Routinierte Vielseitigkeit trifft auf genüsslich ausgelebte Leidenschaft: Die „Shakers“ mit (v. l.): Joris de Cock, Max Kirchmaier, Ulli Wunner, René Haderer, Johannes Wunner und John Brunton.

Comeback der „Storyville Shakers“

New Orleans an der Isar

Die Legende lebt. Und wie! Die „Storyville Shakers“, dereinst eine Institution in der lokalen Jazzszene, feierten jetzt im Furtner ein Comeback der Extraklasse – nach zehn Jahren. Etwas umbesetzt zwar, aber mit dem gleichen Elan.

Freising – Es war mehr als nur ein Hauch von New Orleans, der hier durch das Nebenzimmer wehte. Frontmann Uli Wunner (Saxophon, Klarinette) und seine Band schöpften aus dem Vollen eines Repertoires, das von Kleinodien, von Standards und Interpretationen nur so strotzte. Noch dazu unterstützt von Stargast Joris de Cock, einem Trompeter, der Erinnerungen an Louis Armstrong wach werden ließ.

Sehr zur Freude eines Publikums, das zum Teil aus alten Tagen, zum Teil auch aus den Reihen jüngerer Anhänger stammte. Will heißen: Es wurde kräftig das Tanzbein geschwungen – oder zumindest ordentlich mitgewippt.

Auf ihren Stühlen ausgehalten haben es auch de Cock und Wunner nicht lange. Immer wieder standen die beiden Bläser auf, lieferten sich tonale Scharmützel, oder sie ließen ihre Instrumente im Gleichklang ertönen – was überaus gut war für den Druck und die Dynamik.

Die Sidemen trugen das Ihrige dazu bei. Schlagzeuger Max Kirchmaier kam ganz schön ins Schwitzen bei dem Wirbel, den er machte. Ganz zu Schweigen vom nasal und nostalgisch angelegten Gesang, den er bisweilen beizusteuern wusste. Am Piano saß mit Johannes Wunner ebenfalls ein Urgestein der „Shakers“. Ein Routinier, der die Fans mit fingerfertigen Soli zu verwöhnen wusste.

Bliebe noch eine junger Wilder am Bass zu nennen. Rene Haderer, ein „Jazzpirat“, der sich mit der gleichnamigen Fusion-Band bereits einen Namen gemacht hat. Nicht zu vergessen Gitarrist John Brunton, ein Saitenkünstler, der normalerweise mit der Brasil-Formation „Beleza“ auf der Bühne steht.

Derart gut aufgestellt ließen es „The Storyville Shakers“ bereits im ersten Set alles andere als ruhig angehen. Die kleine Verschnaufpause nach dem ersten Set hatten sich dann beide – sowohl Band als auch Publikum – verdient. Kaum zu glauben, was man aus einer Rock’n’Roll-Nummer wie „I’m Walkin’“ von Fats Domino alles machen kann.

Schön zu sehen auch, wie man in der nahegelegen Q-Bar die Köpfe zusammensteckte, und sich Gedanken über die Stücke des zweiten Teils dieses „Revival“-Konzerts machte. Eines Auftritts, der Lust auf mehr macht und einmal mehr ein Beweis dafür ist, wie vielseitig das Genre ist und wie gewinnend und genial die „Shakers“ damit umzugehen wissen. Bleibt nur zu hoffen, dass es eine Neuauflage der kleinen Revival-Tour der „Shakers“ gibt, die sie an Pfingsten unter anderem nach Seeon an den Chiemsee führte.

Alexander Fischer

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