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Soll geschützt werden: Der Brachvogel, der im Freisinger Moos brütet, ist vorm Aussterben bedroht.

Natura 2000

Umweltschutzprogramm weckt in Freising Ängste

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Freising - Nur noch rund fünf Prozent der ursprünglichen Moorflächen von Freising existieren. Im Rahmen des europaweiten Projekts Natura 2000 sollen die geschützt werden. Doch der Initiative schlägt auch jede Menge Skepsis entgegen.

Freising – Noch ist das Projekt Natura 2000 in Freising ganz am Anfang. Die Kartografen nehmen ihre Arbeit erst im Sommer auf. Doch trotzdem oder vielleicht gerade deshalb war die Skepsis am Mittwoch groß, als im Landratsamt Freising die Auftaktveranstaltung zur Erarbeitung der Management-Pläne stattfand. „Es geht darum, die Ängste vor Natura 2000 zu nehmen“, betonte Thomas Eberherr von der Regierung von Oberbayern, die federführend für die Projekte in Freising verantwortlich ist. Landrat Josef Hauner fügte als Gastgeber hinzu: „Es ist ein großes Anliegen, gefährdete Lebensräume und Arten zu schützen.“ Dazu sei ein gemeinsames Handeln wünschenswert. Etwas mehr als 40 Interessenten ließen sich über das Projekt informieren – neben Vertretern von Fachbehörden auch Landwirte, Jäger und Grundstücksbesitzer.

Natura 2000 ist ein europaweites Biotopverbundnetz, bestehend aus FFH- und Vogelschutzgebieten. Zwei Flächen, die Freising betreffen, wurden darin aufgenommen: das Vogelschutzgebiet „Freisinger Moos“ und das FFH-Gebiet „Moorreste im Freisinger und Erdinger Moos“. Ein drittes Habitat in der Region, das Erdinger Moos, soll erst 2018 angepackt werden. Die beiden anderen Areale bestechen durch Lebensräume, in denen seltene Lebewesen zu Hause sind. So brütet etwa der vom Aussterben bedrohte Große Brachvogel im Freisinger Moos. Der Kiebitz balzt hier. Aber auch Libellen, Schmetterlinge und andere Lebewesen mit illustren Namen wie der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling leben hier. „Wir haben eine große Verantwortung, unser heimisches Naturerbe zu erhalten“, betonte Heinz Stellwag von der Regierung. Im Gegensatz zu Naturschutzgebieten handelt es sich bei Natura-2000-Arealen nicht um ein zusammenhängendes Habitat, das komplett unter Schutz steht, sondern um einen Flickenteppich von mehr oder weniger relevanten Flächen, wie Anne Meyer von der Regierung ausführte. Im Rahmen des Managementplans soll nun aufgedröselt werden, welche Habitate schützenswert sind, und in welchem Zustand sie sich befinden. „Das ist unsere Basis, um anschließend Maßnahmen vorschlagen zu können.“ Wichtig: Für Behörden sind diese verbindlich. Für private Grundeigentümer haben sie nur Hinweischarakter. Die Umsetzung von Vorschlägen ist freiwilliger Natur. Eines gilt aber auch für die Landwirte: das Verschlechterungsverbot.

„Was bedeutet für Sie eine Verschlechterung der Flächen?“, wollte der Giggenhauser Grundstücksbesitzer Hubert Moosrainer wissen. Meyer erklärte ihm, dass ihn das nur betreffe, wenn eine seiner Flächen im Rahmen der Planung tatsächlich zum schützenswerten Habitat erklärt werde. Sei das der Fall, könne er die Bewirtschaftung nach guter fachlicher Praxis fortsetzen. Eine Intensivierung der Nutzung, etwa durch eine Erhöhung der Düngemaßnahmen oder mehr Schnitte pro Jahr, sei ihm dann allerdings untersagt. „Denn das wäre eine Verschlechterung.“

Moosrainer betonte, dass Landwirte damit einen Wertverlust in Kauf nehmen müssten. Meyer entgegnete, dass es zur finanziellen Entschädigung staatliche Fördertöpfe gebe. Anton Mitterer vom Amt für Landwirtschaft forderte daraufhin, die Bauern „gezielt und haarscharf“ darüber zu informieren, inwieweit sie von Natura 2000 betroffen sind.

Auch die Stadt Freising tangiert das Projekt. Sie besitzt Ausgleichsflächen im Moos, die künftig nicht nur dem Hochwasserschutz dienen sollen, sondern auch der Naherholung. Doch das steht dem Brutschutz der Vögel entgegen. Elisabeth Lex-Wagner vom Bau- und Planungsreferat betonte, dass es für die Stadt wichtig sei, möglichst schnell Ergebnisse zu erhalten. Manfred Drobny vom Bund Naturschutz prophezeite: „Wenn die Leute nicht ins Moos dürfen, wird es große Akzeptanzprobleme geben.“

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