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Wenn der Boden stark gefriert, wird die Ackerkrume in der nächsten Saison lockerer. Das weiß auch der Attachinger Landwirt Hans Ziegltrum.

Minustemperaturen und ihre Effekte auf die Freisinger Landwirtschaft

Der Frost und seine explosiven Folgen

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Der Landkreis bibbert unter den Folgen der Polarluft aus Nordost, doch die Landwirte freuen sich: Die tiefen Temperaturen der vergangenen und vor allem der kommenden Tage mögen zwar zu Schnupfennasen führen, aber in der Landwirtschaft sorgt der Frost mit seiner Sprengkraft für die Regeneration der Bodenkrume.

Landkreis – „Der derzeitige Frost ist positiv für die Landwirtschaft“, kommentieren Fachberater Anton Mitterer vom Amt für Landwirtschaft (AELF) in Erding und Alois Obermaier vom Bayerischen Bauernverband (BBV) Eeding/Freising, die derzeitige Kälteperiode. Erstens könnten die Minusgrade, die laut Deutschem Wetterdienst Weihenstephan noch bis nächste Woche andauern, dem bereits im vergangenen Jahr angebauten Wintergetreide nichts anhaben, denn: „Die sind robust und für kalte Temperaturen ausgelegt“, meint Obermaier. Zweitens entwickle der Frost im Boden eine ganz eigene Explosivkraft, die eine Verbesserung der Krume erzeugt. Hier nennt Obermaier das Stichwort „Frostgare“ (Details siehe Kasten): „Der Frost sprengt den Boden auf. So werden Strukturschäden, die im Vorjahr entstanden sind, repariert und der Boden kann die Nährstoffe wieder besser aufnehmen.“

Drittens bringe der gefrorende Boden laut dem BBV-Fachberater den Landwirten bei der Waldarbeit Vorteile: Denn gerade in den kalten Monaten steht bei den Bauern die Forstarbeit an erster Stelle. „Und es muss halt auch mal mit schweren Maschinen eingerückt werden“, meint Obermaier: „Da ist ein gefrorener Boden optimal, wenn Stämme aus dem Forst geholt werden müssen, denn so können Strukturschäden vermieden werden.“

Ein eher zweischneidiges Schwert sei das Thema „Schnee auf den Feldern“, erläutert Anton Mitterer: „So eine Schneedecke ist ein Spitzenisolator. Da genügen wenige Zentimeter.“ Andreas Brömser vom Deutschen Wetterdienst in Weihenstephan bestätigt das: „Hat es über der Schneedecke etwa minus 15 Grad, werden darunter lediglich um die null Grad gemessen.“ Doch genau dieser Effekt verhindere das Eintreten der Frostaufsprengung im Boden und behindere damit die notwendige Regeneration der Krume.

Keine Sorgenfalten wegen Kälte und Frost gibt es auch bei Angela Vaas, der Leiterin der Abteilung Gartenbau am Amt für Landwirtschaft in Landshut, die auch für den Landkreis Freising zuständig ist: „Der Gemüsebau startet ja erst später“, meint sie. Und auch für die Obstbauern gebe es noch keine Probleme. Die wären nur dann eingetreten, wenn es bereits ungewöhnlich früh warm geworden wäre und die Bäume zu blühen begonnen hätten: „Das war aber nicht der Fall.“

Welche verheerenden Folgen Frost auf Obstbaumkulturen haben kann, zeigte der späte Kälteeinbruch im April des vergangenen Jahres: Da gab es auch im Landkreis Ernteausfälle im zweistelligen Prozentbereich. Bei Kirschen etwa lag der Ausfall um die 90 Prozent, wie Michael Neumüller, der Chef des Bayerischen Obstzentrums in Hallbergmoos, dem FT bestätigte (wir berichteten).

Die Wetterprognose für das kommende Wochenende und die nächsten Tage liefert Diplommeteorologe Andreas Brömser: „Die kalte Luft aus dem Osten beschert uns klare, klirrend kalte Nächte. Tagsüber bleibt die Quecksilbersäule am Samstag bei null Grad stehen, und am Sonntag bei etwa minus vier bis sechs Grad, schätzt er: „Und weil immer der Wind weht, fühlt sich das viel kälter an.“ Zumindest aber werde für das kommende Wochenende ein bisserl Sonnenschein erwartet. In der nächsten Woche dann bleiben die Temperaturen bei unter null Grad, in den Nächten sogar bis gegen minus 15 Grad.

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