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Berührende Worte: Dieter Wittmann (l.) und Ernst Fischer lasen „Vater und Sohn über den Krieg“. 

„Literarischer Herbst“ im Furtnerbräu

Lesung der Friedensgruppe Pax Christi: Starke Texte für ein missbrauchtes Wort

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In Zeiten, in denen der politische Ton rauer wird, scheint es an der Zeit, das Thema Frieden wieder mehr ins Bewusstsein zu holen. Die Friedensgruppe Pax Christi Freising hat das beim „Literarischen Herbst“ auf kunstvolle Weise getan.

Freising – In Zeiten, in denen der politische Ton rauer und der Ruf nach Grenzen lauter wird, scheint es an der Zeit, das Thema Frieden wieder mehr ins Bewusstsein zu holen. Die Friedensgruppe Pax Christi Freising hat das auf kunstvolle Weise getan und im Rahmen des „Literarischen Herbst“ zu einer Lesung in den Furtnerbräu geladen. Vielleicht, weil es für jüngere Menschen selbstverständlich ist, in Frieden zu leben oder vielleicht, weil sie sich nicht vorstellen können, dass es auch in Deutschland einmal anders war und wieder sein könnte – warum kaum junge Leute zu der Lesung gekommen waren, konnten sich die Gäste nicht erklären. Dabei war der Abend mit Texten, Gedichten und Lieder nicht nur eine Möglichkeit, Haltung zu zeigen, sondern auch ein literarischer Genuss.

Mit dem Titel „Frieden, das geschundene Wort“ war die Veranstaltung überschrieben. Ernst Fischer von Pax Christi erklärte den Hintergrund: Da würden Armeen geschickt, um Frieden zu stiften, Kriege geführt im Namen des Friedens und Grenzen aufgezogen um des Friedens Willen. „Das Wort ist ausgelutscht, sinnentleert – nur um ein bisschen Frieden wie buntes Konfetti in die Gesellschaft zu werfen“, sagte Fischer. „Das Wort ist missbraucht und geschunden.“ Deshalb sah die Freisinger Gruppe die Notwendigkeit, einen Impuls zu setzen und zum Nachdenken anzuregen. Es war ein stiller Abend, das Publikum lauschte den sorgsam ausgewählten Texten aus verschiedenen Jahrhunderten. Da reihte sich Thomas Manns letzte Radiosendung nach Deutschland an Kurt Tucholskys „Die Dänen“, Georg Heym mit seinem eindrucksvoll düsteren „Der Krieg!“ von 1911 an die Fortführung des Werks von Konstatin Wecker im Jahr 2006 mit demselben Titel. Texte aus dem Alten Testament hatten ebenso Platz wie das „Kriegslied“ von Matthias Claudius (1755) und ein Ausschnitt aus Bert Brechts „An die Nachgeborenen“.

Beklemmung war zu spüren, als der „Letzte Brief aus Stalingrad“ von einem jungen Mann an seinen Vater gelesen wurde. Da waren es nicht mehr nur kunstvolle Worte von Poeten, sondern Worte von Betroffenen. Das berührte, das machte betroffen. Gut, dass gleich danach als Gegensatz Karl Valentin zu Wort kam und zeigte, wie viel Ernst eine Portion Humor mitbringen kann.

Dazwischen lockerte Hermann Wimmer an der Gitarre mit Liedern wie „Blowing in the wind“ und „We shall overcome“ die Lesung auf. Am Ende gab Dieter Wittmann dem Publikum mit den Worten des Dichters Hans Dieter Hüsch die wichtigste Botschaft des Abends mit auf den Weg: „Ich setzte auf die Liebe – Schluss!“  cb

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