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Vor allem Frauen interessierten sich für Theresa Lachners (r.) „Lustprinzip“. Aber auch einige Männer hatten sich bei der Lesung im Pustet ins Publikum gemischt.

Schamesröte und Gekicher

„Lvstprinzip“: Freisinger Bloggerin liest aus ihrem neuen Buch - und bricht damit ein Tabu

Theresa Lachner, erfolgreiche Bloggerin aus Freising, hat ein Buch veröffentlicht. Nun gab sie eine Lesung von „Lvstprinzip“ - inklusive Schamesröte und Gekicher.

Freising– Sie betreibt Deutschlands größten Sex-Blog: Theresa Lachner. In Ihrem Buch „Lvstprinzip“ beschreibt die gebürtige Freisingerin die Geschichte zu ihrer gleichnamigen Internet-Seite. Dabei berichtet die ehemalige Dom-Gymnasiastin nicht nur über ihre sexuellen Experimente und Erlebnisse bei Orgien-Parties, in Sado-maso-Schuppen oder beim Porno-Dreh, es geht ihr auch um philosophische Fragen: „Warum traut man sich nicht, über Tabuthemen zu sprechen?“ Oder „Wie frei darf eine Frau sein?“ Bei ihrer Lösung in Bücher Pustet am Montag traf die Weltenbummlerin auf ein aufgeschlossenes Publikum.

Obwohl Lachner im Internet so ungeniert unter eigenem Namen mit eigenen Fotos etwa über Bondage-Rollbraten und weibliche Ejakulationen schreibt, räumte Lachner gleich zu Beginn des Abends ein: In ihrer Heimatstadt, wo viele sie kennen, aus ihrem intimen Buch zu lesen, habe sie Überwindung gekostet. „Ich habe mir zuerst überlegt, ob ich in Freising weniger peinliche Dinge erzählen soll, aber ich habe mich dagegen entschieden.“ Schließlich gehe es in ihrem Buch auch um ihr jüngeres Ich in den Zwanziger-Jahren: „Mittlerweile bin ich Anfang 30, habe mich weiterentwickelt und bin reifer geworden.“

Lesung sorgt für Gekicher und Gelächter

Drei Passagen las Lachner aus ihrem Buch vor. Damit die Zuhörer nicht aus Scham rot anlaufen, fragte sie aber vorsichtshalber zunächst: „Fühlt ihr euch emotional gefestigt genug?“ Die Antwort aus dem Publikum: „Wenn wir das nicht tun würden, säßen wir heute nicht hier.“ 

Gekicher und Gelächter war an der ein oder anderen Textstelle zu vernehmen, oft wurde geschmunzelt. Etwa, als Lachner ihre männlichen Kontakte bei der Dating-App Tinder mit Tamagotchis verglich – kleine elektronische Lebewesen, die versorgt werden wollen. Obwohl diese Art, sich zu verabreden ihrer Meinung nach zwar spontan und lässig sei, finde sie doch, dass es einen abbrühe, resümierte Lachner. Alles werde egal: jemanden stehen lassen, über seine Person lügen, Nummern austauschen – alles plötzlich selbstverständlich.

Autorin berichtet über ihre Erlebnisse am Schnacksel-Set

Gebannt lauschten die Zuhörer, als Lachner darüber berichtete, wie es sich anfühlt, bei einem Porno-Set dabei zu sein: „Kitschig, oberflächlich und aufgesetzt.“ Und natürlich „alles Fake“: falsche Nägel, falsches Gestöhne und falsche Orgasmen. „Surrealer Sex“, sagt sie. „Geil kann das nicht sein.“ 

Dabei ist „Lvstprinzip“ kein reines Sex-Buch. Lachner erzählt auch, wie es ist, als Frau zu leben, die schon einmal um den ganzen Globus gereist ist. Vorsicht sei geboten, und zwar in so gut wie jeder Lebenslange. Egal ob Taxifahren, Aus- oder Spazierengehen: Eine Frau müsse immer auf den Worst Case vorbereitet sein. Denn: „Das Leben ist nie ohne Restrisiko.“

Aylin Yilmaz

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