Zum Tod von Reinfried Keilich

Ein persönlicher Nachruf: Er hat uns ein Fenster in eine andere Welt aufgestoßen

25 Jahre – so lange ist es her, dass uns Wolfgang Schnetz von der Laienbühne Freising den Kontakt zu Reinfried Keilich vermittelte.

Wir – Barbara Berger, Ursula Zobelt und ich, Carola Rosemarie Böhme, vom Weihenstephaner Theaterworkshop – waren damals auf der Suche nach maskentechnischer Unterstützung für unser erstes Theaterstück „Der Geizige“. So sind wir drei im Mai 1991 nach Helfenbrunn gefahren. Wir ahnten nicht, als Reinfried Keilich uns seine Tür öffnete, dass er uns ein Fenster in eine andere Welt aufstoßen wird. Wir ahnten nicht, dass es der Beginn einer lebenslangen Freundschaft werden sollte, die nun 25 Jahre später – ebenfalls im Mai – mit seinem für uns alle schmerzlichen Tod endete.

Wir hörten damals das allererste Mal von Naso-Labial-Falten, von Alongé-Perücken, Stocklocken und Kryolan. Die Exponate, die uns Reinfried zeigte, seine selbst geknüpften Perücken, die Fotos seiner Arbeiten, die Erlebnisse aus seiner eigenen Theaterzeit, sei es als Inspizient oder später als Maskenbildner am Residenztheater, sein Charme, sein Charisma, sein Wissen – das alles eroberte unser Herz im Sturm. Fortan waren wir die „Viererbande“, die sich auch außerhalb der offiziellen Theaterzeit immer traf.

Unsere Theaterproduktionen wären ohne Reinfrieds maskenbildnerische Unterstützung nur halb so erfolgreich gewesen. Gab doch die perfekte Maske uns Schauspielern die Möglichkeit, noch viel mehr in die Theaterrolle zu schlüpfen. Seine Arbeit war für uns alle von unschätzbarem Wert, vor allem wenn man weiß, dass er seine Arbeitsleistung nie in Rechnung stellte, sondern mit Freude selbstlos einer jungen Theatergruppe zur Seite stand. Mit seinem Team in der Maske – genannt seien Weggefährtinnen wie Luise Wegscheider, Martha Mayr oder Chrischa Hellmiss, aber auch der Nachwuchs wie vor allem Gabi Steger – hat er es verstanden, einen wunderbaren Kosmos aufzubauen.

Hier konnten wir uns inspirierende Ideen holen, von seinen spannenden Lebenserfahrungen profitieren oder auch gelegentlich theatralisch mit ihm streiten.

Reinfried war immer selbstlos in seinem Tun, davon erzählt auch der private Teil seines Lebens: So zog er für einen längeren Zeitraum ins Outback nach Australien, um die jungen Kinder seiner verstorbenen Schwester gemeinsam mit seiner Mutter aufzuziehen.

Er war auch selbstlos in seiner Gabe, Menschen an seiner Kunst und seinem Wissen teilhaben zu lassen. Nicht zuletzt als Autor, als er sich, bereits von Krankheit gezeichnet, aus dem aktiven Maskenbildner-Dasein zurückzog und hier nur noch beratend zur Seite stand. Reinfried war aber nie selbstlos in seinem Wunsch nach Anerkennung, Respekt, Freundschaft und Liebe.

Eine Ära ist zu Ende gegangen. Bleiben werden viele Erinnerungen an unvergessliche Stunden. Lieber Reinfried, danke, dass wir dich kennenlernen durften.

Wir von der Viererbande!

Uschi, Bärbel, Böhmi

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