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Innungs-Obermeister Thomas Grundner findet es schade, dass das Handwerk seinen Reiz verliert – und sieht die Schuld auch bei Eltern.

Negativer Trend 

Bäckerberuf muss kämpfen

Bäckereien haben es zunehmend schwer – das hat sich zuletzt in Vötting, Langenbach und Kranzberg gezeigt. Eingesessene Bäcker mussten ihre Geschäfte schließen – ein Trend, der dazu führt, dass der Beruf des Bäckers inzwischen vom Aussterben bedroht ist.

Landkreis – Juli 2016 ist es soweit: Bürger des Freisinger Ortsteils Vötting haben keinen Nahversorger mehr am Ort. Die Bäckerei Vieregg schließt ihre Pforten. Nur zwei Monate später trifft es Kranzberg: Dieter Stiele muss seine Bäckerei schließen – und schließlich, zum Jahreswechsel, gibt auch das Backhaus Welter in Langenbach auf. Umsatzgründe, mangelnder Nachwuchs – Gründe für den Schwund an Betrieben gibt es viele.

Das kann Innungs-Obermeister Thomas Grundner nur bestätigen. Der Bäckermeister mit langjähriger Berufserfahrung kennt die Gründe für die schwierigen Zeiten: „Das Problem sind zwei Dinge: zum einen der Nachwuchs, zum anderen die Bequemlichkeit der Menschen.“ Der Beruf des Bäckers reize die jungen Leute nicht mehr so, wie es früher einmal der Fall war. Grundner hat kein Verständnis dafür, dass Eltern ihren Sprösslingen das Handwerk – auch allgemein – regelrecht ausreden. Er versteht nicht, was am Beruf des Bäckers, trotz Strapazen wie dem frühen Aufstehen, so schlecht sein soll. „Ich steh seit Jahrzehnten um halb drei in der Früh auf, man gewöhnt sich daran. Und wenn man dann das Ergebnis durch zufriedene Kunden sieht, wird der Aufwand direkt belohnt.“

Das zweite Problem sei laut Grundner die Bequemlichkeit der Menschen, die möglichst schnell, billig und bequem ihren Einkauf erledigen möchten. „Da lohnt es sich für den Kunden nicht mehr, extra für ein paar Semmeln noch mal weiter zu fahren, wenn es Backwaren auch im Discounter gibt. Das ist auf der einen Seite zu verstehen, auf der anderen Seite kommen sie dann am Wochenende doch gerne, um für ein nettes Frühstück einzukaufen.“

Wochenendbetrieb allein reicht nicht aus

Doch Wochenendbetrieb reicht natürlich nicht aus, um eine Bäckerei wirtschaftlich rentabel zu führen. Der ständige Druck, besser und attraktiver als die großen Ketten zu sein, macht den Beruf natürlich nicht leichter, erklärt Grundner – auch wenn der Qualitätsunterschied zwischen den Bäckereien und den Discountern enorm ist. Es spiegelt sich auch im Preis wider – im Großhandel ist eine Breze eben doch deutlich günstiger als beim traditionellen Bäcker um die Ecke. Doch das hat seinen Grund: „Meine Backwaren sind nach drei Tagen nicht mehr gut, das liegt am natürlichen Teig. Bei den Discountern sind die noch länger essbar. Ich möchte aber nicht wissen, was da alles an Chemie in die Produkte dazugetan wird“, erklärt Grundner.

Für den Innungs-Obermeister ist es wichtig, dass die Attraktivität des Berufs bei den jungen Leuten wieder ankommt. Er versteht auch, dass das finanzielle Argument – im Vergleich zu BMW zum Beispiel, wo man einen hohe Jahreszuschüsse bekommt – nicht unbedingt zieht und sich die jungen Menschen deshalb eher in solche Richtungen orientieren. Traurig für Grundner: „Die Handwerksberufe verlieren den Reiz. Das ist ein Trend, der der Handwerksbranche aber nicht gerecht wird.“

Grundner weiß aber, dass man sich im Bäcker-Handwerk, neben der höheren Qualität, richtig verwirklichen kann: „Mir ist es wichtig, dass Zeichen gesetzt werden, um genau darauf wieder aufmerksam zu machen. Junge Leute haben in unserer Branche Perspektive und Möglichkeit zum kreativen Arbeiten – Discounter können das nicht bieten.“

Lucas Sauter Orengo

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