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Die Arche und ihr „Noah“: Der zahlreich ausgezeichnete Künstler Via Lewandowsky wurde 1963 in Dresden geboren. Noch zu DDR-Zeiten veranstaltete er subversive Performances mit der Avantgardegruppe „Autoperforationsartisten“. Kurz vor der Wende zog er nach West-Berlin. Dort lebt er nach längeren Aufenthalten in New York, Rom, Peking und Kanada auch jetzt noch.

Neue Ausstellung

Künstler Lewandowsky verwandelt Schafhof in Arche

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Der Schafhof hat ihn so beeindruckt, dass er für die Räume dort ein eigenes Kunstwerk erschaffen hat. Fast ein Jahr lang hat Via Lewandowsky an der Installation gearbeitet. Ab Freitag, 20. Oktober, ist das Sound- und Lichtspektakel zu sehen.

Freising – Schon bei seinem ersten Besuch im Schafhof war Via Lewandowsky schwer beeindruckt. „Die Räume hier haben eine unglaublich starke Präsenz. Das fand ich unheimlich toll.“ Das war im Dezember 2016. Da schon war ihm klar, keine bereits bestehende Installation nach Freising zu bringen, sondern vor allem für das Tonnengewölbe etwas ganz Neues zu konzipieren – und dabei vorwiegend auf Materialien zurückzugreifen, die hier, im Europäischen Künstlerhaus, zur Verfügung stehen. Nach mehreren verworfenen Ideen stand das Konzept: Eine Arche sollte es werden. Schöne Idee natürlich: Das Gebäude, in dem einst Schafe gestanden haben, wird nun zum Rettungsboot vieler Tiere. Seitdem hat der Wahl-Berliner immer wieder vor Ort an seinem Werk „Murmeln in Sektor Null“ gearbeitet, berichtet er. „Seit Montag rund um die Uhr.“ Auch am Donnerstag tüftelte er noch – kaum 24 Stunden vor Beginn der Vernissage.

Auch wenn der Künstler vermutlich, wie an den Vortagen, noch bis in die Nacht hinein an Stellschrauben gedreht hat – schon am Donnerstagnachmittag war zu sehen, was die Zuschauer erwartet: im Erdgeschoss eine Installation aus 32 Megaphone, die räuspern, und im Tonnengewölbe das Herzstück: das zu einem Truppentransporter umgewandelte Tonnengewölbe: die Arche. Wer erst mal in dem Bauch des biblischen Schiffs verschwindet, mag so schnell nicht mehr heraus. Fesselnd ist nicht nur die Lichtinstallation, sondern auch der gewaltige Sound: ein Kompendium an Geräuschen und Stimmen, Wabern und Flüstern – mal aufbrausend, mal abschwellend, alles, technisch verfremdet aus dem Mund des Künstlers.

Der sagt zwar, es gehe ihm nicht darum, eine Hollywood-Variante der Arche Noah zu liefern. „Ich bin nicht die Universal-Studios. Es soll eher so sein, als ob jemand die Geschichte daheim nachspielt – etwa in der Badewanne.“ Aber das ist selbstverständlich auch Understatement. Denn Lewandowsky, der auch schon von Regisseur Leander Haußmann für die Gestaltung von Kulissen engagiert wurde, hat großen Aufwand betrieben. Für Statistikfans: In die Installation verwoben sind 350 Stühle, 78 Lautsprecher, 10 Acht-Kanal-Verstärker, 10 Wav-Player und 2 Subwoofer.

Eike Berg, Leiter des Europäischen Künstlerhauses, ist begeistert. Er liebe es, wenn sich die Räume von Ausstellung zu Ausstellung verwandeln, wenn immer wieder eine neue Welt entstünde. „Jetzt ist das herausgekommen, was ich mir gewünscht habe – ein Werk, über das man staunen, in das man eintauchen, und von dem man immer noch mehr aufnehmen kann.“ Auch Kurator Björn Vedder ist voll des Lobes. „Via hat sich nicht nur viel Mühe gemacht, er hat auch ein großes Risiko auf sich genommen mit dem Konzept. Schließlich hätte es auch schief gehen können.“

Das hätte allerdings seine ganz eigene Ironie gehabt. Denn das Lieblingsthema, das sich durch die Arbeiten von Lewandowsky zieht, ist das Scheitern: „Das Versagen des Menschen, das Ins-Verderben-Rennen fasziniert mich“, verrät er. „Das Leben ist ja ein Scheitern auf Abruf. Keiner kommt hier lebend raus.“ Der Künstler findet dafür fast immer eine skurril-humorvolle Perspektive, wie auf der menschenleeren Arche. Verarbeitet sind dort auch 100 Schraubzwingen. Ein ironischer Verweis, wie der Künstler betont: „Der Karren scheint gar nicht so gut gebaut zu sein. Da musste ganz schön nachjustiert werden.“

Gut zu wissen

Die Vernissage findet am heutigen Freitag um 19 Uhr im Schafhof statt. Zu sehen ist die Ausstellung bis 3. Dezember. Von Dienstag bis Samstag ist von 14 bis 19 Uhr geöffnet, sonntags und feiertags von 10 bis 19 Uhr.

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