+
Station 2 von 4 bei der MIA-Abschlussveranstaltung: (v.l.)Landrat Helmut Petz, Referentin Marianne Pfaffinger, ILE-Regionalmanagerin Nina Huber, 3. Bürgermeister der Gemeinde Allershausen Sepp Lerchl, Kirchdorfs 2. Bürgermeister Helmut Wildgruber, Haags Bürgermeister Anton Geier, ÖDP-Kreisgeschäftsführerin Angela Kern, ILE-Vorsitzender und Kirchdorfs Bürgermeister Uwe Gerlsbeck sowie Wolfersdorfs Bürgermeisterin Anita Wölfle beim finalen Gedankenaustausch.

Abschlussveranstaltung im Landratsamt Freising

Mobilitätskonzept steht: MIA darf sich auf den Weg machen

  • Andrea Beschorner
    vonAndrea Beschorner
    schließen

Das Mobilitätskonzept für den Landkreis Freising steht. Eineinhalb Jahre haben Kommunen und Experten den Fokus auf alternative Mobilitäsformen gelegt. 

Landkreis – 17 Gemeinden der integrierten ländlichen Entwicklung (ILE) „Kulturraum Ampertal“ (Vorsitzender ist Kirchdorfs Bürgermeister Uwe Gerlsbeck) und der Leader-Aktionsgruppe „Mittlere Isarregion“ (mit Freisings OB Tobias Eschenbacher an der Spitze) haben sich zusammengeschlossen, um die zunehmende Verkehrsüberlastung in der Region langfristig zu lösen. Der Zusammenschluss wurde in ein gemeinsames Projekt gegossen, dem Integrierten Mobilitätskonzept Mittlere Isarregion und Ampertal, kurz: MIA. Am Montag wurde es vorgestellt.

Seit eineinhalb Jahren ist MIA nun schon in aller Munde, die Gemeinden haben bereits positiv über die Schaffung einer Stelle eines Mobilitätsbeauftragten, eines sogenannten Kümmerers, entschieden. Und auch wenn Corona-bedingt in den vergangenen Monaten vieles hinter verschlossenen Türen passieren musste: Das Integrierte Mobilitätskonzept steht.

Seit 2018 haben sich die teilnehmenden Kommunen und Akteure engagiert eingebracht, haben ihre Sichtweisen, Bedarfe, Vorschläge und Ideen in das Konzept eingeflochten und damit zu einem wegweisenden gemeinsamen Grundlagenkatalog für die Mittlere Isarregion und das Ampertal beigetragen. Dabei hatte man stets die Zielsetzung vor Augen, gemeinsam Wege zu finden, nachhaltige Verkehrslösungen interkommunal anzugehen. Am Montag also die Abschlussveranstaltung im Landratsamt, die eigentlich schon im April hätte stattfinden sollen, und nun zwar im Schatten von Corona, aber dennoch informativ und zukunftsweisend über die Bühne ging.

Vier Stationen

Vieles musste im Vorfeld im kleinen Kreis, ohne große Öffentlichkeit erarbeitet werden – Corona trifft auch solche Projekte. Dass aber in Bezug auf ein Mobilitätskonzept noch lange nicht alles gesagt ist, dass noch längst nicht alle Ideen ausgetauscht sind und man sich dabei in einem Prozess befindet, der es unabdingbar macht, sich immer wieder neuen Gegebenheiten anzupassen, das wurde am Montag im zweistündigen Abschlussevent sehr deutlich.

Finales Brainstorming

In Kleingruppen wurden die Teilnehmer durchs Landratsamt von Station zu Station geführt. Im großen Sitzungssaal wartete Professor Dr.-Ing. Gebhard Wulfhorst. Thema der ersten Station: Siedlungsentwicklung und Verkehr; Intermodale Schnittstellen; Güterverkehr und Logistik. „Wer könnten die Akteure sein, wer greift die Ideen auf?“ Ganz oben auf der Liste stehe laut Referent Wulfhorst der MVV, es gebe Überlegungen, wie man in der Region die Themen Bikesharing, Carsharing, Mitfahrgelegenheiten und Mobilitätsstationen etablieren könne. Auch hier zentral im Fokus: Wie kann die Abhängigkeit vom eigenen Pkw reduziert werden? Allershausens Gemeinderat Sepp Lerchl brachte hier den Expressbus von Mainburg nach München zur Sprache, der ja im Zuge von MIA bereits Grünes Licht erhalten habe. An jeder Station sollten die Teilnehmer, die zum Teil bei den vorangegangenen Expertenrunden mit am Tisch gesessen hatten, ihre bisherigen Erfahrungen, Wünsche, Erwartungen offen ansprechen. ILE-Regionalmanagerin Nina Huber sammelte die Impulse der Gruppe an den einzelnen Stationen, die Abschlussveranstaltung war noch einmal so etwas wie ein großes Brainstorming.

