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Die bayerische Bildungspolitik nahmen Isabel Rambowsky und Felix Kirchmann in ihrer Abiturrede aufs Korn.

Finale am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium

OMG – der Name verpflichtet

Wenn es die Abiturzeugnisse gibt, strahlen alle: Schüler, Eltern und Lehrer. Es gibt Lob, Anerkennung – und am Ende das ersehnte Reifezeugnis als Höhepunkt und Ende der schulischen Karriere. Am Neufahrner Oskar-Maria-Graf-Gymnasium (OMG) hörte man aber auch nachdenkliche Worte.

Neufahrn Schulleiter Franz Vogl teilte mit den Abiturienten auch seine Sorge um die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland. Er erinnerte einmal mehr an den Namensgeber der Schule, Oskar Maria Graf, der sich auch nach 1945 dem Dialog mit Menschen verweigerte, die sich mit den Nationalsozialisten in Deutschland arrangiert hatten. 51 Jahre nach dem Tod des bayerischen Exil-Schriftstellers betonte der Direktor die Vorbildrolle Grafs. „Heute stehen wieder die auf der Bühne, deren Weg nur ins Verderben führen kann“, sagte der Schulleiter. Franz Vogl griff vehement die AfD an, deren Parteichef Alexander Gauland die Nazi-Zeit als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte bezeichnet hatte. Es sei „unsäglich“, sagte Vogl, „dass gewählte deutsche Volksvertreter so etwas im Bundestag sagen.“ Er hoffe daher auf gebildete junge Menschen, die solche Entwicklungen stoppten in dem Wissen, dass der Rechtsstaat richtig und verteidigenswert sei.

Mit Blick auf den Jahrgang 2017/18 stellte Vogl stolz fest, dass alle 67 Prüflinge bestanden hätten und die Durchschnittsnote mit 2,30 recht passabel sei. 54 Schüler hatten mindestens eine Zwei vor dem Komma, 23 sogar die Eins und zehn schafften das Abitur mit den Durchschnittsnoten 1,0 bis 1,5. Gestartet seien in der fünften Klasse allerdings 113 Schüler, die alle die Hochschulreife erreichen wollten. „Manche hatten nicht die ausreichende Bereitschaft für diesen beschwerlichen Weg“, sagte Vogl.

Die Schüler nahmen in ihrem Beitrag die bayerische Bildungspolitik aufs Korn. Isabel Rambowsky betonte in der mit Felix Kirchmann gemeinsam gehaltenen Abiturrede, dass man dank des wechselfreudigen bayerischen Bildungsministeriums alle G 8-Jahrgänge in der Geschichte des Neufahrner Gymnasiums kenne: „Als wir kamen, ging gerade der letzte G 9-Jahrgang. Jetzt gehen wir und der der G 9-Jahrgang kommt wieder.“ Die Schüler blickten witzig-frech auf ihre mindestens acht Gymnasiumsjahre zurück. „Anfangs haben wir einen Baum gepflanzt“, witzelte Felix Kirchmann, „aber der ging schon nach zwei Wochen wieder ein.“ In der zehnten Klasse habe es eine legendäre Berlin-Fahrt gegeben, nach der es wegen des Druckens mehrerer Verweise an der Schule eine Erhöhung des Kopiergeldes gegeben habe. Die beiden Schüler verbanden ihren Rückblick mit der Hoffnung, dass sich die 67 Abiturienten dieses kleinen Jahrgangs auch künftig nicht ganz aus den Augen verlieren.

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