Das Risiko von Eingriffen an Kliniken prangerte der AOK-Bundesverband an. Für den Freisinger Klinikum-Chef Dr. Harald Schrödel eine „Diffamierung.“ Foto: dpa

Nach dem AOK-Report: Empörung am Klinikum

Freising - Die Mitarbeiter des Klinikums sind empört. Der Vorwurf der AOK, jährlich kämen Tausende von Patienten aufgrund von Behandlungsfehlern in Krankenhäusern zu Tode, sei eine „Diffamierung“. „Hier wird üble Nachrede aus politischem Kalkül betrieben“, sagt Geschäftsführer Dr. Harald Schrödel.

19 000 Todesfälle durch Klinik-Pfusch gebe es jährlich, schlug vor einer Woche der AOK-Bundesverband Alarm. Er griff allerdings auf eine acht Jahre alte Erhebung zurück, die noch dazu auf internationalen Studien basierte. Die damals ermittelte Fehlerzahl rechnete die AOK nun auf die aktuelle Zahl der Klinikfälle in Deutschland hoch. Da stecke „politisches Kalkül“ dahinter, diagnostiziert hier Klinikum-Geschäftsführer Harald Schrödel.

Er reagiert stinksauer auf den AOK-Report: „Die Mitarbeiter des Klinikums Freising leisten Tag für Tag über 24 Stunden eine Rund-um-Versorgung und setzen sich maximal für die Betreuung und Sicherheit der Patienten ein.“ Mit „rein spekulativen Zahlen“ beschädige nun der AOK-Bundesverband die Arbeit der Krankenhäuser und „schürt Ängste bei den Patienten“. Einen solchen Vertrauensbruch nehme die AOK offenbar bewusst in Kauf. Schrödel betont, dass die Zahlen der AOK jeder Grundlage entbehrten: „Eine acht Jahre alte internationale Studie als Basis zu nehmen und auf die aktuellen Behandlungszahlen in Deutschland hochzurechnen, ist unverantwortlich.“

Behandlungsfehler, auch solche mit Todesfolge, kämen in den deutschen Krankenhäusern vor, räumt Schrödel ein. Das Klinikum Freising habe jedoch gezielt Maßnahmen ergriffen, um so etwas zu verhindern. In den letzten Jahren seien dazu unter anderem folgende Regeln zur Patientensicherheit umgesetzt worden: Das Risikomanagement-System (CIRS) sorge dafür, dass durch ein anonymes Meldesystem im Klinikum Beinahe-Fehler und kritische Zwischenfälle der Patientenversorgung systematisch erfasst würden. Dann würden die Ereignisse analysiert und daraus Lösungsvorschläge erarbeitet. Im OP gebe es das „Time-Out-System“. Schrödel: „Dabei besprechen Ärzte und Pfleger vor dem Eingriff, ob die nötigen Vorkehrungen für die Operation getroffen wurden. Handelt es sich um den richtigen Patienten? Stimmt die zur Operation markierte Stelle? Sind alle wichtigen Instrumente vorhanden?“ Außerdem nehme das Klinikum an der Aktion „Saubere Hände“ teil, und es gebe viele Qualitätskonferenzen und festgelegte Regeln für den Umgang mit sicherheitsrelevanten Situationen.

Schrödel betont, „dass die Sicherheit in den Kliniken noch nie so groß war wie heute“. Um weitere Verbesserungen zu erreichen, müssten „die Krankenkassen auch die finanziellen Mittel für eine angemessene Personalausstattung und ein Qualitätsmanagement zur Verfügung stellen, anstatt den Sparzwang zu erhöhen und die Qualität anzuprangern“.

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