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Sie will gewinnen: Katharina Capric, Landtagskandidatin für Mut, vermittelt auf dem Sportgelände des SC Freising politische Aufbruchstimmung.

Landtagswahl in Bayern

Freisings Mut-Kandidatin Katharina Capric: „Wir sehen unsere Aufgabe in der Opposition“

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    Andreas Beschorner
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Ihr Ziel ist das Maximilianeum: Für Katharina Capric (Mut) hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät sie, warum sie bei einer Lösung der Verkehrsüberlastung nicht auf Umfahrungen setzt, weshalb sie lieber in der Opposition als in der Regierung landen würde, und welches Gebäude in Freising ihr ein besonderer Dorn im Auge ist.

Ihr Ziel ist das Maximilianeum: Für Katharina Capric (Mut) hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät sie, warum sie bei einer Lösung der Verkehrsüberlastung nicht auf Umfahrungen setzt, weshalb sie lieber in der Opposition als in der Regierung landen würde, und welches Gebäude in Freising ihr ein besonderer Dorn im Auge ist.

-In wenigen Wochen ist Landtagswahl. Wie fühlen Sie sich?

Ich bin hochmotiviert und freue mich auf alles, was da nun kommt.

-In Freising gibt es die eine große Gretchenfrage, und die lautet: Wie halten Sie es mit der Dritten Startbahn?

Ganz einfach: Wir wollen keine Dritte Startbahn, wir brauchen keine Dritte Startbahn, und vor allem kann der Landkreis Freising die Dritte Startbahn auf keinen Fall mehr verkraften.

„Freising wird seine Verkehrsprobleme nicht mit Umgehungsstraßen lösen.“

-Freising ächzt unter der Verkehrsbelastung. Derzeit werden mit der Westtangente und der Nordostumfahrung zwei Straßen gebaut, die den Verkehr aus der Stadt heraushalten sollen. Ist es damit getan oder braucht es weitere Lösungen?

Von der Westtangente erwarte ich mir keine sonderliche Verkehrsentlastung. Vor allem an den Schlüteralleen ist der Verkehrskollaps vorprogrammiert, und die Vöttinger werden enorm darunter leiden müssen. Die Nordostumfahrung kann sicher zu einem Teil dazu beitragen, den überregionalen Fernverkehr aus der Stadt herauszuhalten. Allerdings müssen wir uns schlichtweg eingestehen, dass Freising das Verkehrsproblem nicht mit Umgehungsstraßen lösen wird. Wir müssen dafür sorgen, den motorisierten Verkehr zu reduzieren. Dazu muss der Landkreis massiv in eine Verbesserung des ÖPVN investieren, und das ganze zu bezahlbaren Tarifen, und endlich ein flächendeckendes Radwegenetz installieren.

„Wir sollten auch alternativen Bauweisen eine reelle Chance einräumen“

-Ein Infarkt droht auch in Sachen Kinderbetreuung. Noch im Frühjahr hat es so ausgesehen, als ob etliche Kinder auf Wartelisten versauern würden. Mit Ach und Krach konnten nun alle untergebracht werden. Wie wollen Sie diese permanent schwelende Kita-Krise zu einem guten Ende führen?

Die Kita-Krise spiegelt, genau wie der Pflegenotstand, ein großes gesellschaftliches Problem unserer Zeit wider: den Fachkräftemangel. Verglichen mit der Verantwortung, die dieser Beruf mit sich bringt, sind die Verdienstmöglichkeiten eher gering und die Karrierechancen erst recht. Außerdem schreckt die Ausbildungsdauer von fünf Jahren viele ab. In Ballungsräumen, wie eben bei uns in Freising, ist es zudem nahezu unmöglich, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Hier muss der Freistaat endlich nachbessern: die Bezahlung während der Ausbildung wie auch die Verdienst- und Karrieremöglichkeiten müssen enorm verbessert werden, Quereinsteigern sollte der Einstieg in der Beruf erleichtert werden, und Personalwohnungen müssen ausreichend zur Verfügung gestellt werden.

-Sorge bereitet den Menschen auch die Entwicklung der Mietpreise. Wie wollen Sie für Wohnraum sorgen, der für Normalsterbliche auch bezahlbar ist?

