Haupteingang Klinikum Freising
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Aufgrund hoher Infektionszahlen musste das Klinikum Freising ein monatelanges Besuchsverbot verhängen. Dass das Krankenhaus nun wieder eine vorsichtige Öffnung zulässt, freut viele Angehörige und Patienten.

„Hier geht es um Schicksale“

Lockerung der anderen Art: Freisingerin freut sich, dass wieder Klinikbesuche möglich sind

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Nicht nur in Gastronomie und Handel gibt es Lockerungen der Corona-Auflagen: Auch im Klinikum Freising ist die Erleichterung groß über mehr Spielraum für Besucher.

Freising – Biergartenbesuche und andere Annehmlichkeiten sind wieder möglich – dank der stabil niedrigen Inzidenz im Landkreis Freising. Auch Gerti M. (Name von der Redaktion geändert) aus Freising findet das schön. Es gibt für sie aber Lockerungen, die ihr noch viel wichtiger sind. „Ich persönlich freue mich am meisten darüber, dass ich wieder Angehörige im Krankenhaus besuchen darf.“ Und das geht nicht nur ihr so, sondern vielen anderen auch, denen gesundheitliche Probleme in der Familie deutlich mehr Sorge bereiteten als die Realisierbarkeit des nächsten Urlaubs, wie sie betont: „Weil es hier einfach um Schicksale geht.“

Klinikum wollte Härten vermeiden

Das ist auch der Grund, warum das Klinikum Freising Anfang des Jahres die Verhängung eines Besuchsverbots so weit wie möglich herausgezögert hat. „Wir haben lange dafür gekämpft, trotz steigender Inzidenzen eine eingeschränkte Öffnung zuzulassen, weil es so wichtig ist, dass Patienten Beistand und Ablenkung erhalten“, berichtet Kliniksprecher Sascha Alexander. „Aber wir mussten halt immer von Woche zu Woche, von Tag zu Tag schauen, wie das Infektionsgeschehen im Landkreis, die Belastung und die Risiken für unsere Patienten und Mitarbeiter waren.“

Mitte Januar war dem Klinikum das Risiko dann zu groß. Das Krankenhaus erließ ein Besuchsverbot – als eines der letzten im weiten Umkreis, wie Alexander betont. „Wir haben auch nicht einfach abgesperrt und den Schlüssel weggeworfen, sondern unsere Stationsleitungen und Ärzte sollten versuchen, Härten im Einzelfall zu vermeiden.“

Harte Zeit für Patienten und Angehörige

So waren Besuche von Vätern im Kreißsaal und auf der Geburtsstation genauso jederzeit möglich wie die Begleitung Sterbender. Ausnahmen bei den Besuchsregelungen wurden auch gemacht, wenn es um schwerst kranke Patienten ging oder besondere familiäre Umstände dafürsprachen, berichtet Alexander. „Gerade auf der Intensivstation oder der Palliativstation werden alle Themen persönlich und individuell mit den Patienten und ihren Angehörigen besprochen.“

Für viele Menschen galten diese Ausnahmen aber nicht. „Als mein Mann zwölf Tage schwer herzkrank im Krankenhaus lag, und ich ihn nicht besuchen durfte – auch nicht nur für kurze Zeit – war das für uns beide schon eine harte Zeit“, erzählt Gerti M. Frische Wäsche durfte nur an der Pforte abgegeben werden. Sie sagt aber auch: „Im Klinikum Freising war das alles bestens organisiert. Und ich hatte großes Verständnis, dass man die Kranken und auch sich selbst vor einer Ansteckung schützt.“

Im Lockdown ins Koma gefallen

Dass es Kliniken gibt, die auf solche Härten weniger Rücksicht nahmen, zeigt das Beispiel einer Freundin von Gerti M.. Deren Sohn lag nach einer Gehirnblutung in einer Klinik in Regensburg im Koma. „Und weder die Mutter noch Frau und Kinder durften ihn wegen Corona besuchen“, erzählt die Freisingerin. „Als er wieder aus dem Koma erwachte, hätte er ganz dringend für seinen psychischen Zustand einen Angehörigen gebraucht. Dank des Smartphones konnte man ihm ein Video von seiner Familie machen mit Genesungswünschen, was ihm die Krankenschwester hingehalten hat, damit er es hören und sehen konnte. Und so habe ich von mehreren Mitmenschen gehört, wie es ihnen in ähnlichen Fällen ergangen ist.“

Alexander kann da mitfühlen. „Gerade für alte und schwer kranke Patienten ist es traurig, wenn sie keinen Besuch erhalten.“ Die typische Verweildauer von Patientinnen und Patienten liege bei vier bis fünf Tagen. Es gebe aber auch Fälle, die das Krankenhaus wochenlang nicht verlassen könnten.

Auch Personal freut sich über Öffnung

Umso schöner, dass es dem Klinikum dank sinkender Inzidenz vor Pfingsten möglich war, wieder zu öffnen – wenn auch mit Vorsicht. Mit Impfnachweis oder negativem Corona-Test können Angehörige Patientinnen und Patienten wieder besuchen. Alexander zieht ein erstes positives Fazit: „Viele Besucher sind dankbar und halten sich geduldig und kooperativ an die gelockerten Besuchsregelungen.“

Auch bei Gerti M. war die Freude riesig. Für die Einschränkungen hat sie Verständnis. „Das ist einleuchtend.“ Das Personal ist über die Öffnung ebenfalls erleichtert. „Unsere Pflegekräfte und Ärzte kümmern sich fürsorglich um die Patienten, soweit die hohe Arbeitslast dies ermöglicht“, sagt Alexander. „Gerade in der ersten Welle hat das unsere Pflegekräfte sehr belastet, weil sie manchmal die einzigen und letzten Personen waren, die zu den Kranken Kontakt hatten.“

Eine Biker-Ausfahrt bei traumhaftem Frühlingswetter hat am Sonntag ein jähes Ende genommen: Ein Paar stürzte im nördlichen Landkreis von seinem Motorrad und wurde verletzt, weil es offenbar von einem BMW-Fahrer übersehen wurde.

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