Man sieht das Attachinger Kriegerdenkmal.
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Eine Überprüfung aller Kriegerdenkmäler der Stadt und der Ortsteile (hier Attaching) auf nicht mehr zeitgemäße Inschriften oder Symbole wollen die Stadträte Nico Heitz (Grüne), Joana Bayraktar (Grüne), Emilia Kirner (Ödp) und Nicolas-Pano Grasy (Linke).

Fraktionsübergreifender Antrag

Mahnmal statt Heldenverehrung: Freisinger Jung-Stadträte beantragen Überprüfung von Denkmalinschriften

Vier junge Freisinger Stadträte wollen, dass Freising bei ihren Kriegerdenkmälern genau hinschaut. Auch das Fernsehen interessiert sich für ihren Vorstoß.

Freising - Wie soll eine Stadt mit Kriegerdenkmälern umgehen, auf denen Inschriften nicht mehr zeitgemäß oder gar missverständlich zu interpretieren sind? Vier junge Freisinger Stadträte aus drei Parteien haben dazu eine klare Haltung – und Gestaltungsideen, für die sich auch das Fernsehen interessiert.

Die vier Freisinger Jung-Stadträte Nico Heitz (Grüne), Joana Bayraktar (Grüne), Emilia Kirner (Ödp) und Nicolas-Pano Grasy (Linke) haben einen fraktionsübergreifenden Antrag unter dem Motto „Aus der Geschichte lernen – zum Frieden mahnen“ an OB Tobias Eschenbacher gestellt. Ihr Wunsch: eine Überprüfung aller Kriegerdenkmäler der Stadt und der Ortsteile auf nicht mehr zeitgemäße Inschriften oder Symbole zu überprüfen und diese, wenn notwendig, mit Hinweis-Tafeln zum geschichtlichen Hintergrund zu versehen.

Eine nachhaltige Erinnerungskultur, so ihre Begründung, muss immer wieder aufs Neue mit Leben gefüllt werden. Ihre Kritik: Die Mahnung zum Frieden werde nicht immer deutlich, auch weil sie bei der Errichtung oftmals vorrangig nicht zum Frieden mahnten, sondern einer „Heldenverehrung“ dienten. Auch der Name „Kriegerdenkmal“, so die Stadträte, würde eine „positiv-martialische Konnotation“ anklingen lassen.

Stadtratsquartett fordert historische Ergänzungen an Mahnmalen

Zwar seien Kriegerdenkmäler als historische Monumente einer Stadt zu betrachten, räumt das Quartett ein. Allerdings müsse dringend mit historischen Ergänzungen der Fokus auf das Leid der Opfer aus dem Militär und der Zivilgesellschaft gelegt werden. Als Beispiel nennen die Antragssteller die „Initiative Denk(t)mal“, die in Kooperation mit dem Aktionskünstler Wolfram Kastner in Giesing das Denkmal vor der Kirche Heilig Kreuz in ein Mahnmal umwandeln wollen.

Vor dem Denkmal, das kriegsverherrlichende Inschriften enthält, wollen die Initiatoren Plexiglasscheiben aufstellen Diese Plexiglasscheiben sollen mit eindringlichen Sätzen versehen sein, in denen sich die Trauer um die Opfer und die Mahnung zum Frieden widerspiegeln – etwa mit Zitaten der Widerstandskämpferin Sophie Scholl. So könnten Kunst und Erinnerungskultur verbunden werden.

Eine solche Erinnerungskultur, die an die Toten erinnert und gleichzeitig die Schrecken des Krieges und des Nationalsozialismus herausarbeitet, würde die vollste Unterstützung der jungen Räte finden. Da es in Freising einige Kriegerdenkmäler gibt, die nicht unter die städtische Zuständigkeit fallen, soll auch mit den entsprechenden Institutionen Kontakt aufgenommen werden.

Kreiskriegerverband begrüßt den Antrag - mit einer Einschränkukng

Eine Institution im Landkreis Freising, die hier schon große Vorarbeit geleistet hat, ist der Kreiskrieger- und Soldatenverband (KKSV). In Zusammenarbeit mit Bezirksheimatpfleger Rudolf Goerge hat der Verein 2019 das Buch „Zum ehrenden Gedächtnis“ herausgebracht, in dem die Kriegerdenkmäler und Gedenktafeln für die gefallenen und vermissten Soldaten im Landkreis gesammelt und beschrieben sind. Auch solche die zuvor in Vergessenheit geraten waren.

Den Antrag des Stadtratsquartetts begrüßt KKSV-Vorsitzender Otto Radlmeier. „Wir freuen uns, wenn sich junge Leute für die Kriegerdenkmäler interessieren und den heutigen Zeitgeist mit reinbringen wollen“, sagte er dem FT. Zweifelsohne seien Mahnmäler vor allem direkt nach dem Ersten Weltkrieg und später von den Nationalsozialisten zu propagandistischen Zwecken missbraucht worden. „Wir vom KKSV wollen keine Heldenverehrung, sondern zum Frieden gemahnen. Deshalb sind wir an einem Dialog interessiert.“ Wobei Radlmeier aber auch sagt: „Bei jeder Erwähnung des Begriffs Helden eine Zusatztafel anzubringen, halte ich für überzogen.“

Auch das Fernsehen interessiert sich für das Ansinnen der Stadträte

Das Fernsehen springt ebenfalls auf den Vorstoß der Stadträte an. Wie Radlmeier berichtete, sollen am Dienstag nach Ostern Dreharbeiten in Freising stattfinden. Geplant sind ein Fernseh- und ein Hörfunkbeitrag. Sowohl Radlmeier als auch die Antragsteller sollen dafür interviewt werden.

Nun hat auch Zolling ein Corona-Schnelltestzentrum: An zwei Tagen die Woche können sich die Bürger hier kostenlos testen lassen - drei Menschen pro 15 Minuten.

Dutzende Kilo Rauschgift hat die Kripo Erding in Freising sichergestellt. Zwei Tatverdächtige sind bereits in U-Haft, nach einem dritten wird bundesweit gefahndet.

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