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Dass süßes Blut Mücken gierig macht, ist eine Mär, sagt Apothekensprecherin Ingrid Kaiser. Körpertemperatur und individueller Geruch seien der Grund dafür, dass manche Menschen laufend gestochen werden.

Mückenplage

„Man wird regelrecht aufgefressen“

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Landkreis - Für Mücken herrschen derzeit paradiesische Bedingungen. Mancherorts schwärmen sie schon in Scharen aus – eine handfeste Plage naht, sagen Experten.

Diesen nervtötenden Moment kennt wohl jeder: Man liegt gemütlich in seinem Bett und dämmert gerade hinüber in die Traumwelt. Plötzlich surrt es – und das direkt neben dem Ohr. Man schaltet das Licht an, doch das Biest ist natürlich verschwunden. In den hiesigen Schlafzimmern wird sich diese Szene in nächster Zeit vermutlich häufiger abspielen. Stellenweise herrscht bereits jetzt eine Mückenplage, die sich vermutlich sogar noch ausweitet.

Einer, der regelmäßig leidvolle Erfahrungen mit den lästigen Plagegeistern macht, ist Günter Wolter. Der Vorsitzende des Kreisfischereivereins kennt die Gewässer im Landkreis. Und gerade an der Amper und am Amperkanal sei die Situation schon jetzt alles andere als erfreulich: „Setzt man sich dort am Abend hin, wird man regelrecht aufgefressen“, berichtet Wolter. Dass sich die Mücken derzeit in der Region derart wohlfühlen, wundert den leidenschaftlichen Fischer indes rein gar nicht. Schließlich habe es jüngst gleich zwei leichte Hochwasser gegeben, und das Wasser sei teils noch immer im Boden. „So steigt natürlich die Population“, sagt Wolter.

„Noch erträglich“ sei die Situation hingegen an der Isar im Bereich zwischen Achering und Oberhummel. Dort war Wolter diese Woche zusammen mit einer Schulklasse unterwegs. Mücken hätten sie nur vereinzelt herumschwirren sehen. Zur Abwehr der Insekten nutzt Wolter, der allergisch auf die Stiche reagiert, die handelsüblichen Repellentien, also Schutzmittel. Gegen sämtliche Hausmittelchen, so seine Erfahrung, seien die Viecher ohnehin resistent. Nicht einmal der Rauch seiner Pfeife schrecke die lästigen Insekten ab.

Grünen-Landtagsabgeordneter Christian Magerl ist von Berufs wegen Vogelkundler. An Mücken kommt der Politiker dennoch nicht vorbei. Zumal auch er eine handfeste Plage erwartet: Denn schließlich seien die Bedingungen gerade ideal für die Mückenlarven. Der viele Regen und die nun höheren Temperaturen seien wesentliche Grundvoraussetzungen. Zwar, so der Abgeordnete, würden viele Menschen die momentane Witterung nicht als sommerlich betrachten. „In der Biologie gibt es aber eine Regel, die besagt, dass zehn Grad Temperaturanstieg die Entwicklung der Larven verdoppelt“, erklärt Magerl. Er kommt zu dem Schluss, „dass wir wohl überall eine Plage bekommen werden“.

„Keinesfalls kratzen, sonst riskiert man eine Infektion!“

In Deutschland und auch speziell in Bayern sind Magerl zufolge mehrere Dutzend endemische Stechmückenarten zu finden. Hinzu kämen mittlerweile exotische Arten, die etwa über Warentransporte eingeschleppt würden. „Für die asiatische Tigermücke, die das gefährliche Dengue-Fieber überträgt, gibt es bereits bayerische Nachweise“, sagt der Ornithologe. Auch habe man bewiesen, dass diese Mückenart erfolgreich hier überwintert habe. Panik sei deshalb aber nicht angesagt. Magerl: „Wir sollten das aber schon im Blick behalten.“

Ingrid Kaiser geht mehrmals täglich mit ihrem Hund an der Isar Gassi und wundert sich, dass es dort noch nicht mehr schwirrt. Dass der Region jedoch eine Plage bevorsteht, damit rechnet die Landkreis-Apothekensprecherin fest. Die Regale ihrer Apotheke sind bislang aber noch prall gefüllt mit Mückenschutzmitteln – für einen möglichen Andrang ist sie also bestens gerüstet. Tatsächlich empfiehlt die Apothekerin Mittel auf Chemie-Basis. „Hausmittel halte ich nicht für sinnvoll“, betont Kaiser. Haben die stechenden Insekten trotz Schutz zugeschlagen, ist Vorsicht angesagt: „Man sollte keinesfalls kratzen, sonst riskiert man eine Infektion“, mahnt die Apothekerin. Um den oft üblen Juckreiz zu lindern, rät Kaiser zu Baumwollumschlägen mit einer Mischung aus Isopropanol und Wasser. „Das kühlt und tut gut.“ Bei Entzündungen helfe der Griff zu leichten Cortisonsalben. Wenig erfolgversprechend sei hingegen Spucke. Letztlich, sagt die Apothekerin, seien die Nervensägen harmlos. Mehr als eine rote Beule und ein Jucken bekomme man in unseren Breiten gewöhnlich nicht – von vereinzelten Überreaktionen einmal abgesehen.

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