegt mir am Herzen: die Filme von Ken Loach

Diesem Verein drücke ich die Daumen: no sports

Ich lese gerade: Johann Pezzl: Reise durch den Baierischen Kreis (geschieben 1784). Reisebericht eines Aufklärers im katholischen Bayern

Das ist mein politisches Vorbild: Hans Unterleitner, Mitbegründer des Freistaats Bayern, engagierter Kriegsgegner und erster bayerischer Sozialminister

Deshalb bin ich Politiker geworden: Die Einsicht: Wer etwas verändern will, muss es selber tun.

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