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Diese Woche geht‘s los: Ab Donnerstag können Bürger in ganz Bayern für das Volksbegehren Artenvielfalt unterschreiben. (Symbolbild)

Am Donnerstag geht‘s los

„Sehr dramatische Situation“: Naturfilmer betont, warum Volksbegehren für Freising so wichtig ist

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Ab Donnerstag kann man sich für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ eintragen. Wolfgang Willner ist Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz und Naturfilmer. Er erklärt, wie dramatisch die Situation im Kreis ist.

Landkreis – Diese Woche geht’s los: Ab Donnerstag, 31. Januar, können Bürger in ganz Bayern für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unterschreiben. Einer, der sich eintragen wird, ist Wolfgang Willner, 59, aus Moosburg, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz. Im FT-Gespräch berichtet der Naturfilmer und Fachautor, der sich auf Insekten spezialisiert hat, wie dramatisch die Situation im Landkreis Freising ist, warum das Volksbegehren so wichtig ist, und was er sich davon erhofft.

Herr Willner, gibt es überhaupt noch eine Chance, das Artensterben zu stoppen?

Ja, wenn wir jetzt endlich anfangen, gegenzusteuern. Seit Beginn der 1990er Jahre ist die Biomasse bei Fluginsekten um 76 Prozent zurückgegangen. Das hat der Entomologische Verein Krefeld in einer groß angelegten Studie herausgefunden. Damit das nicht noch schlimmer wird, hoffen wir vom Bund Naturschutz auf das Volksbegehren. Wenn es endlich ein Gesetz gibt, kann sich etwas ändern. Dann gibt es einerseits von staatlicher Seite mehr Förderung für biologische Landwirtschaft, und andererseits rückt dieses wichtige Thema stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung.

Wie dramatisch ist die Situation im Kreis Freising?

Sie ist tatsächlich sehr dramatisch. Wenn wir Landschaftsschutzgebiete wie die Isar- und Amperauen, das Freisinger Moos und einige wenige weitere Naturschutzgebiete wie den Freisinger Buckl nicht hätten, wäre es schlecht bestellt um unsere Insektenvielfalt. Eine Verbesserung war in den vergangenen Jahren allerdings nicht zu sehen, ganz im Gegenteil.

In der Natur zu Hause: Wolfgang Willner hat sich als Naturfilmer und Fachautor auf Insekten spezialisie rt. 

Warum hat sich die Situation verschlechtert?

Da kommt eine Reihe von Faktoren zusammen. Abgesehen vom Klimawandel ist eines der Hauptprobleme die Landwirtschaft, die seit etwa 15 bis 20 Jahren zunehmend stark industrialisiert und intensiviert ist. Dazu kommt der enorme Einsatz von Dünge- und Spritzmitteln auf den Feldern. Blütenpflanzen und viele Insekten haben so kaum mehr eine Chance.

In der Region um Freising spielt sicher auch der Flughafen eine Rolle.

Natürlich. Der Flughafen bedingt durch das damit einhergehende Wachstum an Arbeitsplätzen einen enormen Zuzug und verursacht ein stetig zunehmendes Verkehrsaufkommen, damit weiteren Bedarf an Verkehrsflächen und hat auch eine Reihe weiterer negativer Folgen. Was den Flächenverbrauch in Deutschland angeht, stehen Freising und der gesamte Ballungsraum um München an der Spitze. Der Bau einer dritten Startbahn ist nach wie vor nicht endgültig vom Tisch. Wie die Natur und wertvolle landschaftliche Flächen hier und in den Nachbarlandkreisen mit Logistikhallen und Gewerbegebieten zubetoniert wird, ist beispielhaft für die ganze Republik.

Was muss sich jetzt ändern?

Bis auf die wenigen Gebiete, die unter Naturschutz stehen, gibt es für Insekten kaum mehr Reservate zur Nahrungsaufnahme und Reproduktion. Wir müssen den Flächenverbrauch eindämmen. Gerade der Gewerbebau ist im Landkreis Freising extrem hoch. Außerdem muss man anfangen, in der Landwirtschaft gegenzusteuern – weg von Spritzmitteln, weg von extremer Intensivierung und Monokulturen, hin zu mehr Diversität und angepassten, insektenfreundlicheren Pflanzenansaaten, die auch dem Klimawandel trotzen können. Das Volksbegehren kann eine Menge dazu beitragen, die auch für uns so überlebenswichtigen Ökosysteme in Zukunft funktionsfähig zu erhalten.

Gut zu wissen

Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz lädt für Donnerstag, 31. Januar, zum Vortrag „Schätze der Natur – Artenvielfalt retten“ von Dr. Christine Margraf mit Diskussion und Infos zum Volksbegehren ein. Der Abend beginnt um 20 Uhr im ASZ Eching.

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