Verurteilt

Nach Attacken auf Polizisten und andere Flüchtlinge: Aggressiver Asylbewerber aus Freising unter Arrest

Er hat Polizisten attackiert und Mitbewohner einer Flüchtlingsunterkunft angegriffen. Jetzt war der 19-jährige Afghane noch an einer Schlägerei beteiligt – eine körperliche Auseinandersetzung zu viel.

Freising – Drei Anklagen wegen Schwarzfahrens, eine vierte wegen Körperverletzung waren in der Vergangenheit eingestellt worden. Jetzt saß der Afghane wegen drei weiterer Straftaten im Amtsgericht Freising.

Am Stachus in München hatte sich eine Gruppe afghanischer Asylbewerber am Abend des 21. März 2017 eine Prügelei mit Flüchtlingen anderer Nationalitäten geliefert – mittendrin der in einer Unterkunft in Freising lebende Angeklagte. Polizisten beendeten die Prügelei und eskortierten den 19-Jährigen in die Domstadt, wo er im Klinikum auf etwaige Blessuren untersucht werden sollte.

Doch auf der Fahrt verhielt er sich aggressiv, wie aus Zeugenaussagen hervorging. Deswegen sei er an Händen und Füßen gefesselt worden. „Er hat herumgeschrien und die ganze Zeit herumgezappelt“, erläuterte ein Beamter (31). Aus den Augenwinkeln habe der Polizist beobachtet, wie der Angeklagte trotz seiner Fesseln eine Kollegin attackierte. „Er hat zum Kopfstoß ausgeholt.“ Hätte der Polizist ihn nicht am Kragen zu fassen bekommen, hätte der Stoß die Kollegin getroffen.

In der Klinik lehnen sie die Behandlung des tobenden Mannes ab

Da der Afghane auch im Krankenhaus nicht zu beruhigen war, verweigerte das Personal die Behandlung. Er musste in eine andere Klinik gefahren werden. Später in der Haftzelle schlug er seinen Kopf gegen die Wand. Der Beamte konstatierte ein oft beobachtetes Verhalten unter Asylbewerbern. Aus Sorge vor Inhaftierung würde häufig mit Suizid gedroht. Der 19-Jährige kam in eine Psychiatrie.

Nachdem er bei einem weiteren Vorfall im Oktober erneut Polizisten beleidigt hatte, schlug er im Januar dieses Jahres auf einen Mitbewohner seiner Unterkunft ein. Der hatte auf das Rauchverbot im Sozialraum hingewiesen. Die Situation schien bereits geklärt, als der Angeklagte den Mitbewohner mit einem Messer bedrohte. Die herbeieilenden Polizisten beobachteten, wie der Afghane dann plötzlich kollabierte und von Krampfen geschüttelt wurde. Als er zu sich kam, drohte er mit Suizid, musste erneut untergebracht werden.

Der Richter findet deutliche Worte: „Das kotzt mich an!“

Vor drei Jahren kam der 19-Jährige allein ins Land, um sich, wie er sagte, „ein Leben aufzubauen“. Seitdem hat er kaum Deutsch gelernt, Sozialarbeiter finden keinen Zugang. Alkohol aus seiner Heimat nicht gewohnt, betrinkt er sich häufig, soll auch Drogen konsumieren. Die Vorwürfe bestritt er weitestgehend, schloss aber nicht aus, Beamte im Rausch beleidigt zu haben. Der Angeklagte verwies auf „psychisch-seelische Probleme“. Atteste könne er bei Bedarf vorlegen. Das Gericht verzichtete darauf, die Angaben zu prüfen. Die Ursache für den Krampfanfall vom 2. Januar blieb ungeklärt. Richter Boris Schätz verurteilte den 19-Jährigen zu sechs Monaten Bewährung und drei Wochen Arrest. Darüber hinaus fand er deutliche Worte: „Saufen, Krawall machen und jede Menge Krankenhauskosten, weil er ständig mit dem Kopf gegen eine Wand rennen muss. Das kotzt mich an!“ Beim nächsten Auftritt vor Gericht werde er ihn „für lange Zeit“ einsperren. Und weiter: „Ich glaube nicht, dass viele Leute weinen würden, wenn sie nach Hause fahren.“

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ozan Iyibas, ein Kandidat, der für Aufsehen gesorgt hat
Der Medienrummel um den Neufahrner CSU-Bürgermeister-Kandidaten Ozan Iyibas war enorm. Sogar Anne Will und Markus Lanz haben bei dem 37-Jährigen angefragt. Am Ende hat …
Ozan Iyibas, ein Kandidat, der für Aufsehen gesorgt hat
Mit Corona-Infizierten unter dem selben Dach: Apothekerin gibt Tipps
Wer mit einem Corona-Infizierten unter einem Dach lebt, sollte sich streng an Verhaltensregeln halten. Aber selbst Händewaschen ist nicht so simpel, wie man vielleicht …
Mit Corona-Infizierten unter dem selben Dach: Apothekerin gibt Tipps
Corona-Hotspots in Oberbayern: War das Rosenheimer Starkbierfest Grund für rasche Ausbreitung? 
Erding und Freising sind vom Coronavirus heftig betroffen. Noch schlimmer ist es allerdings im Kreis Rosenheim. Dort wird nun die Frage nach dem Warum lauter.
Corona-Hotspots in Oberbayern: War das Rosenheimer Starkbierfest Grund für rasche Ausbreitung? 
Coronavirus in Freising: Arbeitsagentur rüstet sich für Krise - Gelder fließen schnell
Das Coronavirus breitet sich im Landkreis Freising aus: Seit 29. Februar haben sich 448 Menschen infiziert, sieben sind gestorben. Auch die Wirtschaft wird leiden.
Coronavirus in Freising: Arbeitsagentur rüstet sich für Krise - Gelder fließen schnell

Kommentare