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Auf dem Lehrberg fühlt er sich wohl: Felix Bergauer von der ÖDP möchte etwas daran ändern, dass sozial benachteiligte Menschen gerade in Deutschland oft eine mangelhafte Bildungskarriere hinlegen.

Landtagswahl in Bayern

Kostenloser MVV, 1000 Euro Erziehungsgehalt für Eltern: Freisings ÖDP-Kandidat Felix Bergauer macht große Ansagen

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    Andreas Beschorner
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Sein Ziel ist das Maximilianeum: Für Felix Bergauer (ÖDP) hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät er, wie er die Misere der Kinderbetreuung beenden will, warum man beim Bauen die Kirche im Dorf lassen muss, und auf welche ÖDP-Projekte er besonders stolz ist.

-In wenigen Wochen ist Landtagswahl. Wie fühlen Sie sich?

Ich fühle mich sehr gut und bin bereit für den Endspurt im Wahlkampf. Ich glaube, dass ein starker Wille in der Bevölkerung da ist zur Veränderung der politischen Landschaft in Bayern. Und natürlich hoffe ich, dass die ÖDP davon profitiert.

-In Freising gibt es die eine große Gretchenfrage, und die lautet: Wie halten Sie es mit der dritten Startbahn?

Es war immer die Position der ÖDP, dass es die dritte Startbahn nicht braucht – trotz der leicht gestiegenen Anzahl an Passagieren und Flugbewegungen. Die neue ICE-Strecke von München nach Berlin wird für viele Reisende eine sehr gute Alternative sein, sowohl preislich als auch zeitlich. Man wird sehen, wie sich dieses Angebot auf die derzeit am häufigsten frequentierte Route des Flughafens auswirkt. Noch wichtiger ist jedoch, dass die sich bereits deutlich abzeichnende Erdüberhitzung eine konsequente Reduzierung der CO2-Emissionen erfordert.

„Die ÖDP fordert Erziehungsgehalt für die Betreuung von Kindern“

-Freising ächzt unter der Verkehrsbelastung. Derzeit werden mit der Westtangente und der Nordostumfahrung zwei Straßen gebaut, die den Verkehr aus der Stadt heraushalten sollen. Ist es damit getan, oder braucht es weitere Lösungen?

Es wird sicherlich weitere Lösungen brauchen, speziell, wenn der LapCampus am Flughafen den Betrieb aufnimmt. Die ÖDP setzt sich seit vielen Jahren für bessere Verbindungen im ÖPNV ein. Ein Beispiel ist die bereits seit Dezember 2017 im Betrieb befindliche zusätzliche Linie 692 zwischen Neufahrn und Hallbergmoos, die eine schnelle Anbindung des Nova-Gewerbeparks mit den Bahnhöfen der S 1 und der S 8 sowie des Gewerbegebiets am Römerweg mit dem dortigen Kino ermöglicht. Unser mittel- bis langfristiges Ziel ist ein deutlich günstigerer und attraktiverer ÖPNV bis hin zu der Überlegung, ihn kostenlos anzubieten. Gleichzeitig sollte der motorisierte Individualverkehr verteuert und damit unattraktiver gemacht werden. Parallel dazu bietet die ÖDP Konzepte zum Thema Carsharing an, die in diversen Gemeinden schon mit Erfolg umgesetzt wurden. Schließlich unterstützt die ÖDP die Umsetzung der Buslinie Freising-Garching.

-Ein Infarkt droht auch in Sachen Kinderbetreuung. Noch im Frühjahr hat es so ausgesehen, als ob etliche Kinder auf Wartelisten versauern würden. Mit Ach und Krach konnten nun alle untergebracht werden. Wie wollen Sie diese permanent schwelende Kita-Krise zu einem guten Ende führen?

Es mangelt prinzipiell nicht an den zur Verfügung stehenden Plätzen, sondern schlicht am Personal. Der Grund liegt in erster Linie am Gehalt. Dabei hat sich einiges getan, mittlerweile liegt der Durchschnitt bei 2300 bis 2900 Euro brutto im Monat, allerdings ist es auch ein anstrengender Job. Dazu kommt, dass man mindestens die Mittlere Reife benötigt und dann fünf Jahre Ausbildung vor sich hat. Was wenige wissen: Einem Erzieher steht mit einer Ergänzungsprüfung in Englisch und durchgehendem Matheunterricht bei sehr gutem Abschluss auch ein fachgebundenes Hochschulstudium offen. Hier möchten wir ansetzen und die Ausbildung noch attraktiver machen. Des Weiteren fordert die ÖDP ein Erziehungsgehalt für die Betreuung von Kindern bis zu drei Jahren in Höhe von monatlich 1000 Euro. So entsteht für die Eltern echte Wahlfreiheit: Sie können entscheiden, ob sie ihre Kinder ganz oder teilweise zu Hause betreuen möchten oder einen KiTa-Platz beziehungsweise eine Tagesmutter bezahlen, also einen Teil ihres Erziehungsgehalts abführen.

„Wir müssen vom heutigen Mindestlohn von 8,84 Euro wegkommen“

-Sorge bereitet vielen auch die Entwicklung der Mietpreise. Wie wollen Sie für Wohnraum sorgen, der für Normalsterbliche bezahlbar ist?

