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Gesamtkunstwerk: Orchester und Chor erfüllten den Dom mit einem beeindruckenden Klangspektakel.

Mozart-Requiem im Dom

Musiker nehmen ihre Zuhörer gefangen

Die beiden Werke klingen völlig verschieden. Das eine leichtfüßig und mit fröhlichem Grundton, das andere getragen, melancholisch. Und doch weisen die beiden Kompositionen Mozarts mehr als eine Parallele auf. Was das Requiem und das Klarinettenkonzert in A-Dur“ verbindet, konnte man am Samstag auf einem beeindruckenden Domkonzert erhören und erspüren.

Freising Sein Requiem gilt als eines der beeindruckendsten Werke im Schaffen des Wolfgang Amadeus Mozart. Viele Geschichten ranken sich um diese Komposition. Eine davon: Der große Meister habe damit seine eigene Totenmesse komponiert, was dem Werk emotional noch einmal eine ganz eigene Tiefe gibt. „Für jeden Kirchenmusiker ist das Requiem etwas Besonderes“, sagt Matthias Egger, Leiter der Freisinger Dommusik. Für seine erste Konzertsaison in Freising war es daher sein Wunsch, es zur Aufführung zu bringen.

Die Kombination der Werke am Samstag jedoch war ungewöhnlich: Bevor den Dom die Klänge der Totenmesse mit Chor, Orchester und Solisten erfüllten, stand das Klarinettenkonzert in A-Dur KV 622 auf dem Programm. Mit diesem zum Großteil leichtfüßigen Werk wollte Egger augenscheinlich einen Kontrapunkt zum Thema „Tod“ setzen. Bei genauerem Hinsehen und Hinhören jedoch lässt sich mehr als eine Parallele zwischen den Kompositionen ausmachen. Die Entstehungszeit ist eine davon. So ist das Klarinettenkonzert in A-Dur ebenfalls in Mozarts letzten Lebenswochen entstanden und trifft damit zeitlich auf die Arbeitsphase am Reqiuem“. Und Egger kann trotz des fröhlichen Grundtons des Klarinettenkonzerts auch eine inhaltliche Verbindung hören. „Ich sehe auch in diesem Werk ganz viel Melancholie und Tiefe“, schwärmt der Leiter der Dommusik.

Und tatsächlich: Zwar ließ Klarinettist Adrian Krämer vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sein Instrument locker und verspielt die Tonleitern auf und ab laufen, ging in manchmal sogar frech anmutende Zwiegespräche mit dem Orchester und tänzelte auf dem Klangteppich, den das Orchester seinem Instrument bot. Und doch sind sie zu hören, die melancholischen Zwischentöne, die sich ganz subtil unter die Fröhlichkeit mischen.

Vor allem gegen Ende des ersten Satzes und im zweiten Teil bekommt diese Melancholie ihren Raum. Weich und zärtlich klang da Krämers Instrument, ein Kontrast zur jubelnd überschwänglichen Art zuvor. Und dann umhüllt das Orchester diese unterschwellige Traurigkeit der Klarinette, streichelt sie, antwortet voll Verständnis. Großartig, wie Egger die Dynamik des Stückes mit seinen Musikern herausgearbeitet hat.

Überhaupt sind die Ensembles und Solisten an diesem Abend zur Höchstform aufgelaufen, ist doch das Requiem ein anspruchsvolles Werk – musikalisch wie atmosphärisch. Man spürte die Freude der Musiker und Sänger, und man sah sieh ihnen an. Hier und da huschte ein Lächeln über die hoch konzentrierten Gesichter. Eggers Hände tanzten beim Dirigieren, die Musiker folgten seiner Führung sicher und punktgenau. Sie entführten ihr Publikum in eine Welt aus bombastischen, düsteren, wunderschönen und die Seele tief berührende Klängen. Einfach nur zuhören war da nicht möglich. Nein, der ganze Körper, jede Zelle war gefangen von diesen Tönen – mystisch, hypnotisch, bedrohlich, hoffnungsvoll, erleichternd.

Dass draußen der Wind heulte, und der Regen peitschte, während das Dom-Innere im Licht der Schweinwerfer glänzte und erfüllt war von den Klängen eines der wohl tragischsten und berührendsten Werke der klassischen Musik, machte den Abend zu einem Gesamtkunstwerk. Und vielleicht spiegelte ja das – wie auch die Kombination der beiden Werke – ein wenig von der Person Mozarts wieder: exzentrisch und unbeschwert, aber doch immer wieder eingeholt von Zweifel und Melancholie. Kein Zweifel bestand allerdings am Samstag über die Leistung der Musiker und ihres Chefs: herausragend.

Claudia Bauer

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