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Ein Ort der Stille und Andacht im stressigen Wahlkampf: Markus Grill schöpft für seine politischen Aufgaben Kraft an der Kirche in Oberberghausen – seinem Lieblingsort im Landkreis.

Landtagswahl in Bayern

Freisings SPD-Kandidat Markus Grill: „Ein Laptop pro Schüler muss digitaler Standard sein“

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    Andreas Beschorner
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Sein Ziel ist das Maximilianeum: Für Markus Grill (SPD) hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät er, wie er das Ehrenamt stärken möchte, warum in der Wohnungsnot auch Supermarkt-Parkplätze eine Rolle spielen könnten, und weshalb er froh ist, dass politische Macht nur auf Zeit vergeben wird.

-In wenigen Wochen ist Landtagswahl. Wie fühlen Sie sich?

Ganz hervorragend und zuversichtlich, dass noch einiges geht. Wir haben die Themen besetzt, die für Bayern wichtig sind. Ich bin Teamspieler und mir ist wichtig, dass wir den Menschen im Stimmkreis zeigen, dass wir die richtigen Antworten haben. Landes- und Kommunalpolitik sind da oft nah beieinander. Wir haben die letzten beiden Jahre in den Wahlkämpfen viele Talente neu hinzubekommen. Das zeigt mir, dass die SPD vor Ort gut aufgestellt ist. So etwas trägt in Wahlkampfzeiten.

-Die Umfragen sehen allerdings auch für die SPD nicht allzu gut aus. Haben Sie Angst, dass die SPD bald nicht mehr zweitstärkste Kraft in Bayern ist?

Der Wähler entscheidet. Ich kann nur nach bestem Wissen, mit guten Ideen und Fleiß meinen Wahlkampf gestalten. Wie gesagt: Ich werde von einem großartigen Team unterstützt. Wir werden uns am Wahlabend schon deshalb nicht vorwerfen können, dass wir nicht alles für ein gescheites Ergebnis im Kreis Freising getan haben.

Landtagskandidat Markus Grill (SPD) erklärt: „Es wäre sinnvoll, die U-Bahn mindestens bis Neufahrn zu verlängern.“

-In Freising gibt es die eine große Gretchenfrage, und die lautet: Wie halten Sie es mit der Dritten Startbahn?

Ich lehne sie komplett ab. Die SPD in Bayern, Freising und München ist unser Garant, dass sie auch nicht kommt. Dies haben wir im Landtagswahlprogramm der Bayern-SPD festgeschrieben. Dafür haben wir die letzten zehn Jahre als SPD im Kreis Freising gekämpft und parteiintern überzeugt. Die Gründe sind einfach: Eine Zunahme des Luftverkehrs ist umweltpolitisch bereits mittelfristig nicht mehr zu verantworten. Wir müssen gerade die Kurzstreckenflüge vermehrt auf die Schiene bekommen. Politik für unsere bayerische Heimat muss endlich wieder nachhaltig sein und den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

-Freising ächzt unter der Verkehrsbelastung. Derzeit werden mit der Westtangente und der Nordostumfahrung zwei Straßen gebaut, die den Verkehr aus der Stadt heraushalten sollen. Ist es damit getan oder braucht es weitere Lösungen?

Ein Großteil der Lösungen liegt bei einer Optimierung von Bus und Bahn. Ein ganz wichtiger Schritt wäre es, dass die MVV-Reform mit ihren horrenden Belastungen für Teile des Mittleren und nordöstlichen Landkreises in ihrer derzeitigen Form auch tatsächlich kippt. Zudem sind bessere Querverbindungen der Buslinien in die Nachbarlandkreise und zu den U- und S-Bahn-Bahnhöfen Garching und Petershausen das A und O. Ein weiteres wäre es, die Münchner U-Bahn in den Norden bis mindestens nach Neufahrn zu verlängern.

Landtagskandidat Markus Grill (SPD): „Wir streben kostenfreie Kitas an, aber nicht auf Kosten der Erzieher“

-Ein Infarkt droht auch in Sachen Kinderbetreuung. Noch im Frühjahr hat es so ausgesehen, als ob etliche Kinder auf Wartelisten versauern würden. Mit Ach und Krach konnten nun alle untergebracht werden. Wie wollen Sie diese permanent schwelende Kita-Krise zu einem guten Ende führen?

Wir brauchen mehr Erzieherinnen und Erzieher. Um diese zu bekommen, müssen auch die Kreisstadt Freising und alle Landkreis-Gemeinden, die dies noch nicht haben, endlich eine Ballungsraumzulage einführen. Diese braucht es übrigens auch für alle kommunalen Fachkräfte bis hinein in die mittleren Lohngruppen. Ein weiterer Ansatz wäre der Bau von Werkswohnungen der größeren Gemeinden für öffentlich Bedienstete. Langfristig streben wir als Bayern-SPD kostenfreie Kitas an. Dies wird aber nicht auf Kosten der Erzieherinnen und Erzieher geschehen.

-Sorge bereitet den Menschen auch die Entwicklung der Mietpreise. Wie wollen Sie für Wohnraum sorgen, der für Normalsterbliche auch bezahlbar ist?

