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Neujahrsempfang des Hotel- und Gaststättenverbands in Freising

Bürokratie „stranguliert“ die Wirte

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Die Bayerische Wirtshauskultur soll immaterielles Weltkulturerbe werden. Das ist kein Witz, sondern ist bierernst gemeint. Ebenso wie das Klagen der Gastronomen über das Wirtshaussterben und über zu viel Bürokratie.

Freising – Angela war da. Nicht die Merkel Angela, sondern die Inselkammer Angela, ihres Zeichens Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG). Beim Neujahrsempfang des Bezirks Oberbayern war Angela Merkel dann aber doch irgendwie im Freisinger Hofbrauhaus anwesend. Grund: Die Ergebnisse der Sondierungsverhandlungen in Berlin und überhaupt die Politik – auch in Bayern – waren zentrales Thema des Treffens der oberbayerischen Gastronomen gestern.

Angela Inselkammer

Stammtische, da war man sich einig, sind wichtig. Zumindest sollte es wieder mehr Diskussionen an den Biertischen geben statt sich auf oft niedrigem Niveau auf den sozialen Plattformen auszutoben, so OB Tobias Eschenbacher in seinem Grußwort. Das sagte auch der Bezirksvorsitzende des BHG, Franz Bergmüller. Der hätte sich mit Blick auf die Verhandlungen zu einer Regierungsbildung in Berlin weniger statt mehr gewünscht. Denn manchmal sei es besser, bestimmte Dinge so zu belassen statt mit zusätzlichen Regelungen „ein neues Fass aufzumachen“. Wichtig sei ein Zuwanderungsgesetz, mit dem man dem gravierenden Fachkräftemangel – vor allem bei Köchen – entgegenwirken könne. Denn dieses Problem sei tatsächlich existenzbedrohend für die Wirte in Bayern. Und noch etwas bedrohe die Gastronomie: die Bürokratie. „Wenn wir weiter so stranguliert werden, dann sterben die Wirte in den Dörfern“, warnte Bergmüller.

Inselkammer stieß, bevor es Weißwürste und Brezn gab, in dasselbe Horn: „Irgendwas“ müsse man jetzt mal in Berlin und Bayern erreichen, um das schleichende Wirtshaussterben aufzuhalten. Die bayerische Wirtshauskultur sei schließlich ein Stück „unserer Identität und Lebensqualität“. Inselkammer hoffte, dass die Bemühungen, die Wirtshauskultur zum Unesco-Weltkulturerbe zu erheben, von Erfolg gekrönt seien.

Auf eine Große Koalition in Berlin setzte Inselkammer da wenig Hoffnungen. Wäre es eine schwarz-gelbe Regierung geworden, so hätte man hinter einige Forderungen „einen Haken setzen“, können sagte die Präsidentin. Aber wenn SPD oder Grüne mit dabei seien, dann sei sie da wenig optimistisch – beispielsweise bei einer Änderung des Arbeitsschutzgesetzes. „Man steht oft da und fragt sich, warum das nicht in denen ihr Hirn reingeht“, schilderte sie Gespräche mit Genossen oder Grünen. Das gelte auch für jegliche Forderungen des Bürokratieabbaus. Was da unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes an Vorschriften und Reglementierung das Wirtesterben forciere, sei nur schwer zu begreifen. Dabei, so Inselkammer, sei die Gastronomie doch „das Herz und die Seele unseres Landes“.

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