Clemens Ripp steht vor einem Baum
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Mit seinen gefühlvollen Songs bedient er eine anspruchsvolle Insel im seichten Musik-Tümpel: Clemens Ripp.

Der Freisinger Musiker Clemens Ripp arbeitet unermüdlich an seiner Karriere

Nicht aufgeben, nicht anpassen

Mit seinen gefühlvollen Songs bedient er eine anspruchsvolle Insel im seichten Musik-Tümpel: Clemens Ripp aus Freising.

Freising – Seine Songs beherbergen jene gewisse Laurel- Canyon-Verve, der bis heute nostalgisch spürbar ist bei den Säulenheiligen der Folk-Szene, ob nun bei Neil Young, Joni Mitchell oder beim frühen Bob Dylan. Dem Freisinger Musiker Clemens Ripp gelingt diesbezüglich eine liebevolle Hommage und noch viel mehr: Ripp schreibt ganz wundervolle Songs.

Über 80 Songs geschrieben

Grundsätzlich liegt auch ein Hauch der Hamburger Schule in seinen Liedern, etwas vom Flair der TV-Noir-Sessions – aber dazu im Gegensatz singt Ripp in englischer Sprache, auch weil es ihm nach eigenen Angaben leichter fällt, die Texte fremdsprachig zu verfassen. Damit sind seine Songs wie „Awake, Awake“ natürlich auch viel näher am Ursprung der Folk-Tradition, die er ja bestens bedient, immer ohne affektiert zu sein oder in der losen Kopie verharrend. Es ist auch die dunkelblaue Melancholie, die galant zur Dramatik seiner Werke passt und die er geschickt zu seiner Stimme nutzt: das Leben als stetige Frage des Seins abbildend. So hat der 24-Jährige tatsächlich schon um die 80 Songs geschrieben über die klassischen Themen des anspruchsvollen Songwritings: Liebe, Leiden und Abschied nehmen.

Das zentrale Thema

Aber auch die Kunst selbst ist ein zentrales Thema im Leben des Germanistik-Studenten: Ob nun in der Literatur wie mit E.T.A. Hoffmann oder in Filmen wie „Der Pianist“ – Ripp umschifft das Oberflächliche, gibt sich immer auf die Suche nach den Herzschlägen des Fundamentalen. Gespiegelt wird diese Sehnsucht nach dem Wahren in seinen Liedern, die er für das erste Album unter dem eindrucksvollen Titel „Assorted Sad Songs For Hilarious Occasions“ versammelte: Der Wanderprediger Ripp glänzt dabei als Songwriter in allen Facetten der Herbst-Sonaten. Sein „I´m not allright“ ein zarter Hinweis auf Sonnenschein inmitten von Gewitterstürmen, das „A Loving Man“ ein ganz wunderbarer Soundtrack für nach Mitternacht, filigran illustriert mit feinen Nuancen. Nicht minder mitreißend das Nachfolge-Album mit drei Songs, die konsequente Fortführung seines Erstlings – das Schattenspiel zwar wiederholend, aber doch neu geboren in den Zwischentönen. Ein Kleinod sicherlich das „I found my Way“ in Überlänge: Ausdrucksstarke Bilder, die Ripp ohne Mühen auf die Leinwand der Seele malt.

Nicht aufgeben

Im abgelaufenen Jahr arbeitete der Freisinger Musiker an weiteren Songs und Aufnahmen, auch ihn hat die Corona-Pandemie einige Konzerte gekostet. Doch aufgeben steht nicht auf seiner Agenda, ebenso wenig die große Anpassung an den musikalischen Mainstream. 2019 hat Ripp den dritten Platz beim Freisinger Jugendkulturpreis gewonnen, führ ihn immer noch ein großer Grund der Freude. Natürlich würde ihn ebenso freuen, bei einem großen Label unterzukommen, allerdings macht sich Ripp diesbezüglich nichts vor: Mit seinen gefühlvollen Songs bedient er eine anspruchsvolle Insel im seichten Musik-Tümpel. Dennoch: Verwunderlich wäre es trotzdem nicht, wenn Folk-Fans das Freisinger Talent eines Tages im Radio hören würden – am besten irgendwo zwischen dem frühen Bob Dylan und der späten Joni Mitchell.

Richard Lorenz

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