Urteil rechtskräftig

Nach blutiger Attacke: „Machetenmann“ aus Freising muss ins Gefängnis

Mit einer Machete hat ein 36-jähriger Kroate aus Freising auf einen Landsmann (32) eingeschlagen. Jetzt wurde der Mann zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Freising – Der Kurierfahrer kam quasi mit einem blauen Auge davon. Denn die Schwurgerichtskammer sah nach drei Verhandlungstagen lediglich eine gefährliche Körperverletzung als erwiesen an. Angeklagt war der „Machetenmann“ wegen versuchten Totschlags.

Der Bedrohte dreht den Spieß um

Die Geschichte ist kompliziert. Wie berichtet, war die Ex-Ehefrau (30) des späteren Opfers mit der gemeinsamen Tochter im März 2018 vorübergehend bei dem Angeklagten eingezogen. Der 32-Jährige soll sie und ihren „Beschützer“ daraufhin mit dem Tod bedroht haben. Am 14. April gegen 22.40 Uhr drehte der 36-Jährige den Spieß offenbar um. Er tauchte – nach einer offenbar gescheiterten Aussprache, die wenige Stunden zuvor stattgefunden hatte – an der Wohnungstür des Rivalen auf, schlug ihm ins Gesicht und griff ihn dann mit einer 46 Zentimeter langen Machete an – so jedenfalls die Staatsanwaltschaft. Dem Attackierten gelang es allerdings, die Waffe zu fassen und seinen Kontrahenten gegen die Wand zu drücken. Beide zogen sich Schnittwunden zu. Als der Angreifer noch ein langes Messer und ein Beil unter seinem Pullover hervorzog, flüchtete der 32-Jährige aus der Wohnung.

Zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte einen „Filmriss“ geltend gemacht. Er habe Beruhigungsmittel und Alkohol zu sich genommen und daher keine Erinnerung mehr an den Abend. Er schließe aber nicht aus, dass der ihm in der Anklageschrift vorgeworfene Tatablauf stimme. An der Amnesie-Version hatte der psychiatrische Sachverständige Dr. Bernd Weigel allerdings erhebliche Zweifel, zumal der 36-Jährige durch Alkohol- und Tablettenkonsum laut ärztlicher Untersuchung nur gering intoxiniert gewesen sei und bei der Polizei und später beim Ermittlungsrichter noch konkrete Angaben zum Tatgeschehen gemacht habe.

Staatsanwaltschaft plädierte auf Mord

Der 32-Jährige bestätigte das Tatgeschehen und beteuerte, beim Erscheinen seines Landsmanns völlig arglos gewesen zu sein. Er räumte auch ein, dass es im Scheidungskrieg mit seiner Ex-Frau immer wieder „Zoff“ gegeben habe und dass er nicht einverstanden gewesen sei, dass sie bei seinem Ex-Kumpel untergeschlüpft sei: „Der war ein Alki und ich hatte einfach Angst um unsere Tochter.“

Staatsanwältin Sigrid Kolano plädierte auf versuchten Mord: Die Macheten-Attacke sei heimtückisch erfolgt, der Kurierfahrer sei von Anfang an mit Tötungsvorsatz vorgegangen. Dafür spreche auch, dass er zusätzlich mit einem Messer und einem Beil bewaffnet gewesen sei. Verteidiger Gernot Lammel verwies auf viele ungeklärte Fragen und sah maximal einen versuchten Totschlag „im minder schweren Fall“ als erwiesen an.

Richter: Verletzungsfolgen waren überschaubar

Richter Markus Kring erklärte zwar, dass der Gedanke an einen Tötungsvorsatz nicht fernliege, letztlich aber nicht bewiesen sei. So sei ein Motiv im Dunkeln geblieben und vor allem auch nicht geklärt, was sich zwischen der Aussprache und der Attacke abgespielt habe. Bei der Tatwaffe habe es sich zudem nicht um eine klassische „Urwaldmachete“, sondern um eine viel kleinere und nur einseitig geschliffene Camping-Machete gehandelt. Im Falle einer Tötungsabsicht wäre das mitgeführte Messer effektiver gewesen. Das Strafmaß begründete der Richter damit, dass der Angeklagte zwar nicht geständig gewesen sei, dem Tatvorwurf aber auch nicht widersprochen habe. Zudem seien die Verletzungsfolgen beim Opfer überschaubar gewesen und folgenlos geblieben. Das Urteil ist rechtskräftig.

Zu anderen grausame Szenen kam es, als in Hannover ein Mann mit einer Machete auf den Ehemann seiner Bekannten losging, wie nordbuzz.de* berichtet.

Walter Schöttl

*nordbuzz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Armin Weigel

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