Diakonie will helfen

Neun Personen auf 20 Quadratmeter: Syrische Familie lebt zusammengepfercht in Freising

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Drei Jahre lang hat Al Massri seine Familie nicht mehr gesehen. Umso größer war die Freude bei dem Syrer, als seine Frau und die sieben Kinder im September endlich nachkommen durften. Doch die Familienzusammenführung hat auch zu neuen, bedrückenden Sorgen geführt.

Freising – Drei Jahre lang hat Al Massri seine Familie nicht mehr gesehen. Umso größer war die Freude bei dem Syrer, als seine Frau und die sieben Kinder im September endlich nachkommen durften. Doch die Familienzusammenführung hat auch zu neuen, bedrückenden Sorgen geführt.

Die Familie von Al Massri stammt aus der Provinz Daraa im Süden Syriens. „Hier begann 2011 der Aufstand gegen das Assad-Regime. Seitdem wird in dieser Region fast ununterbrochen heftig gekämpft“, berichtet Beate Drobniak, Vorsitzende der Diakonie, die sich um die Familie kümmert. Vor drei Jahren floh Al Massri aus Syrien, seit zwei Jahren lebt er in Freising. „Er hat alles getan, um für sich und seine Familie eine neue Existenz aufzubauen“, sagt Drobniak.

Die Diakonie kennt viele schwere Schicksale, das hier aber ist besonders hart

Seit der Familienzusammenführung leben die Eltern und die sieben Kinder in einer 20-Quadratmeter-Wohnung. Die Suche nach einer größeren Unterkunft war bislang erfolglos. „Wir haben alles versucht, alle nur möglichen Stellen wurden eingeschaltet“, berichtet Drobniak. Der Diakonie-Vorsitzende ist nur zu bewusst, wie umkämpft der Wohnungsmarkt in Freising ist, wie viele Menschen nach einer bezahlbaren Unterkunft suchen. „Wir versuchen da – in enger Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Landkreis – allen zu helfen, auch vielen Deutschen“, sagt sie. „Die Diakonie Freising kennt viele Schicksale, aber diesen Fall findet sie extrem bedauernswert – gerade da die Familie alles unternimmt, um hier Fuß zu fassen.“

Der Vater verschiebt eine dringende OP, weil er keinen Platz zum Liegen hat

So habe der Vater in Freising einen Busführerschein gemacht, eine Arbeit als Busfahrer gefunden und sei dann aus der Flüchtlingsunterkunft in eine eigene kleine Wohnung gezogen. Die Kinder seien bereits in Freising eingeschult, ein Kindergartenplatz für das jüngste Kind wurde ebenfalls gefunden. Alles wäre gut, wenn diese beengte Wohnsituation nicht wäre. „Neun Menschen auf gerade einmal 20 Quadratmeter – das ist auf Dauer unerträglich“, betont Drobniak. „Die Familie steht unter enormen Druck.“ Niemals Privatsphäre zu haben, sich nie zurückziehen zu können, sei – gerade für die älteren Kinder – eine große Belastung.

Nicht nur für sie. „Eigentlich müsste der Vater dringend operiert werden“, berichtet die Diakonie-Leiterin. „Aber er verschiebt immer wieder den Termin.“ Der Grund: Nach dem Eingriff müsste er im Bett liegen, aber in der Wohnung ist nicht genügend Platz. „Und in eine Unterkunft kann die Familie nicht ziehen. Denn nach dem freiwilligen Auszug von Herrn Al Massri ging der Anspruch, dort zu wohnen, auch für die nachgezogene Familie verloren.“

Gut zu wissen

Die Diakonie bittet um Mietangebote unter Tel. (0 81 61) 40 29 80 11.

Rubriklistenbild: © Diakonie

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