Die CSU hat 32 000 Wohnungen ohne Not an private Finanzinvestoren verschleudert. Wir werden uns in einer Regierung mit SPD-Beteiligung dafür stark machen, dass es eine neue Wohnungsbaugesellschaft geben wird mit 25 000 staatlich geförderten Wohnungen. Daneben sind von uns umfangreiche kommunale Förderprogramme in Planung, die es Gemeinden, Genossenschaften und Privatleuten ermöglichen sollen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Eines meiner Steckenpferde ist ein qualifizierter Mietspiegel. Der macht verstärkt Sinn, wenn wir nun bald eine Mietpreisbremse bekommen, die rechtlich mit Sanktionen bewehrt ist, falls dagegen verstoßen wird. An dieser rechtlich besser ausgestatteten Mietpreisbremse arbeiten wir derzeit bundes- wie landespolitisch.

Landtagskandidat Markus Grill (SPD): „Ich möchte das Ehrenamt stärken - auch mit einem Bildungsurlaubs.“

-Der Freistaat hat jüngst proklamiert, mehr in die Höhe als in die Breite zu bauen. Gesellt sich zu den Kirchtürmen im Landkreis Freising auch bald eine Skyline?

Ich rechne nicht damit, dass sich das Ortsbild im Kreis Freising allzu sehr verändern wird. Was sich aber schon ändern muss, ist eine verstärkte Nachverdichtung in der Kreisstadt Freising und ihren Ortsteilen und weitere Ausweisung von Bauflächen in allen Kommunen. Modelle, wie zum Beispiel die Überbauung von Supermarktparkplätzen sind nur eine Idee, wie Wohnflächen ohne weitere Versiegelung der Böden geschaffen werden können. Geschosswohnungsbau ist auch bereits mit drei oder vier Obergeschossen möglich. Da braucht es keine Hochhäuser.

-Welches Thema liegt Ihnen neben den bereits angesprochenen noch besonders am Herzen?

Eine deutliche Stärkung des Ehrenamtes ist mir besonders wichtig. Ein Beispiel dafür, wie konkret etwas verbessert werden kann, ist die Einführung eines Bildungsurlaubs von mindestens 5 Kalendertagen im Jahr. Dieser darf nicht nur alleine für berufliche Fortbildung nutzbar sein. Auch ehrenamtlich tätige in Jugendarbeit und Sportvereinen müssen diesen für Fortbi dungen nutzen können. Ein weiterer Schwerpunkt ist für mich die Digitalisierung. Neben dem dringenden Breitbandausbau in den ländlichen Regionen sind die Schulen und Hochschulen in Bayern ausreichend mit aktueller digitaler Technik auszustatten: ein Laptop pro Schüler!

Landtagskandidat Markus Grill (SPD) findet: „Es ist wichtig, dass die CSU deutlich die absolute Mehrheit verliert.“

-Wenn die aktuellen Umfragen eintreten, verliert die CSU bei der Wahl die absolute Mehrheit. Mit wem könnten Sie sich eine Koalition vorstellen?

Es ist wichtig, dass die CSU deutlich die absolute Mehrheit verliert. In einer Demokratie ist es schlicht nicht gesund, wenn eine Partei 60 oder 70 Jahre komplett am Stück die Regierung stellt. Momentan haben wir Wahlkampf und müssen erst um eine möglichst starke Position für unsere eigenen Ideen kämpfen.

-Welchem Ihrer Gegenkandidaten im Landkreis Freising würden Sie gerne mal Ihre Meinung sagen?

Allen. Aber im Ernst. Persönliche Eindrücke und Dinge über die ich mich da ärgere, kläre ich normal unter vier Augen. Und wer von Ihren Lesern die wichtigen politischen Unterschiede wissen mag, kann zu einer der beiden noch ausstehenden Diskussionen vom ADFC oder Kreisjugendring kommen.

-Wenn Sie das Landtagsmandat erhalten, dann . . .?

. . . freue ich mich. Und arbeite fünf Jahre lang wie es sich gehört für meinen Stimmkreis als Abgeordneter. Immer in dem Wissen, dass politische Macht nur auf Zeit vergeben wird. Nur so bleibt man wirklich frei und ohne Abhängigkeit in seinen Gewissensentscheidungen. Die Region hat dann eine nicht nur körperlich gewichtige Stimme mehr – gegen die dritte Startbahn und für einen lebenswerten Landkreis Freising

In aller Kürze:

Alter: 46

Wohnort: Freising, Ortsteil Itzling

Familie: verheiratet, keine Kinder

Da bin ich aufgewachsen: als Landkind und Arbeiterkind in Langerringen (im südlichen Landkreis Augsburg)

Das ist mein Leibgericht: bayerische Schinkennudeln mit Käse und Lauchzwiebeln

Dieser Film liegt mir am Herzen: The Green Mile, natürlich die Eberhofer-Krimireihe (Kult!) Das Leben des Brian und viele mehr

Diesem Verein drücke ich die Daumen: Ich bin treuer Fan vom FC Augsburg, aber auch die 60er haben schon lange meine Sympathie.

Ich lese gerade: Jonas Jonasson: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“

Das ist mein politisches Vorbild: Helmut Schmidt aus Respekt vor seinem Lebenswerk und Hans-Jochen Vogel - ich bin ein ebensolcher Klarsichthüllen-Aktenfresser, der sich in politische Details reinfuchst

Deshalb bin ich Politiker geworden: Die Geschichte der SPD und ihre Bedeutung für die Demokratie in unserem Land haben mich schon mit 16 fasziniert. Ich gebe die Hoffnung auch nicht auf, durch mein Engagement ein wenig zur Verbesserung unserer Gesellschaft beizutragen. Oder kürzer: Irgendwer muss sich ja kümmern. Demokratie lebt davon, dass wir mitmachen.“

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