Zum einen braucht es ein effektives Leerstandsmanagement. Zum anderen müssen wir an geeigneten Stellen nachverdichten und sollten auch alternativen Bauweisen, wie zum Beispiel Holzständerbauweisen, eine reelle Chance einräumen. Ganz wichtig ist mir persönlich aber auch, Anreize für Vermieter zu schaffen, ihren Wohnraum zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel durch steuerliche Vorteile. Außerdem müssen in den aktuellen Mietspiegel nicht nur die Preise der Neuvermietungen, sondern vor allem die Bestandsmieten miteinberechnet werden. So würden wir auch in Freising wieder bei realistischen Mieten landen können.

„Ich hoffe, dass man aus dem gestalterischen Desaster des Kinos lernt.“

-Der Freistaat hat jüngst proklamiert, mehr in die Höhe als in die Breite zu bauen. Gesellt sich zu den Kirchtürmen im Landkreis Freising auch bald eine Skyline?

Eigentlich ist das Thema Ortsbild-Entwicklung bei den kommunalen Gremien wie auch der Unteren und Oberen Denkmalschutzbehörde gut aufgehoben. Daher sollten die Änderungen an der Freisinger Ansicht nur minimal bemerkbar sein, da sich auch an „unauffälligen Stellen“ wirksam in die Höhe bauen lässt. Allerdings bereiten mir Entscheidungen, wie die Positionierung des neuen Freisinger Kinos, durchaus Sorgen. Ich hoffe aber, dass man aus diesem gestalterischen Desaster lernt und solche Fehler in Zukunft vermeidet.

-Welches Thema liegt Ihnen neben den bereits angesprochenen noch besonders am Herzen?

Eine menschliche und vor allem sinnvolle Asylpolitik, die nicht nur auf Abschottung und ohne Rücksicht auf Verluste auf Stimmenfang am rechten Rand setzt.

-Wenn die aktuellen Umfragen eintreten, verliert die CSU bei der Wahl die absolute Mehrheit. Mit wem könnten Sie sich eine Koalition vorstellen?

Für eine regierungsfähige Koalition werden sich vermutlich mehrere Parteien zusammenschließen müssen. Wir sehen unsere Aufgabe aber eher in der Oppositionsarbeit. Eine starke Opposition jenseits der CSU ist möglich, das sollten wir uns alle klar machen.

„Es gibt keine bessere Zeit, eine neue Partei zu gründen.“

-Sie treten für eine neue Partei an. Haben Sie überhaupt eine Chance, frischen Wind in die bayerische Politik zu bringen – oder wird es ein laues Lüftchen?

Wir sind davon überzeugt, frischen Wind in die bayerische Politik zu bringen, sonst wäre die Partei nicht gegründet worden. Selbst Politik- und Sozialwissenschaftler prognostizieren, dass es keine bessere Zeit gibt, eine neue Partei zu gründen. Eine Partei, die anerkennt, dass unsere Gesellschaft zwar aus dem Lot geraten ist, aber dass Abschottung und Ausgrenzung nicht die Antwort auf diese neuen Herausforderungen sein kann.

-Wem Ihrer Gegenkandidaten im Landkreis Freising würden Sie gerne mal Ihre Meinung sagen?

Das würde ich gerne miteinander statt übereinander klären. Mut steht für einen anderen Politikstil.

-Wenn Sie das Landtagsmandat erhalten, dann . . .

. . . geht die Arbeit erst richtig los.

In aller Kürze:

Alter: 35

Wohnort: Freising

Familie: verheiratet

Da bin ich aufgewachsen: Freising

Das ist mein Leibgericht: Pizza

Dieser Film liegt mir am Herzen: Rocky Horror Picture Show

Diesem Verein drücke ich die Daumen: dem SC Freising und dem TSV 1860 München

Ich lese gerade: Don Winslow: Die Sprache des Feueres

Das ist mein politisches Vorbild: Claudia Stamm, weil sie jeden Tag aufs Neue Rückgrat beweist und für ihre Meinung bedingungslos eintritt.

Deshalb bin ich Politiker geworden: Weil ich in unserer Gesellschaft etwas zum Positiven verändern will und den vielen Ehrenamtlichen eine Stimme geben möchte

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