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Der Mann, der Glaube erlebbar macht: Mesner Korbinian Schwind baut nicht nur zu Weihnachten Krippen. Seine Ideen reichen für das ganze Jahr. Zu sehen sind seine Kunstwerke in St. Georg in Freising.

Krippen für das ganze Jahr

Weihnachten in guten Händen

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Korbinian Schwind baut in der St.-Georg-Kirche in Freising Krippen. Nicht nur zu Weihnachten – sondern zwölf Monate im Jahr. Und meistens nachts. Er liebt es, wenn er aus der Kirche etwas zum Staunen machen kann. Am Heiligen Abend überwältigen sogar ihn die Emotionen. Jedes Jahr aufs Neue.

Freising– Korbinian Schwind liebt die Nasenabdrücke auf der Glasscheibe. Jeder einzelne ist ein stummer Applaus. Ein Zeichen der Wertschätzung. Für andere sind die Abdrücke fast unsichtbar. Aber der 32-Jährige sieht sie sofort, wenn er vor der Vitrine steht, in der seine Krippen ausgestellt sind. Und er sieht: Es sind nicht nur Nasenabdrücke von Kindern.

Natürlich hinterlässt nicht jeder Besucher, der in die Pfarrkirche St. Georg nach Freising kommt und ins Staunen gerät, einen Abdruck. Aber es vergeht kaum ein Tag, an dem Schwind nicht irgendwann jemanden vor dem zwei Meter großen Holzkasten ganz hinten in der Kirche stehen sieht. Manchmal lächelt er dann unbemerkt. Nur für sich. Er baut seine Krippen nicht für großes Publikum. Aber es freut ihn, wenn er beobachten kann, wie gut Kirche und hemmungsloses Staunen zusammenpassen.

Der Mantel für die Armen: Im November hatte Sankt Martin seinen großen Auftritt in der Freisinger St.-Georg-Kirche.

Korbinian Schwind denkt das ganze Jahr in Krippen. Das geht ganz automatisch. Kaum hat er eine Idee aus seinem Kopf in seine Werkstatt befördert, rückt die nächste nach. Gerade hatte er im Oktober einen kleinen Martin Luther an den Holzschreibtisch in der Wartburg gesetzt, wo er zwei Wochen lang Miniatur-Übersetzungen der Bibel anfertigen durfte, da arbeitete er schon wieder an einem Sankt Martin, der durch den Schnee stapft und für einen Bettler seinen Mantel teilt.

Die Krippe in der St.-Georg-Kirche verändert sich alle paar Wochen – und das zwölf Monate im Jahr. Korbinian Schwind ist Mesner in St. Georg. Deshalb entstehen die Krippen nicht nur in seiner Werkstatt. Am liebsten arbeitet er direkt in der Kirche. Nachts, nachdem er die große Holztür zugesperrt hat und ganz ungestört ist. Dann legt er eine CD ein – meistens Xavier Naidoo –, bemalt Styropor, hämmert winzige Holzstückchen zusammen, näht Kleidungsstücke für die Figuren. „Davon bekommt kaum jemand etwas mit“, sagt er. Nur der Pfarrer sieht manchmal, dass spät noch Licht in der Kirche brennt. Dann weiß er, dass gerade wieder eine neue Krippe entsteht.

Im Dezember brannte das Licht in der Kirche nachts besonders häufig. Neben der Jahreskrippe gibt es in der Adventszeit immer noch ein weiteres Großprojekt für Korbinian Schwind: die Weihnachtskrippe. „Dieses Jahr habe ich das erste Mal vorher einen Plan gemalt“, sagt er. Dabei ist seine Begeisterung etwas mit ihm durchgegangen. Der Rohbau der Krippe ist 1,40 Meter hoch. Und es waren einige Nacht-Einsätze nötig, damit nun am Heiligen Abend das Christuskind darin liegen kann.

Seine Kunstwerke signiert Korbinian Schwind nie. Selbst in Freising wissen viele nicht, dass der Mesner von St. Georg der Künstler hinter den Krippen ist. Schwind ist ein großer, kräftiger Mann. Mit Händen, denen man es eher zutraut, dass sie über Nacht den Stall von Bethlehem in Originalgröße bauen statt in Miniatur. Das Talent zum Krippenbauen hat er vererbt bekommen. Von seinem Vater. Der war Diakon – und hat seine freie Zeit genauso gerne in der Werkstatt verbracht wie Korbinian Schwind. Als Kind stand er oft daneben, wenn eine Krippe entstand. Heute steht neben ihm manchmal sein fünfjähriger Sohn Johannes – sein vielleicht größter Bewunderer.

Es gab Zeiten in Korbinian Schwinds Leben, da hatte er andere Träume. Er hätte gerne Theologie studiert und wäre so gern Diakon geworden – wie sein Vater. Sein Schulabschluss hat dafür nicht ausgereicht. Also wurde er Mesner, arbeitet nebenher in einem Bestattungsinstitut – und baut in seiner Freizeit Krippen.

Das ist mehr als ein Hobby oder eine Leidenschaft. Die Krippen und sein Glaube hängen eng zusammen. Da gab es zum Beispiel diese eine Nacht, als ihm seine Schwester beim Krippenbauen half. „Wir haben die ganze Nacht über unseren Glauben geredet“, erzählt er. Das war nicht geplant. Aber eigentlich auch nicht überraschend. Denn beim Krippenbauen kommen Korbinian Schwind immer gute Gedanken. „Meistens denke ich über meine Familie nach und über die Zukunft“, erzählt er. Auch über die Zukunft der Kirche. „Sie muss auch etwas zum Staunen sein“, findet er. Dazu liefert er als Mesner in St. Georg seinen Beitrag. Und wenn er dann wieder einmal morgens die Kirchentür aufsperrt und einige Nasenabdrücke auf der Glasscheibe vor seiner Krippe sieht, dann ist er froh, dass er nicht Theologie studiert hat. Dass alles ganz anders gekommen ist und er ein Leben führt, das sich jeden Tag richtig anfühlt. An manchen Tagen sogar besonders.

Die Wartburg in Miniatur: Natürlich durfte im Reformationsjahr im Oktober auch eine Luther-Krippe nicht fehlen.

Weihnachten ist so ein Tag. Der wohl arbeitsreichste im Jahr für einen Mesner. Schwind ist der Erste, der in die Kirche kommt, und der Letzte, der geht. Es bleiben nur ein paar Stunden am Nachmittag, um mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern Weihnachten zu feiern. „Ich kenn das nur so“, sagt er. Schon von klein auf spielte sich Weihnachten in seiner Familie immer in der Kirche ab. Und zuverlässig überwältigen ihn dort die Emotionen.

Für Schwind ist es einer der schönsten Momente im Jahr, wenn am Ende der Christmette die Lichter ausgehen. Wenn nur die Kerzen brennen, die er vorher aufgestellt hat. Und neben dem Altar das Licht aus seiner Weihnachtskrippe strahlt. Er steht dann ganz unauffällig an der Seite im Altarraum, den Blick auf die Krippe gerichtet und auf die volle Kirche, in der er das Jahr über so viele Nächte ganz allein verbracht hat. Und wenn die Freisinger schließlich beginnen, „Stille Nacht“ zu singen, passiert es immer wieder, dass ihm Tränen in die Augen treten. Bemerkt hat das noch nie jemand. „Das ist mein Weihnachtsmoment“, sagt er. Einer der Momente, in denen Kirche und hemmungsloses Staunen ganz selbstverständlich miteinander verschmelzen.

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