Was nun?

Nach dem Freisinger Bürgerentscheid: Meinungen gehen auseinander

  • schließen
  • Andreas Beschorner
    Andreas Beschorner
    schließen

Freising - Das Ergebnis war denkbar knapp, doch die Interpretationen über den Bürgerentscheid in Freising gehen weit auseinander. Während die einen ein Mandat für die Ansiedlung eines Großlogistikers im Gewerbegebiet sehen, steigen andere auf die Bremse.

51 Prozent haben sich am Sonntag für die Ansiedlung eines Großbetriebs in den Freisinger Clemensängern ausgesprochen (wir haben berichtet). Peter Geiger (CSU) ist mit dem Ergebnis zufrieden. Denn: „Ich bin froh, dass wir uns weiterentwickeln können.“ Ohne die Absage von Transgourmet wäre seiner Meinung nach die Zustimmung zur Änderung des Bebauungsplans größer gewesen. Und deshalb sei er „ein starker Befürworter“, sollte wieder ein Bewerber á la Transgourmet in der Stadt vorstellig werden. Denn: „Das wäre Geld gewesen, das wir für unsere Projekte gebraucht hätten.“ Daher belaste die Absage von Transgourmet auch die Haushaltsberatungen. Da müsse jetzt der Rotstift angesetzt werden – auch wegen der Grünen, die TransgourNEE unterstützt hätten.

Peter Warlimont (SPD), der sich als einer der ersten Stadträte als Transgourmet-Befürworter geoutet hatte, war überrascht vom knappen Ergebnis, sieht darin aber ebenfalls keinen Grund, den Kurs zu ändern. „Die Mehrheit entscheidet, auch wenn sie sehr, sehr knapp ist.“ Wäre das Ergebnis andersherum gewesen, hätten die Transgourmet-Befürworter sich von einer hauchdünnen Niederlage auch nichts kaufen können. Warlimont ist daher weiter offen für Großlogistiker.

Für Finanz- und Liegenschaftsreferent Ulrich Vogl (ÖDP) gibt es mit dem Bürgerentscheid zwar „rein formalistisch“ ein Mandat dafür, einen Großlogistiker anzusiedeln. „Ob das aber angesichts der hauchdünnen Mehrheit klug ist, halte ich für mehr als fraglich.“ Er plädiert dafür, Lösungen zu finden, die von 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung mitgetragen würden.

Vogl betont, dass man bei ausgewiesenen Arealen von 20 000 Quadratmetern schon mit dem jetzigen Bebauungsplan Großbetriebe bedienen könne. „Wir waren damit in den letzten fünf Jahren erfolgreich und werden es auch in den nächsten fünf Jahren sein.“ Sollte tatsächlich ein interessantes Unternehmen kommen, das ein größeres Areal brauche, etwa einen Büropark, sei er aber gesprächsbereit. „Es muss ja nicht gleich der größtmögliche aller Logistiker sein.“ Dass der Stadt viele Millionen an Grundstückseinnahmen verloren gehen, ist für Vogl kein Drama. Angesichts einer Liquiditätssumme von 70 Millionen Euro zahle man bereits Strafzinsen. „Wir brauchen das Geld in den nächsten zwei Jahren nicht.“

Planungsreferent Franz Bernack (FSM) trauert dem Geld schon hinterher. „Es wäre eine schöne Chance gewesen, einmalig große Einnahmen zu erzielen.“ Aber auch für ihn macht es keinen Sinn, den Bebauungsplan jetzt anzurühren. „Die Änderung wäre ja maßgeschneidert für Transgourmet gewesen.“ Das Gewerbegebiet werde auch mit den jetzigen Regularien nicht die nächsten 20 Jahre brachliegen, betonte er. „Es tut aber weh, dass der Aufwand, der mit Transgourmet verbunden war, letztlich keine Früchte trägt.“

Wie die Zukunft des Gebiets von Clemensänger II Ost aussehen könnte, das hat Sebastian Habermeyer (Grüne) skizziert: Wenn man den Bebaungsplan schon ändern dürfe, wie es eine denkbar knappe Mehrheit wolle, dann solle man das Gebiet doch „upgraden“ und nicht durch einen Logistiker abwerten. Sein Vorschlag: ein Mix aus Gewerbe und Wohnen. Da gebe es inzwischen gute Konzepte. Den Schuh, dass die Vermarktung der Grundstücke in dem Areal so schleppend verlaufe, ziehe er sich nicht an. Denn wer fordere denn seit Jahren eine richtig professionelle Liegenschaftsvermarktung? Wer? „Ich!“

Transgourmet hat sich derweil schon für einen anderen Standort entschieden. Gerüchte, der Lebensmittellogistiker gehe nach Erding, dementierte der dortige OB Max Gotz: „Stimmt nicht. Leider.“ Laut Freisings OB Tobias Eschenbacher siedelt sich das Unternehmen nun im Logistikpark in Fürstenfeldbruck an – direkt neben der Wohnbebauung. „Dort gibt es damit offenbar keine Probleme.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

(Fast) alle ächzen unter der Bruthitze
Freising ächzt unter der Hitze. Im Klinikum reißt seit Anfang der Woche die Versorgung von Kreislaufpatienten nicht ab. Im Baumarkt gibt’s einen Run auf Klimageräte – …
(Fast) alle ächzen unter der Bruthitze
Sie legen den Finger in die Wunde
Hochwasserschutz, Radwegbau und Baugrund für Familien: UBZ-Vorsitzender Karl Toth fordert, dass diese Themen mit mehr Druck vorangetrieben werden.
Sie legen den Finger in die Wunde
Ein „Neubau“ mit bewegter Geschichte
Sie ist eine kleine, aber feine Kirche – und sie hat eine lange Geschichte, die bis ins tiefe Mittelalter reicht: St. Valentin in Altenhausen. Der Nachfolgerbau feiert …
Ein „Neubau“ mit bewegter Geschichte
Unachtsamkeit kostet 4000 Euro
Keine Verletzungen, aber ein Blechschaden in geschätzter Höhe von rund 4000 Euro sind das Ergebnis eines kurzen Moments der Unachtsamkeit eines Mannes aus dem Landkreis …
Unachtsamkeit kostet 4000 Euro

Kommentare