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Eien neue Sichtweise auf den Freisinger Bischof Korbinian vermittelten im Döpfner-Haus Stephan Mokry, Prof. Lothar Vogel und Diplom-Theologe Florian Heinritzi (v. l.).

Neue Vortragsreihe am Domberg: Der Heilige Korbinian im Fokus

Vom Bären als Symbol verabschieden

Korbinian war der erste Freisinger Bischof. Er hat auf seiner Reise durch die Alpen einen Bären gezähmt und ihn sein Gepäck tragen lassen. Das weiß in Freising jedes Kind. Aber was ist Dichtung und was Wahrheit? Mit dieser Frage setzte sich zum Auftakt der neuen Vortragsreihe „Theologie im Kontext“ der evangelische Theologe Lothar Vogel auseinander.

Freising – Die gut besuchte Auftaktveranstaltung der vom Kreisbildungswerk Freising und der Stiftung Bildungszentrum im Kardinal-Döpfner-Haus initiierten Vortragsreihe im roten Saal, stieß auf reges Interesse. Erklärtes Ziel der Reihe ist es „Domberggestalten - Gestalter des Dombergs“ in den Blick zu nehmen, ihr Leben und Werk neu zu beleuchten.

Da kam das Referat von Vogel unter dem „Korbinian in Freising – nur eine Legende?“ wie es scheint gerade recht. Im Anschluss an den Vortrag fanden bei Brot und Wein lange Gespräche mit dem Referenten statt.

Grund für Nachfragen gab es genug, denn Vogel hatte inhaltliche Widersprüche in der Heiligenvita, die Bischof Arbeo um 770 über sein verehrtes Vorbild Korbinian verfasst hatte aufgezeigt. Als Grundlage diente eine Doktorarbeit, die er zur Vita von Korbinian verfasst hatte. Der evangelische Theologe wendete dazu Methoden an, wie sie Bibelwissenschaftler nutzen, um alte oder authentische Überlieferungen über Jesus zu entdecken. Und so konnte Vogel einige Textabschnitte in der Vita identifizieren, die besonders ursprünglich scheinen.

Demzufolge ließen sich die von Dichter-Bischof Arbeo berichteten Aktivitäten Korbinians nicht hundertprozentig und im Wortlaut der Heiligenvita historisch bestätigen. Man habe es stattdessen mit mündlichen Überlieferungen und Erzählungen zu tun, die ganz im Stil der Zeit, oft am Vorbild schon vorhandener Heiligen-Lebengeschichten wie zum Beispiel derjenigen des Heiligen Columban und vom Volksmund ausgeschmückt wurden.

Ganz im Sinne der wissenschaftlichen Diskussion legte Vogel schließlich seine Hypothese zu Korbinian vor. Er lässt ihn ursprünglich aus dem Raum des Etschtals in Südtirol stammen, wo er auch nahe Meran begraben wurde, und sieht seine spätere Verortung aus der Gegend von Paris als absichtsvolle Gestaltung Arbeos an.

Die „Wanderlegende vom Bär“ relativierte Vogel dahingehend, dass sie nicht die einzige ihrer Art sei und auch erst auf eine relativ späte überarbeitete Version der Vita Korbinans zurückzuführen sei. Vogel sprach von einer Legende, die erst etwa 200 Jahre nach dem Tod Korbinians entstanden und verbreitet worden sei. Deshalb müsse man sich vermutlich von dem Bären als Symbol „für heute Abend verabschieden“, schloss Vogel.                                              Alexander Fischer

Gut zu wissen

Den nächsten Vortrag hält Domkirchenrektor Professor Marc-Aeilko Aris am Mittwoch, 16. Mai um 19 Uhr im Kardinal-Döpfner-Haus, der Eintritt beträgt zwölf Euro. Thema ist Dichter-Bischof Arbeo.

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