Zum einen muss deutlich mehr Wohnraum geschaffen werden und hier ist in der Vergangenheit definitiv zu wenig getan worden. Zum anderen müssen wir vom heutigen Mindestlohn von 8,84 Euro wegkommen und in Richtung der von Experten bereits errechneten 12,50 Euro gehen. Man könnte auch über eine Mietpreisbremse nachdenken, die jedoch vom Konzept her überarbeitet werden muss, da sie vielerorts nicht so greift wie gewünscht.

-Der Freistaat hat jüngst proklamiert, mehr in die Höhe als in die Breite zu bauen. Gesellt sich zu den Kirchtürmen im Landkreis Freising auch bald eine Skyline?

Man muss die berühmte Kirche im Dorf lassen: In unseren historisch eher kleinteilig strukturierten Ortschaften, dazu gehört auch die Stadt Freising, bedeutet „in die Höhe bauen“ ja nicht zwangsläufig, dass man damit eine neue „Skyline“ schafft. Vielmehr ist gemeint, dass man in bestimmten Wohn- und Mischgebieten bei zukünftigen Planungen ein zusätzliches Vollgeschoß ins Auge fassen kann – also drei Geschoße anstelle von heute zwei.

„Neben dem Gymnasium sollte es vielfach nur eine zweite Schulform geben“

-Welches Thema liegt Ihnen neben den bereits angesprochenen noch besonders am Herzen?

Das Thema Bildung. Die Pisa-Studien belegen, wie sehr sich die soziale Herkunft auf die Schulkarriere auswirkt. In keinem anderen vergleichbaren Staat der Welt ist diese Abhängigkeit so ausgeprägt wie in Deutschland. Die ÖDP hält die frühe Übertrittsentscheidung für falsch und fordert daher eine gemeinsame Schulzeit bis einschließlich zur sechsten Jahrgangsstufe. Immer mehr Bundesländer sprechen sich für die Zweigliedrigkeit aus und verabschieden sich vom Sorgenkind der Bildungspolitik: den Hauptschulen. Neben dem Gymnasium sollte es vielfach nur eine zweite Schulform geben, die auch zum Abitur führen kann.

-Wenn die aktuellen Umfragen eintreten, verliert die CSU bei der Wahl die absolute Mehrheit. Mit wem könnten Sie sich eine Koalition vorstellen?

Mit jeder Partei, die die demokratischen Grundsätze nicht in Frage stellt, und die sich außerdem ohne Wenn und Aber zu den Grundsätzen der Menschlichkeit bekennt.

-Wem Ihrer Gegenkandidaten im Landkreis Freising würden Sie gerne mal Ihre Meinung sagen?

Ich habe hier keine spezielle Präferenz, stehe aber für jede konstruktiv geführte Diskussion gerne zur Verfügung.

„Nicht die ÖDP hat das Rauchverbot erzwungen, sondern die Bürger“

-Ihre Partei hat das Rauchverbot in Bayerns Kneipen erzwungen. ÖDP‘ler hören das aber gar nicht mehr so gern. Auf welches Projekt ihrer Partei sind Sie dann stolz?

Zunächst darf ich korrigieren: Wir erinnern uns immer wieder gerne an dieses eminent wichtige Volksbegehren – jedes Mal, wenn wir in einem heute rauchfreien Restaurant sitzen. Aber letztlich hat nicht die ÖDP das Rauchverbot erzwungen, sondern die Bürger Bayerns haben das in einer Volkabstimmung entschieden. Dass wir als ÖDP das dafür nötige Volksbegehren initiiert haben, darauf sind die ÖDP’ler, die ich kenne, immer noch stolz. Aber da waren noch eine Reihe ganz anderer wichtiger ÖDP-Initiativen, die umgesetzt wurden. Jüngst etwa die Erfolge unserer Münchner Kollegen beim Ausstieg aus der Kohleverstromung oder das aktuell gestartete Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Ich bin absolut begeistert, wie sehr diese Initiative bei vielen auf Zustimmung trifft.

-Wenn Sie das Landtagsmandat erhalten, dann . . .?

. . . werden die Ärmel hochgekrempelt, und ich kümmere mich darum, unsere Wahlversprechen in Sachen bezahlbarer Wohnraum und ÖPNV schnellstmöglich umzusetzen.

In aller Kürze:

Alter: 49

Wohnort: Massenhausen

Familie: verheiratet, zwei Kinder

Da bin ich aufgewachsen: die ersten zehn Jahre in München-Schwabing, dann in Massenhausen

Das ist mein Leibgericht: Spaghetti Carbonara

Dieser Film liegt mir am Herzen: Der Clou wegen seiner Filmmusik (The Entertainer)

Diesem Verein drücke ich die Daumen: FC Bayern München

Ich lese gerade: Elias Vorpahl: Der Wortschatz

Das ist mein politisches Vorbild: Hans-Dietrich Genscher, weil er unglaublich redegewandt war und in seiner politischen Karriere unfassbar viel bewirkt hat

Deshalb bin ich Politiker geworden: Ich habe mich lange gesträubt, obwohl ich schon zu Schulsprecherzeiten von Jusos und Junger Union immer wieder angesprochen worden bin. Jetzt ist es aber für mich an der Zeit, etwas zu bewegen.

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