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Landwirt und Metzgermeister: Sebastian Weber aus Leonhardsbuch vermarktet seine Schweine direkt und führt einen eigenen Hofladen. Als Vorsichtsmaßnahme bleiben die Ställe auf seinem Hof derzeit verschlossen. 

Schweinepest

Landwirte im Landkreis Freising in Alarmbereitschaft: Schweinezüchter sperren die Ställe zu

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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„Jetzt ist absolute Vorsicht geboten.“ Gerhard Stock ist in Alarmbereitschaft. Nachdem in Brandenburg nun erstmals in Deutschland ein Wildschwein gefunden wurde, das mit dem Erreger der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziert war, warnt der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV): „Wenn wir nicht aufpassen, kann diese Krankheit den Strukturwandel weiter verschärfen.“

Landkreis–  Schon jetzt gibt es im Landkreis Freising nur noch relativ wenige Schweinemastbetriebe. Gerade mal 90 Höfe ziehen insgesamt etwa 20 000 Mastschweine. Zum Vergleich: In Erding gibt es noch etwa 150 Betriebe, in denen rund 68 000 Tiere gehalten werden.

Sie alle leiden schon jetzt unter diesem einen ASP-Fall. Denn weil Deutschland zum Seuchengebiet erklärt wurde, ist der Export nach Asien eingebrochen. Die Philippinen, Südkorea, Japan – sie alle haben die Einfuhr von Schweinefleisch aus Deutschland bereits verboten. Am schlimmsten für die Landwirte aber ist es, dass auch China seit dem Wochenende einen Import-Stop für deutsches Schweinefleisch verhängt hat. „Das trifft uns hart, weil China ein großer Markt für Ohren und Pfoten ist.“ Die Preise geraten nun unter massiven Druck.

Noch schlimmer aber könnte es für die Bauern kommen, wenn ASP tatsächlich von einem Wildschwein auf ein Hausschwein übertragen würde. Nicht nur, dass die Krankheit, die für Menschen völlig ungefährlich ist, bei Schweinen mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich endet – der gesamte Bestand müsste gekeult werden, wie Stock betont. „Außerdem müssen dann Sperrzonen errichtet werden. Das bedeutet einen Riesenaufwand für die Betriebe.“

BBV-Chef rät, möglichst auf Freilandhaltung zu verzichten

Damit es nicht soweit kommt, rät Stock den Landwirten, möglicht auf Freilandhaltung zu verzichten. „Wenn doch jemand seinen Schweinen Auslauf bieten möchte, dann mit doppelten Zaun als Schutz.“ Denn einen Impfstoff gegen ASP gibt es nicht. Daher sollen auch möglichst wenige Personen die Ställe betreten und dabei penibel auf Desinfektion achten. „Gerade bei Saisonarbeitskräften sollten die Schweinehalter verdammt aufpassen“, betont Gerhard Stock. „Es besteht kein Grund zur Hysterie. Aber gerade Corona hat gezeigt, wie schnell sich etwas verbreitet, wenn man nicht doppelt und dreifach aufpasst.“

Unterstützung erhalten die Landwirte von der Metzger-Innung Dachau-Freising. „Im Gegensatz zu anderen Marktteilnehmern zahlen wir unseren Bauern weiterhin faire Preise für Schweinefleisch“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Die bayerischen Handwerksmeister beteiligen sich nicht an der Preisspirale nach unten.“

Sinkender Export und fallende Marktpreise tangieren Sebastian Weber, Landwirt und Metzgermeister aus Leonhardsbuch. Seine Familie setzt seit vielen Jahren auf Direktvermarktung und führt einen eigenen Hofladen. „Das zahlt sich jetzt aus“, sagt er. Die Schweine aus der eigenen Mast werden komplett im heimischen Betrieb verwertet. „Zugute kommt uns, dass wir seit den 60er Jahren Erfahrung mit ASP haben und wissen, dass die Ansteckungsgefahr für Menschen gleich null ist.“

Als Vorsichtsmaßnahme für seine Schweine bleiben die Ställe auf dem Hof derzeit verschlossen. „Normalerweise dürfen unsere Kunden schon einen Blick in die Ställe werfen, damit sie sehen, dass es unseren Schweinen gut geht“, sagt Weber. „Das geht derzeit leider nicht, aber das verstehen sie meisten.“

Sorgen macht sich Weber um die Züchter. Aufgrund des wegbrechenden Exports würden viele Bauern derzeit nicht aufmästen. „Es besteht die große Gefahr, dass die Züchter auf ihren Ferkeln sitzen bleiben.“

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