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Autor Ernst Keller mit den Zeitzeugen Kurt Wenger (l.) sowie Heinrich Probst und Jakob Riedl (v. r. ) bei der Vorstellung seines Buches über den 18. April 1945 in Freising.

Luftkrieg über Freising: Dem Film folgt das Buch von Ernst Keller

Schicksale statt Statistiken

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Erst das Buch, dann der Film. So ist es üblich. Im Falle der Dokumentation von Ernst Keller ist das andersherum: Da gab es erst den Film „Als der Luftkrieg in unsere Heimat kam“, jetzt gibt es das gleichnamige Buch. Ein wichtiges Werk gegen das Vergessen.

Freising – „Erinnerungen an den Bombenangriff auf Freising am 18. April 1945“ ist der Untertitel des historischen Werks, das seit ungefähr zwei Wochen auf dem Markt ist und jetzt vorgestellt wurde. Auf 210 Seiten ist es die Absicht Kellers, gegen das Vergessen anzukämpfen. Wie es zu diesem Buch gekommen ist, erklärt Keller so: Als im Jahr 2013 die Überreste eines verschollenen deutschen Jagdflugzeugs im Wald bei Fürholzen gefunden wurden, sei die Idee für eine Filmdokumentation entstanden. Die habe sich dann aber mehr um den Bombenangriff am 18. April 1945 auf Freising gedreht, bei dem 224 Menschen getötet wurden. Nach Erscheinen des Films (wir haben mehrfach berichtet) meldeten sich viele weitere Zeitzeugen, erzählte Keller. 90 solcher Augenzeugen habe er in den vergangenen fünf Jahren interviewt. Viele davon seien inzwischen leider verstorben, die Gespräche seien aber aufgezeichnet und so für die Nachwelt erhalten, berichtet der Chronist.

Sie brachten den Tod nach Freising: Bomben – hier der obere Teil eines Sprengsatzes mit Zünder.

Neben den teilweise erschütternden, immer anrührenden und sehr wichtigen Augenzeugenberichten habe er als Quellen vor allem amerikanische Internetseiten bemüht, berichtete Keller bei der Buchpräsentation im Furtnerbräu. Manche Spuren hätten freilich ins Leere geführt, manchmal habe er aber auch Glückstreffer landen können. Beispiel: Einen über 70 Jahre alten geheimen Bericht der Kriminalpolizei habe er ausfindig machen können, der die Zustände in Freising unmittelbar nach dem Angriff dokumentiert. Und dann gibt es da noch den Bericht eines abgeschossenen Navigators und Bombenschützen der Royal Air Force, der von 1942 bis 1945 im Lazarett auf dem Domberg als Kriegsgefangener untergebracht war und von da aus den Luftangriff auf das Bahnhofsviertel in Freising miterlebte.

Und dann sind da eben die Berichte der Augenzeugen, beispielsweise von Christa Metzker. Alles zusammen ergibt eine detaillierte, mit zahlreichen Quellenangaben und historischen Fotos aufbereitete Dokumentation rund um einen einzigen Tag in Freising drei Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Unterstützt wurde das Buchprojekt vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Deren Bezirksgeschäftsführer Artur Klein betonte, Aufgabe sowohl des VDK als auch des Buches sei es, „Einzelschicksale statt Statistiken“ ins Bewusstsein zu rufen und vor dem Vergessen zu bewahren.

Kurt Dittrich, der Vorsitzende des Kreis-Krieger- und Soldatenverbands Freising, sagte, sein Verband und das Buch hätten sich dem Ziel verschrieben, die Erinnerung an die Toten wach zu halten und gegen das Vergessen anzukämpfen.

Das Werk von Ernst Keller ist für 19,90 Euro bei Bücher Pustet erhältlich.

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