Landrat Helmut Petz thematisierte den Einzelhandel, ein zentraler Punkt in der Mobilität, regte ein Einzelhandelskonzept an, eine koordinierte Planung, in dem alle Bereiche – vom Bauen über Wirtschaft und Verkehr bis hin zu den Bereichen Pflege, Jugend und Kinder – interkommunal mit in die Überlegungen einfließen. Haags Bürgermeister Anton Geier kritisierte, dass alle Zuschusstöpfe auf Mobilität ausgerichtet seien. „Eine Gemeinde darf aber keinen Dorfladen, der die Fahrzeugbewegungen unglaublich reduziert, bezuschussen.“

An der zweiten Station gab Marianne Pfaffinger im Schnelldurchlauf einen Überblick über die MIA-Inhalte Mobilitätsmanagement, Information und Kommunikation sowie Gesamtprozess und Beteiligung.

Hier möchte man etwa zusammen mit Unternehmen die Vorteile eines betrieblichen Mobilitätsmanagements aufzeigen: Der Arbeitgeber solle sich überlegen, wie seine Mitarbeiter unter ökologischen Gesichtspunkten in die Arbeit und wieder nach Hause kommt, und wie er sich während der Arbeitszeit zu Terminen fortbewegt. Eine Idee sei etwa, als Arbeitgeber E-Bikes zu bezuschussen. „Wir als Kommunen dürfen das nicht fördern“, bedauerte Kirchdorfs Gemeindechef und ILE-Vorsitzender Uwe Gerlsbeck.

In der folgenden Ideensammlung konnte Nina Huber Schlagworte wie Werksbus, Homeoffice und Coworking-Spaces, also Arbeitsplätze, die man am Wohnort anmieten kann, wenn die Voraussetzungen für das Arbeiten von Zuhause aus nicht gegeben sind, aufnehmen. „Der Bedarf hierfür ist uns während der Corona-Pandemie klar geworden“, so Huber.

An der dritten Station betonte Elias Pajares, wie wichtig für den Erfolg des Konzepts das Feedback der Beteiligten sei. Hier ging es um effektiven und nutzerfreundlichen öffentlichen Verkehr und geteilte Mobilität. In diesem Bereich widmet sich MIA den neuartigen Formen von Bedarfsverkehr als Ergänzung zum ÖPNV in Bereichen und zu Tageszeiten, wo ein Bus sich nicht lohne. Hier brachte die Gruppe Mitfahrbänke zur Sprache, ein Parkplatz für die Nutzer des Expressbusses wurde diskutiert. Auf die Frage, wie es denn um eine geeignete Handy-App bestellt sei, die alle Formen der Mobilität gebündelt ausspiele, regte Gerlsbeck an, sich vielleicht mit der Vision anzufreunden, einem Start-Up diesbezüglich einen Auftrag zu geben.

Das Finale des Rundgangs lag in den Händen von Ulrich Glöckl, der an seinen Stellwänden die ThemenMotorisierter Individualverkehr und Förderung von Fuß- und Radverkehr beleuchtete. Und wieder war es Gerlsbeck, dem ein Thema auf den Nägeln brannte: „Viele Bürgermeister scheitern am Grunderwerb für Radwege entlang von Staats- und Kreisstraßen.“ Er wollte wissen, was denn an dem Gerücht dran sei, dass auch in solchen Fällen ein Enteignungsverfahren angestrebt werden könne. Hier sei auf jeden Fall aktuell etwas am Werden, wie der Referent verkündete. Auf den Ideenzettel der letzten Station kamen die Themen Radanhänger für Busse und W-Lan in Bussen und E-Ladestationen in Wohngebieten. Das Schlusswort hatte Nina Huber, die beteuerte, ob dieses Konzepts ein gutes Gefühl für die Zukunft zu haben. „Es wird was passieren, weil was passieren muss.“

Planungsgeschichte

Durch den Zuzug in den Wachstumsregionen Freising und Erding und durch den bisweilen noch nicht zufriedenstellend ausgebauten ÖPNV in ländlichen Gebieten fehlt es in einigen Teilen der Region an Alternativen zum eigenen Pkw. Im Rahmen der Kooperation der ILE-Gemeinden und der Mittleren Isarregion wurden eine Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus der Schlothauer und Wauer Ingenieursgesellschaft für Straßenverkehr mbH, dem Lehrstuhl für Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung der TU München sowie der Green City Experience GmbH beauftragt, ein Mobilitätskonzept für die gesamte Region zu erarbeiten. In der Zeit seit 2018 wurden Akteurs- und Expertenbefragungen sowie Zukunftsworkshops mit den Beteiligten durchgeführt, wobei ein besonderer Fokus auf alternative Mobilitätsformen gelegt werden sollte. Projektträger war der Landkreis Freising. Von dem Projektvolumen in Höhe von rund 220 000 Euro wurden rund 111 000 Euro gefördert.

Mit dabei sind die Gemeinden Allershausen, Attenkirchen, Berglern, Fahrenzhausen, Freising, Haag, Hohenkammer, Kirchdorf, Kranzberg, Langenbach, Langenpreising, Marzling, Neufahrn, Oberding, Paunzhausen, Wolfersdorf und Zolling.

Das Konzept ist über http://isarregion.eu/mia/ zu finden.

Lesen Sie auch: Freisings Großprojekte werden immer teurer. 

Auch interessant

Kommentare