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Abschiedsvorstellung: Günther Lehrmann (stehend) hatte die Ehre, die vorer st letzte Veranstaltung im Asamfoyer bestreiten zu dürfen.

Das Leben des Joseph Caspar

Starker Abt zwischen Barock und Aufklärung

Joseph Caspar war der vorletzte Abt im Kloster Neustift. Ein Vortrag über ihn war am Montag die letzte Veranstaltung im Asamfoyer. Günther Lehrmann, hatte die Ehre, die Abschiedsvorstellung geben zu dürfen.

Freising – Schon einige Jahrzehnte, bevor nach der Säkularisation 1803 in das Prämonstratenser-Kloster in Neustift Soldaten einzogen, soll Joseph Caspar dies vorhergesehen haben: „Das ist eine prächtige Kaserne“ wird er zitiert. Ob das so stimmt, weiß man nicht. Caspar war aber auf jeden Fall kein Prophet, sondern von 1775 bis 1794 der vorletzte Abt in Neustift. Ein Mann zwischen ausgehendem Barock – pflichtbewusst, arbeitsam, selbstbewusst und repräsentationsfreudig – und der heraufdämmernden Aufklärung – weltoffen, wohltätig, der Lehre und Wahrheit verpflichtet. Eine faszinierende Persönlichkeit also, der der Vorsitzende des Historischen Vereins Freising, Günther Lehrmann, am Montag einen ebenso lehrreichen wie gelehrten Vortrag widmete.

Johann Andreas Caspar, so der Taufname des späteren Abtes in Neustift, wurde 1739 in Geiselhöring geboren, absolvierte seine gymnasiale Ausbildung in Regensburg und kam dann ans Lyceum nach Freising – also genau in das Gebäude, in dem Lehrmann seinen Vortrag über Caspar hielt. Es folgte das Theologiestudium in Freising, 1756 legte Caspar seine Profess im Prämonstratenserkloster ab, nahm den Ordensnamen Joseph an, wurde 1760 im Dom zum Priester geweiht, stieg allmählich in der Hierarchie auf und wurde im Mai 1775 zum 41. Abt des Klosters Neustift gewählt.

Abt Joseph Caspar hat, und das legte Lehrmann detailliert und gewissenhaft dar, sogleich eine umfangreiche Bautätigkeit entwickelt: Man spüre den „Feuereifer“, so Lehrmann, den Abt Joseph zum Beispiel beim Neubau der Kirche in Allershausen, dem „Dom im Ampertal“, an den Tag gelegt habe. Er habe auch gleich einmal den dortigen Patron von Martin zu Josef geändert. Und auch im Deckenfresko sei der Abt verewigt. Noch heute werde Joseph Caspar in der Ampertalgemeinde eine besondere „Erinnerungskultur“ zuteil, berichtete Lehrmann beispielsweise mit dem Hinweis auf eine nach dem Abt benannten Straße. Abt Joseph Caspar habe zudem die Schulhäuser in Allershausen und Kirchdorf errichtet. Caspar sei auch ein „guter Haushalter“ gewesen. Beweis: Der Kirchenneubau zu Allershausen sei billiger gewesen als veranschlagt. „Das soll ihm heute mal einer nachmachen“, scherzte Lehrmann.

Am 14. Mai 1794 starb Abt Joseph Caspar in München an Wundbrand, wurde dann nach Neustift überführt. Seine sterblichen Überreste liegen heute in der Kirche St. Peter und Paul.

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