„Ich nannte ihn Krawatte“ ist das Lieblingsbuch von Freisings Stadtbibliothek-Leiterin Susanne Beck hält ihr Lieblingsbuch: „Ich nannte ihn Krawatte“ in den Händen.
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„Ich nannte ihn Krawatte“ ist das Lieblingsbuch von Freisings Stadtbibliothek-Leiterin Susanne Beck.

Gerade das digitale Angebot wird stark nachgefragt

Lockdown light ist Lesezeit: Wie sich Büchereien im Landkreis Freising auf Corona eingestellt haben

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Wie haben sich Büchereien im Landkreis auf den Lockdown eingestellt? Das Zauberwort ist Digitalisierung. Lesen vor Ort ist nicht mehr möglich.

Landkreis – Eine Tasse Tee, eine kuschelige Decke und dazu ein gutes Buch: Im Herbst und Winter ist die Leselust vieler Menschen ohnehin groß – und jetzt, im Corona-Lockdown, erst recht. Dass Bücher boomen, wissen auch die Büchereien im Landkreis. Doch dort hat die Digitalisierung Einzug gehalten.

Aufgrund der Hygienevorgaben habe die Aufenthaltsqualität stark gelitten, sagt Susanne Beck. Sie leitet die Stadtbibliothek Freising, die mit knapp 90 000 Medien bestückt ist. „Seit der Wiederöffnung nach dem ersten Lockdown Mitte Mai ist keine Mediennutzung vor Ort, sondern nur der reine Ausleihbetrieb möglich.“ Die Besucherzahl habe sich etwa um die Hälfte reduziert. „Die Zahl der aktiven Leser, die analoge Medien wie Bücher, Spiele oder DVDs ausleihen, erreicht allerdings 70 Prozent des Vorjahres“, berichtet Beck. Die digitalen Ausleihzahlen ließen sich eher schwierig vergleichen, da sich das Angebot mit dem Beitritt zu einem Ausleihverbund und dem Wechsel des Portals für E-Books grundlegend geändert und vergrößert habe.

Liebesromane werden seit Jahren gut entliehen

Beliebt seien vor allem Spannungsromane, Bilderbücher und CDs für Kinder, Jugendbücher, aber auch Liebesromane. „Die werden aber seit Jahren überdurchschnittlich gut entliehen, das ist also nichts Corona-Spezifisches“, sagt Beck. Vor dem zweiten Lockdown hätten sich viele noch mit Lesestoff eingedeckt. Inzwischen habe sich der Ansturm wieder reguliert. „Die Besucherzahl ist geringer als normal, die Leute sind zurückhaltender.“

Leser oft verunsichert, ob Bibliotheken überhaupt geöffnet haben

Das bestätigt Linda Kotzer. „Einige Leser sind etwas verunsichert, rufen auch an, ob wir überhaupt geöffnet haben – ja, haben wir“, betont die Leiterin der Moosburger Stadtbibliothek. Weil ungewiss sei, wie sich die Lage entwickle, würden sich viele mit Büchern und Co. eindecken. „Gerade E-Books, E-Audios und E-Videos werden derzeit verstärkt ausgeliehen“, sagt Kotzer. Trotzdem sei auch der physische Bestand, der knapp 24 000 Artikel umfasst, nach wie vor beliebt. „Gerade für Familien bietet sich ein Buch eher an als ein Tablet. Bei Kindern geht es um die Haptik.“

Was das Angebot angeht, sei die Moosburger Bibliothek sowohl analog als auch digital „sehr breit aufgestellt“. Auffällig sei das derzeitige Leseverhalten: „Viele wollen gerade jetzt, in der Corona-Zeit, lieber lustige, aufmunternde Bücher lesen als Krimis und Thriller“, weiß Kotzer.

Das kann Petra Niedermaier nicht bestätigen. „Bei den Erwachsenen ist es leider schon jahrelang so, dass es vor Blut nur so triefen soll. Gerade Regionalkrimis sind sehr gefragt“, berichtet die Leiterin der Hallbergmooser Gemeindebücherei. Dahingehend werde zwar aufgerüstet, sie lege jedoch Wert auf ein breites Angebot. „Wir orientieren uns auch an den Listen für den Deutschen Buchpreis.“ Bei Kindern und Jugendlichen stehe Fantasy hoch im Kurs, aber ebenso Lustiges wie die „Gregs Tagebuch“-Reihe. „Und natürlich Klassiker wie Astrid Lindgren und Otfried Preußler.“

„Im Herbst und Winter wird traditionell viel ausgeliehen“, sagt Niedermair. „Es ist erfreulich, dass das trotz der Pandemie auch in diesem Jahr so ist.“ Damit es zu Hause nicht langweilig wird, haben sie und ihr Team pünktlich zu Lockdown-Beginn aufgestockt. Ob Plätzchenbacken, Basteln, Gesellschaftsspiele oder Weihnachtsgeschichten: „Es gibt genügend Beschäftigung für Eltern und Kinder.“

Online-Ausleihe seit März um 50 Prozent gestiegen

Was heuer von vergangenen Jahren unterscheidet: „Die Ausleihe der insgesamt 18 800 physischen Medien geht grundsätzlich ein bisschen zurück. Dagegen ist die Online-Ausleihe seit März um 50 Prozent gestiegen“, berichtet die Bücherei-Leiterin. Diese Onleihe sei durch Corona mehr ins Bewusstsein gerückt. Auf rund 60 000 digitale Medien können Besucher in Hallbergmoos zugreifen: Belletristik, Sachbücher, Kinder- und Jugendbücher, Tageszeitungen, Zeitschriften und Hörbücher werden angeboten. „Für die Zukunft ist auch ein Filmportal geplant.“

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